4/20 Berlin

11. April 2018 - 9:08 | Thomas Ferstl

Projektor, die a3kultur-Filmkolumne im April

Ausgesprochen »four-twenty« steht diese Zahl im englischen Sprachraum als Code für den Konsum von Cannabis. Ausgehend von dieser Zahl werden am 20. April diverse »Festlichkeiten« begangen. Wie es der Zufall nun will, feiert Projektor diesen Monat sein vierjähriges Jubiläum, Prost darauf, und James Camerons »Titanic« (8. April, CinemaxX) den 20. Geburtstag. Zelebriert wird natürlich stilecht – nein, nicht mit Kräuterzigaretten, sondern mit lauwarmem Popcorn und einer verwässerten Jumbo-Cola. Was dieser Monat mit Berlin zu tun hat, außer dass am 20. April im Görlitzer Park legal Cannabis geraucht werden darf, und ob es im Kino etwas Sehenswertes gibt, lesen Sie wie immer hier:

In »Steig. Nicht. Aus!« (12. April, CinemaxX) will der Berliner Bauunternehmer Karl Brendt (Wotan Wilke Möhring) auf dem Weg zur Arbeit noch schnell seine Kinder Josefine (Emily Kusche) und Marius (Carlo Thoma) zur Schule bringen. Doch bereits kurz nachdem er das Auto startet, erhält er einen Anruf: Ein Unbekannter droht damit, das Auto mit einer Bombe, die unter dem Sitz versteckt ist, in die Luft zu sprengen, sollten Karl oder die Kinder versuchen auszusteigen. Vom Auto aus soll Karl in kürzester Zeit eine große Summe Geld beschaffen. Als seine Ehefrau Simone (Christiane Paul) ihn verdächtigt, die gemeinsamen Kinder entführt zu haben, nimmt auch die Polizei die Verfolgung auf und schaltet Sprengstoffexpertin Pia Zach (Hannah Herzsprung) ein. Es beginnt ein tödlicher Wettlauf gegen die Zeit: Der Bombe ausgeliefert und von der Polizei verfolgt, versucht Karl verzweifelt, seine Kinder und sich zu retten.

Regisseur Christian Alvart schuf 2005 mit »Antikörper« bereits einen ersten Thriller mit Möhring in der Hauptrolle. Genau wie dieser Film eindeutig Inspiration durch »Das Schweigen der Lämmer« erkennen ließ, ist auch »Steig. Nicht. Aus!« kein ganz originäres Werk Alvarts. Der Thriller lässt Vorlagen à la »Nicht auflegen!«, »No Turning Back«, »Transporter 3« und vor allem »Anrufer unbekannt« erkennen. Dabei wirkt der Film leider platter als seine Inspirationsquellen und glänzt nur durch zwei sehr aufwendige Plansequenzen und Wotan Wilke Möhrings zwar engagiertes, aber auch nicht brillantes Spiel. Spannung kommt durchaus auf, aber so manch rasante Taxifahrt durchs nächtliche Augsburg hat mir schon schwitzigere Hände bereitet.

Ganz anders verhält es sich mit Wim Wenders Klassiker »Der Himmel über Berlin« (Foto, 12. April, CinemaxX | 3. Mai, Kinodreieck). Anlässlich seines 30. Geburtstags im vergangenen Jahr erscheint der Film nun in Bild und Ton digital restauriert in 4K und Dolby 5.1 abermals auf der Großleinwand. Die Hauptfiguren sind Schutzengel, freundliche unsichtbare Wesen im Trenchcoat, die den Gedanken der Sterblichen zuhören und versuchen, sie zu trösten. Einer von ihnen, Damiel (Bruno Ganz), hat den Wunsch, ein Mensch zu werden, nachdem er sich in die schöne Trapezkünstlerin Marion (Solveig Dommartin) verliebt hat. Peter Falk, der sich selbst spielt, steht ihm bei seiner Verwandlung zur Seite und weiht Damiel in die kleinen Freuden des Lebens ein. Der Film beginnt in Schwarz-Weiß. Erst als Damiel ein Mensch wird, eröffnet sich ihm und dem Zuschauer die Welt der Farben.

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