50 Shades of Projektor

3. Juni 2018 - 8:32 | Thomas Ferstl

Und schon wieder wird bei Projektor gefeiert. Neulich erst der vierjährige Geburtstag, diesmal die 50. Auflage dieser Kolumne.

Zu diesem feierlichen Anlass darf ich Ihnen den Beginn der Freiluftkinosaison verkünden. Am 9. Juni zieht das Cineplex Aichach unter den freien Himmel, Filme und Termine werden noch bekannt gegeben. Bereits am 1. Juni startet der Vorverkauf fürs Lechflimmern. Los geht es im Bad am Plärrer ab dem 21. Juni. Zu sehen geben wird es in dieser Saison unter anderem die Premieren von »Sauerkrautkoma«, »Safari – Match me if you can« sowie eine Vorpremiere von »Grüner wird’s nicht«. Ob es sich lohnt, diesen Monat auch Kino unter einem Dach zu sehen, erfahren Sie hier.

Simon Curtis’ »Goodbye Christopher Robin« (7. Juni, CinemaxX) erzählt die Geschichte der »Geburt« von Winnie Puuh. Nachdem der der erfolgreiche Theaterautor A.A. Milne (Domhnall Gleeson) im Ersten Weltkrieg gedient hat, kehrt er traumatisiert zu seiner Frau Daphne (Margot Robbie) zurück. Wenig später kommt ihr gemeinsamer Sohn Christopher Robin (Will Tilston) zur Welt. Der kleine Junge liebt es, mit seinen Stofftieren zu spielen. Zu ihnen zählen vor allem ein Teddybär mit Namen Winnie Puuh, ein kleines Schweinchen, ein Tiger und ein Esel. Da Milne ihm dabei oft Gesellschaft leistet, wird der Schriftsteller schon bald zu einem neuen Buch inspiriert, in dem Christopher Robin und seine Plüschfreunde im Mittelpunkt der Geschichte stehen. Das neue Werk wird zu einem riesigen Erfolg und von fast jedem Kind in Großbritannien innig geliebt. Doch der Ruhm birgt auch Schattenseiten und die kleine Familie samt Christophers Nanny Olive (Kelly Macdonald) muss lernen, damit umzugehen.

Passend zur positiven Stimmung des Kinderbuchs hat Regisseur Curtis seinem Film einen hübschen Feel-Good-Look verpasst. Leider lassen sich in den gesichteten Szenen wenig Anhaltspunkten finden, dass der Film die ganze Tragik der Geschichte ernsthaft ergründet. Krieg, posttraumatische Belastungsstörung und das Stalking des plötzlich weltberühmten Christopher Robin scheinen lediglich als plumpe Spannungsmittel eingesetzt. Die Geschichte um Familie Milne und Winnie Puuh ist faszinierend und hätte eine ernsthaftere Betrachtung verdient, hier wurde jedoch lediglich ein seichter Historienfilm daraus. Gut geeignet für vor oder nach dem Nachmittagskakao, mehr nicht.  

Weitaus ernsthafter geht es in »Wolf and Sheep« (7. Juni, Kinodreieck, Foto) zu. In einer entlegenen Bergregion in Afghanistan werden die Kinder der dort lebenden Familien täglich als Schäfer in die Berge geschickt. Während die Mädchen die Schafe hüten, müssen die Jungen Wölfe vertreiben. Kontakt zwischen Jungen und Mädchen ist streng untersagt. Dennoch schaffen es Qodrat (Qodratollah Qadiri), der von den anderen Kindern gehänselt wird, weil seine Mutter nach dem Tod ihres ersten Ehemannes mit einem alten Mann verheiratet werden soll, und Sediqa (Sediqa Rasuli), die angeblich das Böse in sich trägt und deshalb von den anderen Kindern gemieden wird, sich in den abgelegenen Bergen anzufreunden: Als Qodrat eines Tages allein durch die Berge streift, trifft er auf Sediqa und bringt ihr bei, wie man eine Schleuder herstellt, und anschließend ziehen sie oft gemeinsam durch die Gegend.

Die 26-jährige Regisseurin Shahrbanoo Sadat schuf eine glaubwürdige Geschichte zwischen Märchenwelt und harter Realität des ländlichen Afghanistans. Zudem bietet der Film imposante Bilder einer nahezu menschenfeindlichen Umgebung und wurde nicht zu Unrecht 2016 mit dem Art Cinema Award in Cannes ausgezeichnet.

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