Miau

Die Katze auf dem heißen Blechdach
29. Oktober 2014 - 14:03 | Jürgen Kannler

Tennessee Williams glückt im Großen Haus durch Reduzierung

Die Geschichte ist schnell erzählt. Brick (Ronny Miersch) zerbricht am vermeintlichen Verrat an seinem Freund Skipper und säuft. Seine Frau Margaret (Jessica Higgins) hat keine Kinder und ist einsam. Big Daddy (Gregor Trakis) hat Krebs und stirbt. Auch Big Mama (Ute Fiedler), der unerträgliche Rest der Familie und weiteres Pack sind gefangen in einem selbst gezogenen Gestrüpp aus Lüge, Neid und verpassten Gelegenheiten. Man darf sich natürlich fragen, wie viel Brisanz Bricks unterdrücktes Schwulsein oder der unerfüllte Kinderwunsch seiner Frau heute noch haben, und ahnt dabei, dass Williams Southern-Gothic-Meisterwerk »Die Katze auf dem heißen Blechdach« anstandslos den Duft der schweren Parfums unserer Großmütter verbreiten könnte, um damit das Publikum bis weit in die hintersten Sitzreihen zu narkotisieren. Tut es aber nicht, zumindest nicht in Augsburg. Matthias Fontheim hat das Stück ordentlich durchgeschüttelt, Verzichtbares weggelassen und einen formidablen Familienalptraum auf die Bühne gestemmt. Elisabeth Pedross baute ihm dazu passend in die größte Bühne, die unsere Stadt zu bieten hat, einen Guckkasten mit schiefer Ebene hinein. Hier sieht man die Akteure, deren Gesamtleistung einfach beachtlich ist, stolpern und schlittern. Sie beherrschen die Szene, und das verdammt gute kurze 90 Minuten. Einen Tag nach der »Kohlhaas«-Premiere zeigte das Schauspiel im Theater Augsburg erneut, dass es mit all den Verlierertypen, die der aktuelle Spielplan zu bieten hat, hervorragend umzugehen weiß. Mein Tipp: Sichern Sie sich ein Abo. 

Weitere Termine: 7., 9. und 14. November, 4. und 16. Dezember

www.theater-augsburg.de

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