Alteisen? Keinesfalls

25. April 2016 - 11:59 | Iacov Grinberg

Der BBK präsentiert die Mitgliederausstellung »Jahrgang 1943« im Kulturhaus abraxas.

Vor einigen Jahren wollte ich eine Jubiläumskarte für einen 70-jahrigen Bekannten kaufen. Im Laden gab es solche Karten für ganz verschiedene »runde« Daten. Ich habe bemerkt, dass auf den Jubiläumskarten für 65+ – im Unterschied zu den anderen – auf der Hinterseite ein kleines grünes Zeichen und eine kleine Inschrift »100% recyclable« zu sehen war. Natürlich war das einfach Zufall, aber ich dachte zunächst, dass es ein festen gesellschaftlichen Stereotyp widerspiegelt: Nach 65 Jahren ist ein Mensch schon Senior, er ist aus dem Berufsleben meist ausgeschieden und wird, ob wir wollen oder nicht, schon als Alteisen betrachtet.

Im Ausstellungsraum des Berufsverbands Bildender Künstler (BBK) im abraxas wurde nun die neue Ausstellung »Jahrgang 1943« eröffnet, die als ein Argument gegen diesen Stereotyp dienen kann. Zehn Mitglieder des BBK, alle Jahrgang 1943, präsentieren bei dieser Ausstellung ein Teil ihres Schaffens in den unterschiedlichsten Kunstrichtungen. Die Qualität ist zweifelsohne sehr gut – die Zugehörigkeit der Künstler zum BBK garantiert es.

Jede Kunstrichtung hat ihre Liebhaber, sowohl bei den Künstlern als auch bei den Betrachtern. Mir zum Beispiel gefielen besonders die Arbeiten von Peter Schlichtherle – ein Fest des Surrealismus, die Buntstiftzeichnungen von Kuno Knapp und »Kanu für 2« von Ingeborg Prein. Anderen gefielen die abstrakten Arbeiten von Hannes Goullon, Karin Wegener-Jacobs und Sigrid Münch-Metzner. Viele Streitgespräche hat die Arbeit »Ich bin der ich bin« von Christa Mayr hervorgerufen, die Arbeiten von Klaus Zöttl mit Erdpigmenten gefielen fast allen.

Aber die ausgestellten Bilder und Skulpturen sind nicht das wichtigste bei dieser Ausstellung. Viel wichtiger ist die über ihr schwebende, unsichtbare, aber deutliche Behauptung: »Ja, wir sind nicht jung. Wir sind aber kein Alteisen, wir sind künstlerisch aktiv. Wir sind feste und zuverlässige Säulen, auf welchen die bildende Kunst hier ruht und sich erfolgreich entwickelt«.

Sie können sich noch bis zum 15. Mai davon überzeugen.
(Iacov Grinberg)

www.kunst-aus-schwaben.de

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