Asche, Metall und Sunshine-Pop

1. September 2016 - 8:22 | Martin Schmidt

Bürgerbeteiligungsprozesse in Augsburg sind King. Machen auch Sie mal Theater und beteiligen Sie sich an Publikumsbildungen in Live-Konzerten. Wählen Sie: Death Metal oder Pop.

Erst im Frühjahr war’s, da verstreuten die Death-Metal-Bands Dying Fetus und Behemoth bei einem Konzert in Chicago live von der Bühne herab die Asche eines Fans. Es war der Wunsch des jüngst verstorbenen Metal-Aficionados, seine Überreste zerstoben daraufhin im Pogotanz des Moshpits. Keine Frage: In der Farbenlehre der Musik ruht Death Metal im dunklen Anthrazit. Mit der archaischen Geradlinigkeit einer Leberwurstbrezen vereint er formvollendet Tod und die Kraft von Bullenhoden mit beeindruckenden Gitarren-Skills. Aggro-Power trifft auf Fiesheit-Finesse. Ach, ach, ach, was könnte man über Metal alles schreiben – aber ich schreibe am besten mal dies: »Und wenn es im September konzerttechnisch etwas gibt, dass dem Gig der Volkstümlicher-Schlager-Legenden Amigos am 18. September in der Gersthofer Stadthalle diametral-brutal entgegensticht, dann sind dies mit fucking Sicherheit das Augsburger »Deathfest« und das Schrobenhauser »Metal im Woid«-Open Air«. Dabei gilt: Testosteron und Pommes-Gabel im Doppelpack – beide Festivals finden zum dritten Mal statt, beide am selben Termin, Samstag, 24. September, und beide starten natürlich zeitgleich Punkt 15 Uhr. Das nennt man Metal in Stereo, hiermit nun bekannt als Süddeutschlands »Stereo of Death«.

Death to false metal

2015 zählte das »Metal im Woid« stolze 250 Metalheads als Besucher, und dieses Jahr schaffte es sogar ein Festival-Plakat auf den Campus der Metal-Hochburg Universität Augsburg. Veranstalter des Festivals auf dem SSV-Sportgelände in der Högenau bei Schrobenhausen sind die »Metal Maniacs Schrobenhausen«, ein Zusammenschluss aus sympathischen Halbverrückten, 2006 dem beschaulichen Städtchen Schrobenhausen entsprungen, und seit einiger Zeit auch eingetragener Verein mit Stammtisch, der sich die Förderung der Heavy-Metal-Kultur auf die Fahnen geschrieben hat. Gemäß dem Motto »Metall im Wald, Eier in der Hose« stehen auf dem Festival-Line-up: Schirenc Plays Pungent Stench (Death Metal, Österreich), Skyconqueror (Heavy Metal, Ruhrpott), The Flesh Trading Company (Blackened Death Flesh Metal, Franken), Thrasshole (Trash Metal, Ingolstadt), Toxic Waltz (Trash Metal, München), Empiresfall (Metal, Hamburg) und Stonem (Alternative, Landsberg/Augsburg). Dazu: kostenloses Camping, Metal Contest und Bars. www.metalmaniacs-sob.de

Das Deathfest in Augsburg in der Ballonfabrik, selber Tag, selbe Uhrzeit, trumpft auf mit einem Sieben-Bands-Lineup aus Cytotoxin (Tech Brutal Death, Chemnitz), Suffocate Bastard (Brutal Death Metal, Herten), Poppy Seed Grinder (Brutal Death/Grind/Hardcore, Prag), Chordotomy (Guttural Slamming Brutalität, Augsburg), Disemboweled (Brutal Death Metal, Leipzig), Lower than Zero (Brutal Death/Grind, Augsburg) und Haunted Cemetery (Grind/Death Metal, Augsburg). Übrigens, beide Festivals punkten mit fairen Preisen: Der Eintritt beim Deathfest kostet 10 Euro, Metal im Woid 16 Euro Abendkasse. Wie Winston Churchill einst sagte: »They have the balls!« www.ballonfabrik.org

Hat Winston Churchill das wirklich gesagt? Egal, schnell weiter: Oder besser, schnell zu Pop-Legende Bernd Begemann, denn der schreibt in seinem Promotext zum Folgenden, dem sich diese Kolumne nun gleich widmen wird: »Hier geht es um zufriedene Esel und einen kameradschaftlichen Tritt in die Eier.« Gemeint ist nicht der Deutsche Bundestag, sondern das neue Album von Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen. Und tatsächlich: Das ist wirklich ein Paralleluniversum zur Welt des Death Metal. Willkommen bei Sunshine-Pop, Bubblegum, Northern Soul und a bisserl Punk, »im geglückten Leben der Katastrophe«, was ja fast schon wieder Death Metal ist.

Gib dem Affen City

Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen (DLDGG, Foto) ist die Band um Musiker und Songschreiber Carsten Friedrichs. Die Hits seiner Vorgängerband Superpunk wie »Man kann einen ehrlichen Mann nicht auf seine Knie zwingen« oder »Neue Zähne für meinen Bruder und mich« sind längst Klassiker. Am Freitag, 16. September, schlagen die Indie-Pop-Mod-Gentlemen (klingen wie Kettcar auf Koks) nun im City Club Augsburg auf. Und, wie schlechte Musikjournalisten gerne formulieren: »im Gepäck« ihr neues Album, Titel: »Rüttel mal am Käfig, die Affen sollen was machen!«. Augsburgs Jangle-Pop-Gitarrenband Endlich Blüte wird für die Hamburg-Gentlemen den Support geben – und im Herbst eine Sechs-Song-EP auf »Kleine Untergrund Schallplatten« veröffentlichen. Los geht’s um 21 Uhr, und zum Schluss heißt es wieder bis 4:45 Uhr Aftershow-Party – mit nicht nur den geschmackssicheren »Going Underground«-Typen an den Plattentellern, sondern auch mit Liga-der-usw.-Sänger Carsten Friedrichs als DJ. Rüttel mal an Augsburg, Pop soll was machen. www.diegentlemen.de

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