Architekturtour

Timmelsjoch_begehbare skulptur_foto rene riller
19. April 2017 - 9:41 | Bettina Kohlen

Dreimal Architektur gucken in Schwaben: Im Schloss Höchstädt gibt es Architekturmodelle, in Augsburg zeigt das Architekturmuseum Schwaben Bauten für den Tourismus und das Grafische Kabinett widmet sich dem Barockgarten.

Architekturmodelle zeigen uns »Die Welt im Kleinen«. Die bis zum 8. Oktober laufende Ausstellung im fabelhaften Schloss Höchstädt an der Donau hat eine Vielzahl historischer und zeitgenössischer Miniaturbauten aus dem Bezirk Schwaben zusammengebracht, um die Möglichkeiten und Funktionen dieser seit der Renaissance bekannten speziellen Anschauungsobjekte darzustellen. Architekturmodelle ermöglichen Einblick in räumliche Zusammenhänge, wie sie realiter nicht möglich sind. Doch sie sind keine Spielerei, kein Puppenhaus oder Legoland, sondern werden im architektonischen Entwicklungsprozess als Arbeits- oder Präsentationsmodell eingesetzt. Das ist ein reizvolles Thema, da hätte man was draus machen können, doch die Chance wurde vertan. Die systematische Erläuterung der Einzatzgebiete auf den Schrifttafeln ist für sich genommen gut, doch korrespondiert das Ganze nur ungenügend mit den auf Präsentationstischen zusammen gedrängten Modellen. Logik und Gestaltung? Hm. Zudem sind die Informationen zu den einzelnen Modellen mager, unklar und unvollständig. Wie schade für die reizvollen Architekturmodelle! Pluspunkte gibt es aber für das umfangreiche familienorientierte Begleitprogramm. Das Schloss beherbergt auch eine hervorragende Fayencesammlung und eine informative Ausstellung zur Schlacht von Höchstädt (aka Blenheim). www.hoechstaedt-bezirk-schwaben.de / www.schloss-hoechstaedt.de

Einige der Architekturmodelle in Höchstädt stammen aus dem Architekturmuseum Schwaben, das sich derzeit der Architektur für den Tourismus widmet. Zu sehen sind in der aus Meran übernommenen Schau 23 historische und moderne Südtiroler Bauten: schlichte Pension oder schickes Hotel, Seilbahnstation, Parkhaus und die spektakuläre begehbare Skulptur auf dem Timmelsjoch. Die ausführlich dokumentierten Bauten werden hier aus architektonischer Perspektive betrachtet, politische Aspekte werden ausgespart. Gleichwohl regt die Ausstellung zum Nachdenken über die Wirkung des Tourismus in den Bergen an, der einerseits gewachsene Strukturen zerstört, andererseits aber auch Historisches überleben lässt, wenn auch eher aus pittoresken Gründen… Und ob es notwendig ist, an landschaftlich spektakulären Punkten wie dem Timmelsjoch mit Statementbauten inklusive Skywalk noch eins draufzusetzen? Fraglich… Doch die gutgemachte, bis zum 28. Mai angesetzte Ausstellung ist wirklich sehenswert (und der kleine innere Tourist kann sich schon mal ein Domizil für den nächsten Kurztrip aussuchen). Ein ausführliches Journal zur Ausstellung lässt sich von der Website des Museums herunterladen. www.architekturmuseum.de

Zur Architektur gehören auch Gärten, die in Augsburg eine lange Tradition haben. Während der Barockzeit gab es in und um die Stadt zahlreiche aufwendig gestaltete gärtnerische Kleinodien, die bis auf wenige Ausnahmen verschwunden sind. Wo diese Zier- und Nutzgärten waren, wie sie aussahen und wie sie genutzt wurden, lässt sich im Grafischen Kabinett der Augsburger Kunstsammlungen bis zum 9. Juli in einer schnuckeligen kleinen Ausstellung erleben. Und wer dann Lust auf einen realen Barockgarten bekommt, muss nur nach nebenan ins Schaezlerpalais gehen… www.kunstsammlungen-museen-augsburg.de

Foto (René Riller): Skulptur an der Timmelsjochstraße

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