Die Regierung sagt: Mehr Bass!

Ancient Mith
31. Oktober 2014 - 14:16 | Martin Schmidt

Der Sommer war sehr groß, sagt Rilke. Der Herbst wird größer, sagt die Musik: Great beats. Big jangle. Und große Ehre für die Kantine.

Der November startet mit einem Tanzverbot (due to Allerheiligen), dann aber rappelt es wie im neuen »Boxtrolls«-Film im Karton. Denn: Wie schön ist es, in dieser Kolumne von Underground Rap galore zu schreiben und dabei ein Augsburger Projekt meinen zu dürfen.

 

MC Mr. Feat und Produzent Dot von Blindspot sporten in Sachen Kappenträgerkultur derart viel Leftfield und Abstract Hip-Hop, dass sie mit lässiger Geste Augsburgs Zwiebeltürmchen-Landschaft in die Skyline von New York City umhämmern. Man muss sich fragen, warum Blindspot nicht schon längst von Anticon gesignt wurden, und gleichermaßen muss man sich fragen, was man am Samstag, 15. November, denn so Genaues vorhat. Denn da feiern Blindspot den Abschluss ihrer gemeinsamen sechswöchigen Tour mit Underground-Gigant Ancient Mith (Denver, Colorado). Auf der Soho Stage (ab 23 Uhr) präsentiert der für seine dynamischen Performances bekannte Rapper sein viertes Album »And The Dead Shall Lie There«. KuSpo, ruhe in Frieden!

Spielstättenpreis für die Kantine

 

Der groovy Bass des Erfolgsbookings der Kantine Augsburg lässt seit zwölf Jahren die Livemusik-Szene in Augsburg immer wieder wohlig erzittern. Und doch ist es auch der Club selbst, der um seine Zukunft zittert. Der Mietvertrag mit der Stadt endet 2017. Der weitere Verbleib: ungeklärt. Nun wurde die Kantine mit dem Spielstättenpreis der Bundesregierung prämiert. Clemens Wieser und Sebastian Karner nahmen die Auszeichnung in Hamburg im Rahmen des Reeperbahn Festivals stellvertretend für das ganze Kantine-Team entgegen. Der Preis zeichnet kulturell herausragende Livemusik-Programme aus, im bepreisten Jahr 2013 umfasste das Kantine-Programm an 81 Konzerttagen 222 Liveacts. »Neben dem Buchen von Bands aus aller Welt ist die regionale Nachwuchsförderung stets ein zentrales Anliegen und fester Bestandteil der täglichen kulturellen Arbeit gewesen«, so Sebastian Karner. »Hierbei sind aber noch lange nicht alle Register gezogen und wir sehen auch in Zukunft viel Potenzial im spannenden Bereich der Nachwuchsförderung.«

 

Welcome to the jangle!

 

Hinweisen muss man, nicht nur im Monat November, aber auch auf das fantastische, geschmacks- und stilsichere Booking der Veranstaltungsreihe »Going Underground«. Denn die ist inzwischen ein Markenzeichen für ausgesuchten Psychedelic Jangle. Die beiden ersten Events (Einlass: 21 Uhr, Start 21:30 Uhr) enden mit einem DJ-Set der »Going Underground«-Macher, das zum Tanz bis in den frühen Morgen einlädt. Am Freitag, 7. November, spielen The Mantles aus San Francisco wunderbaren 60ies/Westcoast/Jangle Pop. Wem die neuseeländische »Flying Nun«-Szene geläufig ist und wer sein Wohnzimmer in Paisley tapeziert hat, der horche auf. Angesiedelt zwischen The Byrds, The Feelies und The Clean. Am Freitag, 28. November, gastiert dann die australische Indie-Band Full Ugly (Melbourne) im City Club. Mit Vergleichen wie The Replacements, Lemonheads und The Pastels liegt man nicht ganz daneben. Unterstützt werden die Australier von der Augsburger Wüsten-Psychedelic-Combo San Antonio Kid. Am ersten Advent, Sonntag, 30. November, kommen dann Allo Darlin’. Auf ihrer ausgedehnten Tour spielen die nur zwei Konzerte in Deutschland, das eine in Köln, das andere bei uns in Jangleburg. Das wird der Frühling am ersten Advent: leichtfüßige Melodien und Clap-your-hand-Rhythmen erinnern an Twee- und Indie-Pop-Lieblinge wie Belle and Sebastian, Camera Obscura oder The Lucksmiths. Einlass: 18 Uhr. Start: 19 Uhr. Sängerin: hübsch.

 

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