Zurück in die Zukunft

15.05.2017 - 08:14 | a3redaktion

Das Deutsche Mozartfest steht vom 19. bis 28. Mai unter dem Titel »Spurensuche – Tracking Mozart«. Präsentiert wird Weltklasse zwischen Monteverdi und Moderne.

Dass Mozart von Komponisten und Musikern bis heute als Ausgangspunkt ihres eigenen Schaffens betrachtet wird, ist kein Geheimnis. Aber worauf basieren seine Tonsprache und seine Art zu komponieren, wen nahm er sich selbst zum Vorbild? Das Mozartfest 2017 begibt sich auf Spurensuche. Das Festival spürt den musikalischen Wurzeln und Linien nach und widmet sich insbesondere den Wegbereitern Claudio Monteverdi im Jahr seines 450. Geburtstags und Georg Philipp Telemann, dessen Todestag sich 2017 zum 250. Mal jährt. Die Spuren führen über die Romantik und Komponisten wie Mendelssohn und Brahms hin zur zeitgenössischen Musik, die neben ganz eigenen Formen und Kompositionstechniken auch die Mozart’schen Vorbilder wiederentdeckt und sich damit auseinandersetzt.

Eröffnet wird das Mozartfest am 19. Mai im Parktheater. Das international hochdekorierte Ensemble L‘Arpeggiata präsentiert in ihrem Programm »Teatro d‘Amore« Werke von Claudio Monteverdi und Zeitgenossen. Unter der Leitung von Christina Pluhar an der Theorbe sind mit Nuria Rial (Sopran) und Vincenzo Capezzuto (Countertenor) zwei der großen Stimmen der Barockmusik zu hören. Der Beginn ist um 19:30 Uhr.

Ein Schwerpunkt des Mozartfests liegt auf dem diesjährigen Reformationsjubiläum. So blickt die bayerische kammerphilharmonie (Leitung: Reinhard Goebel) unter dem Titel »From Hamburg with Love« auf das Werk des Komponisten Georg Philipp Telemann. Zum 200. Jubiläum des Augsburger Religionsfriedens schuf er 1775 sein Oratorium »Holder Friede, heil‘ger Glaube«. Bereits 25 Jahre zuvor widmete Telemann der Fuggerstadt die Kantate »Sei tausendmal willkommen« zum 200. Jahrestag der Confessio Augustana. Beide Stücke werden beim Konzert am 20. Mai um 19:30 Uhr in Ev. St. Ulrich zu hören sein. Mit dabei: Sarah Wegener (Sopran), Jan Kobow (Tenor), Benjamin Appl (Bariton) und Raimund Nolte (Bass) sowie das A-capella-Ensemble Das Vokalprojekt.

»Wohl dem, der den Herren fürchtet« – Schätze lutherischer Musik präsentiert auch der Windsbacher Knabenchor zusammen mit dem Ensemble Wunderkammer am 27. Mai in der Basilika St. Ulrich und Afra. Unter der Leitung von Martin Lehmann erklingen unter anderem Werke von Hans Leo Haßler, Johann Pechelbel und Johann Eccard. Los geht es um 19:30 Uhr.

Jazzig wird es am 20. Mai im H2 – Zentrum für Gegenwartskunst. Michael Wollny (Klavier), Popstar und kreative Keimzelle der europäischen Jazzszene, gastiert mit Vincent Peirani (Akkoredeon) und seinem neuen Programm »Tandem« in Augsburg. Darin schreckt das Duo auch nicht vor einer Bearbeitung des berühmten »Adagio for Strings« von Samuel Samuel Barber zurück – ganz ohne Streicher. Der Beginn ist um 22:30 Uhr.

»Wohin? Wo soll ich hin?« – Am 21. Mai um 19:30 Uhr steht im Kleinen Goldenen Saal erneut Georg Philipp Telemann im Fokus. 1765 schrieb der 84-Jährige mit »Ino« eine Kantate, die an Dramatik kaum zu überbieten ist und an die Musiktragödien Glucks erinnert. 250 Jahre nach seinem Tod hat sich mit Starsopranistin Nuria Rial eine Idealbesetzung der Ino gefunden. La Stagione Frankfurt verbindet den späten Telemann mit der nur sieben Jahre später entstandenen Sinfonie Nr. 21 des wilden 16-jährigen Mozarts.

Im Rahmen ihres Aufenthalts in Augsburg bietet Nuria Rial am 22. Mai um 10 Uhr zudem einen Meisterkurs Gesang im Festsaal des Schaezlerpalais an. Am selben Tag, am selben Ort, allerdings um 19:30 Uhr präsentieren Sibylla Rubens (Sopran) und Christoph Hammer (Hammerklavier) einen Liederabend zum Thema »Liebe und Schmerz«. Zu Gehör kommen Lieder von W.A. Mozart, Joseph und Michael Haydn, Ignaz von Beecke und anderen.

