10 Jahre Neue Stadtbücherei

1. Oktober 2019 - 12:15 | Gast

Anfangs von der Politik nicht gewollt – am Ende von engagierten Bürger*innen durchgesetzt. Die Neue Stadtbücherei feiert ihr zehnjähriges Bestehen. Ein Gastbeitrag von Kurt Idrizovic

Es war einmal eine Idee! Und eine Gruppe von sechs Augsburgerinnen und Augsburgern, die wollte, dass diese Idee Wirklichkeit werden würde. Und siehe da: Sie ist Wirklichkeit geworden. Sie hieß und heißt: Neue Stadtbücherei Augsburg, ist mittlerweile zehn Jahre alt – wahrlich ein Grund zum Feiern. Aber nicht nur der Existenz dieses Hauses gebührt unser Glückwunsch – beachtenswert ist auch, wie es zustande kam: Klaus Döderlein, Winfried Hierdeis, Dr. Ulrich Hohoff, Angelika Hofmockel, Horst Thieme und der Autor dieses Beitrags wollten damals nicht länger zusehen, wie die Stadt ihre Stadtbücherei baulich und inhaltlich verkommen ließ, finanziell geringschätzte und suggerierte, eines modernen, zeitgemäßen, gut ausgestatteten, behindertengerechten Zentrums für kulturelle und interkulturelle Angebote bedürfe es in Augsburg nicht.

Doch! Engagierte Bürgerinnen und Bürger haben deshalb die »Offensive Neue Stadtbücherei« gegründet und im Januar 2005 ein Bürgerbegehren gestartet. Damit ist die Debatte um die Neue Stadtbücherei eine öffentliche geworden. Den Augsburgerinnen und Augsburgern gelang etwas in Deutschland ziemlich Einmaliges: Allein ihr Bürgerwille brachte den Neubau einer Bücherei auf den Weg!

Schon im Juli 2005 waren 13.500 Unterschriften gesammelt. Nur 9.000 wären zur Einleitung eines Bürgerentscheids nötig gewesen. Dazu ist es nicht mehr gekommen, die Stadtspitze hat den Bürgerwillen rechtzeitig verstanden. Noch im gleichen Jahr beschloss der Stadtrat den Neubau am Ernst-Reuter-Platz.

Am 19. Juni 2009 ist die Neue Stadtbücherei eröffnet worden. Anfangs von der Politik nicht gewollt – am Ende von engagierten Bürgerinnen und Bürgern durchgesetzt. Da steht sie nun, die Neue Stadtbücherei, mitten im Zentrum. Ein Haus der Medien, ein Ort der Begegnung, des Lesens, Lernens, der Bildung, der Kunst und Kultur. Hier finden Debatten statt, Diskussionen, Ausstellungen, Vorträge, Konzerte. Alles, was die Teilhabe am gesellschaftlichen und kulturellen Leben in unserer Stadt möglich, erfolgreicher und manchmal auch leichter macht. Nach zehn Jahren haben rund viereinhalb Millionen Menschen den Weg dorthin gefunden, haben dort etwa zehn Millionen Medien ausgeliehen – keine schlechte Bilanz.

Aber: Ein Geburtstag wäre nichts ohne die dazugehörigen Wünsche. Schön wäre es also, der Anteil an Stadtteilbüchereien würde vergrößert (Oberhausen!), der Bücherbus würde seine Reisen und Haltestellen in der Stadt ausweiten, die Zusammenarbeit mit Schulen (Lese-Inseln) und Lehrern verstärkt. Schön wäre es auch, der Stadtrat würde zehn Jahre nach der Eröffnung der Neuen Stadtbücherei das Büchereikonzept fortschreiben und weiterentwickeln, die Öffnungszeiten der Stadtteilbüchereien würden der Lebenswirklichkeit von arbeitenden Menschen angepasst.

»Bibliotheken und Büchereien rechnen sich nicht – aber sie zahlen sich aus.« Von wem dieser kluge Satz stammt, wissen wir nicht – man sagt: dem Volksmund. Recht hat er –  siehe Augsburg! Es war einmal eine Idee! Sie wird bleiben. Über zehn Jahre hinaus.

Kurt Idrizovic ist Inhaber der Buchhandlung am Obstmarkt und war einer der Initiatoren des Bürgerbegehrens für eine neue Stadtbücherei Augsburg.

www.neuestadtbuecherei.de
www.buchhandlung-am-obstmarkt.de

Mit einem umfangreichen Jubiläumsprogramm feiert die neue Stadtbücherei im Oktober ihren zehnten Geburtstag. Dazu zählt eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion zur Zukunft des Lesens (4. Oktober, 19 Uhr). Es diskutieren Bernd Sibler, bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Dr. Gregor Peter Schmitz, Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen, Prof. Dr. Klaus Zierer, Erziehungswissenschaftler und Peter Kosak, Leiter des Schulwerks der Diözese Augsburg. Es moderiert Dr. Ulrike Schaupp von der Universität München. Weitere Highlights sind eine eine Autorenlesung mit Elke Heidenreich – »Alles kein Zufall« – inklusive literarischem Salon (11. Oktober, 19 Uhr) und der vielfältige Tag der Offenen Tür (12. Oktober, 11 bis 18 Uhr).

Foto: Siegfried Kerpf

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