75 Jahre Befreiung

28. März 2020 - 16:33 | Patrick Bellgardt

In den frühen Morgenstunden des 28. April 1945 setzten amerikanische Soldaten der NS-Diktatur in Augsburg ein Ende. Start der neuen Serie auf a3kultur.de

Im Geheimen gelang es der »Augsburger Freiheitsbewegung« am 27. April 1945 mit den Amerikanern Kontakt aufzunehmen. Die Botschaft der in den letzten Kriegsmonaten formierten Gruppe: Die Stadt würde sich bei einem Einmarsch kampflos ergeben. Zeitgleich verbreiteten Bürger*innen die Aufforderung, an den Häusern weiße Fahnen zu hissen. US-General John W. O’Daniel, Kommandeur der 3. Infanteriedivision, reagierte umgehend und befahl seinen Männern: »Sie sollen keinen einzigen Schuss auf Augsburg abgeben, es sei denn, es werden tatsächlich Schüsse von dort aus beobachtet. […] Achten Sie besonders auf weiße Fahnen oder sonstige Zeichen einer Kapitulation, denn wir haben viele entsprechende Hinweise bekommen.«

Am Morgen des 28. April 1945 stieß ein kleiner Stoßtrupp der Amerikaner mit Unterstützung der »Augsburger Freiheitsbewegung« in den »Riedingerbunker« vor – der Kommandozentrale der Nationalsozialisten im letzten Kriegsjahr. Stadtkommandant Franz Fehn wurde ebenso wie die übrigen Anwesenden überwältigt und festgenommen. Der stellvertretende Gauleiter und SS-Offizier Anton Mündler entzog sich der Verhaftung und erschoss sich selbst. Die NS-Herrschaft in Augsburg war beendet.

Erst zehn Tage später, am 8. Mai 1945, folgte die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht – Kriegsende in Deutschland. Weite Teile Europas waren zerstört. Über 60 Millionen starben, mehr als sechs Millionen Jüdinnen und Juden wurden ermordet, tausende Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, politisch Andersdenkende und Homosexuelle wurden getötet.

Heute erinnert eine unscheinbare Gedenktafel am Stadtwerkehaus an die widerstandslose Kapitulation der heutigen »Friedensstadt« Augsburg. Das Verwaltungsgebäude der swa im Hohen Weg steht auf den Trümmern des einstigen Nazi-Befehlsbunkers. Ein besonderes Dokument der Befreiung befindet sich in der Sammlung des Stadthistorikers Franz Häußler: Die Fotografie zeigt die Ankunft der US-Soldaten in der »Domkurve«. Aus ihrem Fenster heraus hatte die Anwohnerin Leni Lechner den einmarschierenden Trupp für die Nachwelt festgehalten.

Zum 75. Jahrestag der Befreiung Augsburgs durch die Amerikaner hat die a3kultur-Redaktion eine Reihe von Autor*innen, Historiker*innen und Menschen der Stadtgesellschaft um einen Gastbeitrag gebeten – zu lesen in den kommenden Wochen hier auf a3kultur.de!

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