Ausstellungen & Kunstprojekte

Alteisen? Keinesfalls

Iacov Grinberg
25. April 2016

Vor einigen Jahren wollte ich eine Jubiläumskarte für einen 70-jahrigen Bekannten kaufen. Im Laden gab es solche Karten für ganz verschiedene »runde« Daten. Ich habe bemerkt, dass auf den Jubiläumskarten für 65+ – im Unterschied zu den anderen – auf der Hinterseite ein kleines grünes Zeichen und eine kleine Inschrift »100% recyclable« zu sehen war. Natürlich war das einfach Zufall, aber ich dachte zunächst, dass es ein festen gesellschaftlichen Stereotyp widerspiegelt: Nach 65 Jahren ist ein Mensch schon Senior, er ist aus dem Berufsleben meist ausgeschieden und wird, ob wir wollen oder nicht, schon als Alteisen betrachtet.

Im Ausstellungsraum des Berufsverbands Bildender Künstler (BBK) im abraxas wurde nun die neue Ausstellung »Jahrgang 1943« eröffnet, die als ein Argument gegen diesen Stereotyp dienen kann. Zehn Mitglieder des BBK, alle Jahrgang 1943, präsentieren bei dieser Ausstellung ein Teil ihres Schaffens in den unterschiedlichsten Kunstrichtungen. Die Qualität ist zweifelsohne sehr gut – die Zugehörigkeit der Künstler zum BBK garantiert es.

Jede Kunstrichtung hat ihre Liebhaber, sowohl bei den Künstlern als auch bei den Betrachtern. Mir zum Beispiel gefielen besonders die Arbeiten von Peter Schlichtherle – ein Fest des Surrealismus, die Buntstiftzeichnungen von Kuno Knapp und »Kanu für 2« von Ingeborg Prein. Anderen gefielen die abstrakten Arbeiten von Hannes Goullon, Karin Wegener-Jacobs und Sigrid Münch-Metzner. Viele Streitgespräche hat die Arbeit »Ich bin der ich bin« von Christa Mayr hervorgerufen, die Arbeiten von Klaus Zöttl mit Erdpigmenten gefielen fast allen.

Aber die ausgestellten Bilder und Skulpturen sind nicht das wichtigste bei dieser Ausstellung. Viel wichtiger ist die über ihr schwebende, unsichtbare, aber deutliche Behauptung: »Ja, wir sind nicht jung. Wir sind aber kein Alteisen, wir sind künstlerisch aktiv. Wir sind feste und zuverlässige Säulen, auf welchen die bildende Kunst hier ruht und sich erfolgreich entwickelt«.

Sie können sich noch bis zum 15. Mai davon überzeugen.
(Iacov Grinberg)

www.kunst-aus-schwaben.de

Weitere Positionen

16. September 2021 - 10:00 | Marion Buk-Kluger

Für den September können wir Kabarett- und Comedy-Fans (fast) aus dem Vollen schöpfen, denn es ist angerichtet. Quergelacht – die a3kultur-Kolumne von Marion Buk-Kluger im September.

15. September 2021 - 10:47 | Bettina Kohlen

Die erste Premiere der neuen Spielzeit des Staatstheaters setzt digitale Zeichen mit einer VR-Brillen-Produktion, dem Ballett »kinesphere«.

15. September 2021 - 10:34 | Sarvara Urunova

Das Festival »Mozart @ Augsburg« ging am Wochenende zu Ende. a3kultur-Autorin Sarvara Urunova besuchte das Konzert von Sebastian Knauer und Daniel Hope.

14. September 2021 - 13:38 | Sophia Colnago

»Lisa & me« ist die neue Podcastreihe von a3kultur: zwei Personen, ein Mikrofon und jedes Mal ein anderes Thema. Jürgen Kannler und Lisa McQueen im Talk. Hier anhören!

13. September 2021 - 16:06 | Anna Hahn

Ein Hotelzimmer, drei Frauen, ein gemeinsamer Plan – Das Staatstheater feierte Premiere und widmet sich dem Rape and Revenge-Genre.

12. September 2021 - 0:00 | Iacov Grinberg

Iacov Grinberg besucht ungern Wahlveranstaltungen. Für die von Ulrike Bahr (SPD) ausgerichtete Podiumsdiskussion zum Thema »Gut aufwachsen und zusammenleben in der Stadt« machte er eine Ausnahme. Eine Zusammenfassung.

10. September 2021 - 15:00 | Bettina Kohlen

Anlässlich des 500jährigen Bestehens der Augsburger Fuggerei richtet eine Ausstellung des Diözesanmuseums St. Afra den Blick auf das Weltgeschehen der Zeit um 1521.

10. September 2021 - 10:00 | Juliana Hazoth

Die Lyrik, so Dichter Knut Schaflinger, hat es nirgendwo einfach, doch in Augsburg noch weniger. Ein Gespräch mit dem Mitorganisator der Langen Nacht der Poesie.

9. September 2021 - 15:10 | Bettina Kohlen

Hinter dem Augsburger Rathaus kann noch bis Mitte Oktober eine hölzerne Rauminstallation des Saarbrücker Bildhauers Martin Steinert erlebt werden.

8. September 2021 - 13:55 | Jürgen Kannler

Ein Gespräch im Rahmen der a3kultur-Serie »Theater.Macht.Zukunft.« mit Philipp Miller, Kontrabassist und Personalrat am Staatstheater Augsburg.