Archäologisches Zentraldepot – Stadtarchiv – tim

Foto: a3kultur
29. März 2017 - 8:23 | Jürgen Kannler

Das Kulturtriptychon im Textilviertel steht kurz vor der Vollendung

»Das setzt ganz neue Maßstäbe« – mit diesen Worten brachte der Leiter der Kunstsammlungen und Museen der Stadt Augsburg, Christof Trepesch, beim Presserundgang durch die noch leeren Hallen seine Begeisterung für das zu seinem Haus gehörende neue Archäologische Zentraldepot auf den Punkt.

Nach fast zwei Jahren sind die Bauarbeiten für das knapp 10 Millionen teure Projekt auf dem ehemaligen AKS-Gelände abgeschlossen, von dem lange geträumt und an dem zehn Jahre geplant wurde. Am 8. März wurde das Gebäude mit seinen über 4.000 Quadratmetern Fläche an Sebastian Gairhos, den Leiter der Stadtarchäologie, übergeben. In den kommenden Monaten werden rund 22.000 Kisten mit Fundstücken, die die reiche Geschichte der Region bezeugen, aus den über das Stadtgebiet verstreuten Übergangsdepots angeliefert und auf schier endlos langen Regalmetern fachgerecht verstaut. Das neue Zentraldepot bietet für die Aufbewahrung ideale konservatorische Bedingungen und übernimmt damit auch die Rolle eines Museumsdepots für das derzeit nicht existente Römische Museum. Die Fundstücke der Ausgrabungen im Stadtgebiet waren bisher nicht für Ausstellungs- und Auswertungsprojekte zugänglich. Das wird sich nun ändern. Das neue Gebäude bietet dafür ausreichend Platz und ist auf den ständigen
Zuwachs von Grabungsfunden vorbereitet.

Zukünftig werden die Stücke hier im Bergungszustand angeliefert, gereinigt, wenn nötig konserviert, beschriftet, inventarisiert und fachgerecht archiviert. »Der Einsatz moderner Lagertechnik bietet eine optimale Ausnutzung des Raumangebots und schnellen Zugriff auf die Objekte, von der Glasperle bis zum tonnenschweren Grabmonument«, wie Michaela Herrmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stadtarchäologie, beim Pressetermin erläutert.

Zur konservatorischen Betreuung einer der größten archäologischen Sammlungen in Bayern steht nun auch eine moderne Restaurierungswerkstatt zur Verfügung. Die Bibliothek, das Foyer und ein Galeriebereich für kleinere Ausstellungen und Präsentationen neuer Funde, Grabungen und Forschungsergebnisse bieten Platz für Vorträge, Tagungen und andere Veranstaltungen, auch außerhalb des thematischen Kontexts des Hauses. Die Eröffnung des Depots ist für Herbst 2018 geplant. Schon vorher verspricht Sebastian Gairhos im Rahmen von Führungen regelmäßige Einblicke in die Sammlungen.

Das Textilviertel gewinnt mit dem neuen Archäologischen Zentraldepot weiter an Struktur. Gemeinsam mit seinen Nachbarn vom Stadtarchiv und dem Staatlichen Textil- und Industriemuseum (tim) bildet es ein architektonisches Kulturtriptychon, von dem wichtige Impulse für die Region ausgehen können. Die rund 100.000 Besucher, die jährlich allein im tim zu Gast sind, bilden dabei die optimale Basis, um auch den beiden städtischen Einrichtungen in den benachbarten Shedhallen Publikum für ihre öffentlichen Projekte zu sichern. Dass aus dem räumlichen Nebeneinander bald ein Miteinander wird, wäre wünschenswert, nicht nur im Sinne einer weiteren kulturellen Aufwertung des Textilviertels. Mit dem Ballenhaus steht der Politik eine weitere, leider aber auch letzte Immobilie unter städtischem Zugriff auf dem Gelände zur Verfügung. Konkrete Nutzungspläne dazu liegen noch nicht vor.

 

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