Club & Livemusik

30 Jahre »Band des Jahres«

Julian Stech
8. März 2016

»Band des Jahres« feiert 30. Geburtstag. Wer hätte das gedacht, dass es diesen Bandcontest bereits so lange gibt und er noch dazu als ältester, noch existierender Bandwettbewerb Deutschlands gilt? Aus dem alljährlichen Veranstaltungskalender der Stadt und Region ist er nicht mehr wegzudenken und man kann ihn gerne als den mehrtägigen »Opernball der Jugend« betrachten. Hier findet sich der musikalische Nachwuchs der Region zusammen. Hier treffen die musikbegeisterten Augsburger auf das, was sich in verrauchten Kellern, mit Midi-Keyboard und Drum-Computer ausgestatteten Kinderzimmern und den heimischen Proberäumen für Schulbands Tag für Tag abspielt. Es ist kein reiner Einzelkämpferwettbewerb wie der traurige TV-Casting-Wahnsinn. Nein, hier wird noch Wert auf Zusammenhalt und Gruppendynamik gelegt.

Viele Namen, bei denen es bisher leider nicht für beständige, deutschlandweite Aufmerksamkeit gereicht hat, wie Der Herr Polaris (Sieger 2004), King the Fu (2009) und Adulescens (2011) können wir noch immer auf den Konzertplakaten unserer regionalen Clubs lesen. Das zeigt, dass auch heutzutage noch Bands über Jahre hinweg bestehen können. Der große Durchbruch hin oder her – eine großartige Sache. Überregional bekannt wurden Gewinnerbands wie Nova International (1998), Anajo (2000) und die Killerpilze (2005). Auch Letztgenannte sind noch immer aktiv (neues Album 2016: »High«) und können bereits auf sieben Studioalben zurückblicken.

Dennoch bleibt wohl der »Blacky« der bislang erfolgreichste Augsburger Popstar, denn zum großen Nummer-eins-Hit hat es auch in den letzten Jahrzehnten keine unserer Augsburger BDJ-Bands geschafft. »Aber das wäre auch zu viel verlangt«, erzählt mir Organisator und Neue-Szene-Chefredakteur Walter Sianos. »Man täte dem Wettbewerb unrecht, wenn man solche Forderungen stellen würde.« Das ist eine sympathische und bodenständige Haltung. Denn hört man gegenwärtig Mainstream-Radio, so finde ich, sollte man es sich als Musiker sowieso gut überlegen, ob man auf solch einer zum großen Teil künstlichen Welle mitreiten möchte. Der Wettbewerb jedenfalls gibt den jungen Bands die Möglichkeit, auf einer großen Bühne mit guter Technik zu performen. »Manchen geht es gar nicht um mehr. Die Siegerprämien wie Bandcoaching, Festival-Slots und Studioaufnahmen sind für viele Teilnehmer nicht das Allerwichtigste bei diesem Event«, sagt Sianos.

Die Philosophie der Starthilfe- und Sprungbrettfunktion des Contests funktioniert jedenfalls. Phil von Wunderwelt, der letztjährigen Siegerband, ist mit der Betreuung und all dem, was der Titel seiner Band ermöglicht hat, vollends zufrieden. Festival- und Konzertanfragen sowie ihr Platz im BY-on-Förderprogramm sind nur ein Teil des Triumphs, denn auch in Zukunft, sagt Phil, »können wir uns bei Fragen oder Entscheidungen immer an jemanden von ›Band des Jahres‹ wenden, weswegen sich dieser Contest weit von anderen abhebt und aus mehr besteht als einer Siegerprämie und dem Titel.«

So soll und so wird es weitergehen. Auch wenn es laut Sianos momentan den Anschein hat, dass es den 17-, 18-Jährigen mehr um individuelle Selbstdarstellung als um eine Bandgründung geht und es an wahren Vorbildern innerhalb der Popmusikszene mangelt. Neue Bands werden immer wieder nachkommen und jede einzelne dieser jungen Musikgruppen verdient Aufmerksamkeit. Denn diese Gefüge junger Menschen machen nicht nur Musik, nein, sie repräsentieren die Sicht der Jugend auf die Gesellschaft. Durch diese selbst gewählten kleinen Familien zeigen sich die Freude und der Frust, das Gleichgewicht und die Missverhältnisse innerhalb einer Generation. Und die BDJ-Orga-Koalition (Neue Szene, Stadtjugendring Augsburg, Downtown Music Institute u.v.m.) hilft dabei, diesen jungen Seelen Gehör zu verschaffen. Hierfür ein großes Dankeschön! Das ganze a3kultur-Team sagt Happy Birthday zum 30. Geburtstag. Macht weiter so!

Deutschlands ältester Bandwettbewerb geht in den kommenden Wochen in seine heiße Phase. Am 11. März um 19:30 Uhr findet das Halbfinale statt, am 22. April um 19 Uhr steigt dann das große Finale. Als Location dient wie gewohnt die Kantine.

Foto: Der heutige Neue-Szene-Chefredakteur Walter Sianos gewann mit seiner Band The Hyde Parkas die erste Auflage des Wettbewerbs 1986 und stieg kurze Zeit später in die Redaktion des Magazins ein, das damals übrigens einfach »Szene« hieß. Das Augsburger Pop-Urgestein organisiert den Contest seit 28 Jahren. (Foto: Nikolas Hagele)

www.band-des-jahres.de

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