An den Rand gedrängt

Comoeida Mundi Ulenspiegel
12. Oktober 2014 - 13:39 | Patrick Bellgardt

Mit dem Theaterensemble Comoedia Mundi ist Augsburgs Kulturlandschaft für wenige Wochen um eine Attraktion reicher – doch kaum einer bekommt es mit.

Ein mobiles Theaterzelt für eine begrenzte Zeit mitten in der Stadt, mit den Aufführungen einen Platz verändern, nahe am Zuschauer sein – mit diesem Konzept reisen die Kulturnomaden von Comoedia Mundi seit über 30 Jahren durch das Land. Erstmals in Augsburg gastierte die Gruppe in den 1980er-Jahren auf dem Elias-Holl-Platz. Mit diesem Gastspiel trug das Ensemble maßgeblich dazu, den Standort für die kulturelle Nutzung zu öffnen. Mit »La Piazza« etablierte sich dort ein internationales Theaterfestival.

Seitdem hat sich viel verändert. Gerne hätten Comoedia Mundi ihr Zelt wieder auf dem Elias-Holl-Platz aufgeschlagen. Aus bautechnischen Gründen war dies nicht zu machen. Auch mögliche Alternativen wie die Parkanlage am Roten Tor oder der Kleine Exerzierplatz waren von städtischer Seite nicht zu bekommen. Nur die Gastfreundschaft des Kulturparks West ermöglichte kurzfristig das geplante Gastspiel. Seit wenigen Tagen campieren die Künstler nun zwischen Kantine und Bombig. »Heimat kann immer dort entstehen, wo Gastfreundschaft über Sachzwänge siegt«, schreiben die Theaterkünstler vielsagend auf ihrer Homepage.

Leider entspricht der neue Standort nicht dem Konzept der Gruppe. Das Zelttheater muss von den Menschen gesehen werden, es muss an einem öffentlichkeitswirksamen Platz stehen, mit seiner Umgebung in Interaktion treten können. So schön es auch ist, dass Comoedia Mundi überhaupt wieder nach Augsburg kommen konnte: Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Stadt den Theatermachern keinen zentrumsnahen Platz zur Verfügung gestellt hat. Entsprechend niedrig waren die Besucherzahlen zum Start am 9. Oktober: Lediglich 20 Personen wollten die Premiere von »Ulenspiegel« sehen.

Das größte Problem des einmaligen Projekts ist und bleibt auch nach 30 Jahren seine Finanzierung. Der Aufwand für die Gruppe gleicht dem einer Bühne in einem festen Haus, nur dass bei Comoedia Mundi auch noch der Theaterbau und der Lebensraum der Mitglieder mit auf Tour gehen. Augsburg ist für wenige Wochen um eine Attraktion reicher – und kaum einer bekommt es mit. Eines der letzten Tourneetheater mit eigenem Zelt hätte es verdient gehabt, sich entsprechend präsentieren zu können – in Städten wie Frankfurt, Erlangen oder Nürnberg war das möglich.

Noch bis zum 26. Oktober gastieren Comoedia Mundi im Kulturpark West. Neben »Ulenspiegel« steht auch das Kinderstück »Frau Sonntags Woche« auf dem Programm. Übrigens: Hartz-IV-Empfänger zahlen nur einen Euro Eintritt. Alle Termine finden Sie unter:

www.comoedia-mundi.de

Weitere Positionen

29. Oktober 2020 - 14:52 | Martin Schmidt

Sebastian Karner, neuer 1. Vorsitzender der Club & Kulturkommission Augsburg, spricht im Interview mit a3kultur über die Zukunft der Clubszene in Corona-Zeiten.

29. Oktober 2020 - 13:08 | Dieter Ferdinand

Am 21. Oktober hielt Dr. Michael Mayer im Festsaal der Synagoge den Vortrag »Judenfeindschaft im Schatten des Holocaust. Die antisemitische Politik des französischen Vichy-Regimes«.

27. Oktober 2020 - 11:07 | Jürgen Kannler

Das Streichkonzert beim ersten Etat unter Corona-Bedingungen hat begonnen. Ein Kommentar von Jürgen Kannler

23. Oktober 2020 - 15:37 | Patrick Bellgardt

Die ersten Wochen der neuen Saison sind gespielt, nun steigen die Corona-Fallzahlen wieder. Theatermacher*innen wie André Bücker und Sebastian Seidel müssen unter wechselnden Pandemiebedingungen arbeiten.

22. Oktober 2020 - 9:15 | Bettina Kohlen

Der vielseitig tätige Künstler Felix Weinold ist aktuell mit mehreren Ausstellungen in der Region präsent, darunter ist auch eine umfangreiche Einzelschau im Augsburger Holbeinhaus.

20. Oktober 2020 - 10:39 | Dieter Ferdinand

Im Kulturhaus abraxas las der Schauspieler Matthias Klösel den Bericht des Auschwitz-Überlebenden Ludwig Frank.

19. Oktober 2020 - 10:56 | Patrick Bellgardt

»Kunst und Kultur im Quartier – Wie geht das zusammen und was soll das?« Diese Frage stellte sich eine Diskussionsrunde, zu der die a3kultur-Redaktion Anfang Oktober auf das Gaswerkgelände geladen hatte.

16. Oktober 2020 - 11:02 | Max Kretschmann

Am 9. Oktober feierte das Sensemble Theater in Kooperation mit dem Neuen Theater Burgau die Premiere von Friedrich Dürrenmatts »Der Mitmacher«. Regie führte Phillip J. Neumann, assistiert von Lisa Bühler. In den Hauptrollen waren Heiko Dietz, Dörthe Trauzeddel und Birgit Linner zu sehen.

15. Oktober 2020 - 13:49 | Renate Baumiller-Guggenberger

In den zwei Freistil-Konzerten am Montag- und Dienstagabend im Kleinen Goldenen Saal katapultierten Sarah Christian und Maximilian Hornung ausgewählte Streich- und Klaviertrios von Beethoven und Mozart sowie Gabriel Faurés erstes Klavierquartett (c-Moll) in schwindelerregende Höhen

14. Oktober 2020 - 16:28 | Bettina Kohlen

Eine Ausstellung im Grafischen Kabinett mit Arbeiten des Bildhauers Fritz Koelle macht dessen politisch durchaus ambivalente Haltung deutlich.