»Das ist doch einmal etwas, aus dem sich etwas lernen lässt« soll Mozart ausgerufen haben, als er im Hause des Barons van Swieten mit der Musik Johann Sebastian Bachs und Georg Friedrich Händels in Berührung kam. Mit den ECHO-Preisträgern von NeoBarock zeigt am 23. Mai um 19:30 Uhr ein Spitzenensemble im Kleinen Goldenen Saal, was der lernbegierige Mozart von den Altmeistern des Kontrapunkts aufsog und verarbeitete.

Für viele Weltstars der klassischen Musik beginnt die Karriere beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD. Das Mozartfest versammelt am 24. Mai im Kleinen Goldenen Saal die Preisträger Aris Quartett, Agnès Clément (Harfe) und Daniela Koch (Flöte). Um 19:30 Uhr erforscht diese einzigartige Kombination aus Streichquartett, Harfe und Flöte die Einflüsse Mozarts auf Beethoven, Debussy und Hosokawa.

Ebenfalls am 24. Mai präsentiert das Ensemble SoundLeaks unter dem Motto »Mozart & co. Recomposed« eine Zeitreise mit zeitgenössischen Be- und Verarbeitungen der Musik alter Meister in der Staatsgalerie in der Katharinenkirche. Im Zentrum des Konzerts (Beginn: 22 Uhr) steht eine Uraufführung: Volker Nickel verarbeitet in einem neuen Werk das Festivalthema »Spurensuche«.

Premiere feiert in diesem Jahr »Freistil«, das Festival im Festival. Maximilian Hornung (Cello) und Sarah Christian (Violine) verarbeiten das Thema des Mozartfests auf ihre eigene Weise: Frei, aber mit Stil. Den Auftakt bildet der Abend »Klaviertriospuren« am 25. Mai um 19:30 Uhr im Kleinen Goldenen Saal. Zusammen mit Fabian Müller (Klavier) präsentieren Hornung und Christian Werke von Haydn, Mendelssohn Bartholdy und Schönberg. Weiter geht es mit »Streichquintettspuren« (26. Mai, 19:30 Uhr, Kleiner Goldener Saal) und dem Live-Electronic-Cello-Mashup »Celloclubbing« (27. Mai, 22:30 Uhr, Mahagoni Bar).

»Mozart und Strauss reloaded« heißt es am 28. Mai um 19:30 Uhr im Kongress am Park: Zum Abschluss des Mozartfests kommt Cello-Legende Steven Isserlis (Foto) nach Augsburg. Gemeinsam mit Meisterschülern der Kronberg Academy verbindet er Mozarts berühmte »Sinfonia Concertante« mit einer Concertante moderner Prägung: Richard Strauss’ monumentaler Tondichtung »Don Quixote«. Musikalische Unterstützung erhalten Isserlis und Co von den Augsburger Philharmonikern unter der Leitung von GMD Domonkos Héja.

Last but not least gibt es Zuwachs für das Mozartfest zu vermelden: Mehr Musik! präsentiert heuer erstmals ein Festival für Kinder. Das neue Format »Kling Klang Gloria!« – benannt nach einem traditionellen Kinderreim – macht sich wie sein »großer Bruder« auf musikalische Spurensuche. Zusammen mit dem preisgekrönten Ensemble Die Schurken geht es bei der Eröffnung am 28. Mai um 15 Uhr im Kulturhaus abraxas auf nach »Umbidu«. Mit Musik von Bach, de Falla, Ligeti, Purcell und anderen rückt das Ziel immer näher. Dank ausgeflippter Improvisationen, zarter Geräusche, wilder Klänge und einer faszinierenden Fantasiesprache ist das Konzert für alle ab fünf Jahren geeignet.

Am selben Tag – ebenfalls im Kulturhaus abraxas – findet ab 14 Uhr in Kooperation mit dem Studiengang Musikvermittlung/Konzertpädagogik des Leopold-Mozart-Zentrums der Aktionstag »Auf der Suche nach Kling Klang Gloria« statt. Beim Lauschprojekt »Hinter den Türen« kommt der, der richtig hingehört hat, dem Lösungswort auf die Spur. Und wer Lust hat, kann in der Werkstatt »Kronkorken, Strohhalm und Co« eine Rassel oder ein Kazoo selbst bauen. Weitere Konzerte, Workshops und Spurensuchen des bis zum 2. Juni laufenden Kinder-Festivals »Kling Klang Gloria!« lesen Sie unter: www.mehrmusik-augsburg.de

Weitere Informationen zum Programm des Deutschen Mozartfests 2017 und den Kartenvorverkauf finden Sie unter:
www.mozartstadt.de

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