Politik & Gesellschaft

All together now

Gast
27. Februar 2017

Das Jahr 2016 war für das Kreativquartier im ehemaligen Kasernengelände an der Sommestraße ein Erfolgsjahr: (inter)kulturelle Vielfalt, aktive Beteiligung, »do it yourself« und »learning by doing« – die basale Philosophie der Kulturparkidee von einer freien, bunten Szene demonstrierte der Stadtgesellschaft ihre Lebendigkeit und Kraft. Die von den kreativen Nutzer*innen initiierte und organisierte Kampagne »Kulturpark lebt nützt bleibt« sammelte bei zahlreichen Aktionen insgesamt über 15.000 Unterschriften von Unterstützer*innen, erreichte eine Verlängerung des Verbleibs auf dem Areal bis Sommer 2019 und forderte von der Stadtregierung klare Aussagen zum geplanten Umzugsszenario »Gaswerkareal« ein. Die von Mai bis Dezember 2016 tagende Verhandlungskommission, besetzt mit Vertreter*innen der Stadtverwaltung und der Kulturparknutzer*innnen, kam nur zustande durch die Übergabe der Unterschriften an den OB und den daraus entstehenden politischen Druck. Das Ergebnis – eine Umzugsplanung mit dem klaren Auftrag an die Stadtwerke, auf dem Gaswerkgelände knapp 4.800 qm bezahlbare, von der Stadt subventionierte und verwaltete Kreativflächen zu erstellen – muss der Stadtrat nun im März beschließen. Der Wermutstropfen – das erfolgreiche Strukturmodell eines gemeinnützigen, unabhängigen, selbstbestimmten Szenequartiers wird im Gaswerk nicht zum Zuge kommen – ist geschluckt und befeuert eine neue Dynamik, um mit geänderten Zielvorgaben Alternativen zu entwickeln.

Das bedeutet, jetzt – im Februar 2017 – haben endlich alle weit über 1.700 Kreativen im Kulturpark West sowie das viele Tausende zählende Publikum der Musikkantine, des Garagenklubs Bombig und des Reese-Theaters einen von der Stadt Augsburg garantierten »Fahrplan« vor Augen: Die Zwischennutzung auf dem Reese-Areal endet spätestens zum 31.12.2019, dann wird dort abgerissen und gebaut. Zwischen Sommer 2018 und Herbst 2019 besteht für alle Kulturparknutzer*innen, die sich bis 31.12.2016 bei der Stadt gemeldet haben, die Option auf einen Umzug ins kommunal verwaltete Kreativwerk auf dem Gaswerkareal. Gleichzeitig soll das Erfolgsmodell »Kulturpark« als kreative Heimat der freien Szene nach der dann zwölfjährigen Zwischennutzung »leben und nützen«. Die in zehn Jahren gemeinsam umgesetzte Kulturparkphilosophie des »do it together«, als riskantes Experiment gestartet, hat sich als Marke und Format etabliert und wird als Garant von »frei, bunt, wild« in Bewegung bleiben. Deshalb kann es auch kein resignatives Sich-selbst-Abwickeln, kein stilles Abwarten geben, wann, wie, wie viel zu welchem Preis letztlich auf dem Gaswerkareal an kreativer Raumumsetzung gelingt. Im Wissen um ein riesiges kreatives Potenzial – aufgrund von Bedarfsbefragungen im Großraum Augsburg spricht man von über 10.000 qm angefragter, niederschwelliger Kreativfläche – planen die »Kulturparkisti« parallel zu den kommunalen Anstrengungen in Eigeninitiative konkrete alternative Szenarien für die Fortexistenz einer selbstverwalteten, eigensinnigen Struktur.

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