Atemberaubend!

16. Januar 2018 - 9:03 | Renate Baumiller-Guggenberger

Erwartungen erfüllt: Internationale Ballett- und Tanzgala 2018 des Theaters Augsburg im martini-Park

Die Ballettgala in Augsburg war immer schon eine kostbare wie kostenintensive Veranstaltung und als Spielzeit-Highlight in den Vorjahren ähnlich rasch ausverkauft wie der Opernball. Die Ballettfans ließen sich diesen Tanzevent im ersten Jahr unter dem neuen Ballettchef Ricardo Fernando besonders viel kosten und investierten für einen Platz in den ersten martini-Park-Reihen sagenhafte 95 Euro! Da lagen die Erwartungen, was Niveau und Bandbreite betrifft, schon entsprechend hoch. Mit einer gut balancierten Mischung aus Klassik, Neoklassik und Modern, mit elf Solisten aus Dresden, Essen (Einspringer für die krankheitsbedingte Absage des Holländischen Staatsballetts), Leipzig, Gießen, aus Helsinki, Australien und dem Norwegischen Staatsballett sowie mit dem Ulmer Ensemble, das mit einem Einblick in deren wahrhaft spritzigen Tanzabend »Acqua & Recortes« den zweiten Teil eröffnete und damit den Ausflug dorthin empfahl, wurden diese aber durchaus erfüllt.

Ricardo Fernando betrieb zudem intensives, wenngleich überzeugendes Eigenmarketing. Wie andernorts durchaus üblich, nutzte der mit Humor und Charisma ausgestattete Ballettchef, der zum Amüsement der Publikums eigenhändig und -füßig Wasserlachen auf der Bühne trockenlegte, das Gala-Podium, um das hauseigene Tänzerpotential glänzen zu lassen, indem er großzügig Kostproben aus den nächsten Ballettproduktionen servierte. Großartige solistische Eindrücke hinterließen hier etwa der stilistisch wendige und sprungstarke Shori Yamamoto, das Tänzerehepaar Jiwon Kim und Nikolas Doede (in »Crying Breath«) und der extrem präsente, ausdrucksstarke Marcos Novais nicht nur im Händel-Solo. Wie stark, wie motiviert, wie tanzwütig gut aufgelegt die Augsburger Compagnie auf neue Aufgaben nach dem stets ausverkauften »Schwanensee« wartet, machte sie in der Rausschmeißer-Szene aus Mauro Bigonzettis mediterran inspirierten »Cantata« deutlich – die schiere Lebenslust, die da auf der Bühne explodierte!

Das eigentliche Finale im Sinne des tänzerischen Höhepunkts gebührte dem atemberaubenden »Giselle«-Pas de deux mit dem jungen Tanztalent Istvan Simon (Semperoper) und der kubanischen Primaballerina Yolanda Correa, die auch zuvor im Solo »Livet Dans« mit makelloser Spitzentechnik gestrahlt hatte. Tänzerinnen wie sie musste Petipa im Sinn gehabt haben, als er den romantischen Ballettklassiker schuf, in dem das Ätherische, bereits in jenseitigen Sphären Weilende verkörpert ist. Correa tupfte und hauchte dahin, als gäbe es keinen Tanzboden unter ihr, bewies mit vollendeter Grazie, wie sich Schwerelosigkeit anfühlen muss – schlichtweg brillant! Nicht minder eindrucksvoll brachten Maria Adriana Dornio und Sven Krautwurst im ersten Programmteil die emotionale Ausdruckspalette im Anziehungsspiel zwischen Mann und Frau in körpersprachlicher Konzentriertheit auf den Punkt. Der Gießender Tanzchef Tarek Assam präsentierte sich mit dem bravourös interpretierten Duo »Two Tones« einmal mehr als einer der innovativsten Gegenwarts-Choreografen, der hier unbedingt bald mehr zeigen sollte. Glücklich wurden auch die Zuschauer, die sich nach den bewährten Gala-Klassikern wie den Grand-Pas de deux‘ aus »Le Corsaire«, der »Scheherazade« oder einem unvermeidlich scheinenden »Don Quichotte« gesehnt hatten und dankten allen Mitwirkenden mit Begeisterung!  

www.theater-augsburg.de

Foto (Jan-Pieter Fuhr): Yolanda Correa und Istvan Simon

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