Augsburg besser vermarkten

5. Juli 2016 - 8:40 | Jürgen Kannler

Jürgen Kannler im Gespräch mit Eiko Trausch und Gerhard Ruff vom Augsburger Medienforum, das am 8. Juli die Medienpreise verleiht.

a3kultur: Anfang April war Einsendeschluss für den laufenden Medienpreis-Wettbewerb. Wie war die Resonanz?
Eiko Trausch: Sehr gut, danke der Nachfrage. Wir haben diesmal zu Einsendungen für die drei Kategorien »informiert«, »amüsiert« und »inspiriert« aufgerufen und es wurden insgesamt gut über 150 Vorschläge eingereicht.

Gerhard Ruff: Wir hätten uns natürlich auch über noch mehr Einsendungen gefreut, aber im Großen und Ganzen waren wir schon recht zufrieden.

Die Kategorisierung in die oben genannten drei Sparten ist eine weitere Neuausrichtung des Medienpreises. Man gewinnt den Eindruck, Ihr Thema ist nicht so leicht zu besetzen.
Trausch: In der Tat hat sich das Konzept des Medienpreises in den acht Jahren seines Bestehens verändert. Wir gingen jedoch bei allen vier Runden, die wir auf ehrenamtlicher Basis durchgeführt haben, mit dem Anspruch ins Rennen, der Stadt etwas Gutes zu tun: Positive Geschichten erzählen und kommunizieren, wenn Sie so wollen. Wir sind Medienleute und hatten das Gefühl, dass sich Augsburg besser vermarkten kann.
Kurz gesagt, wir wollten etwas unternehmen, entschieden uns, einen Wettbewerb auszurufen, und einigten uns auf den Slogan »Bring Augsburg in die Welt, bring die Welt nach Augsburg«. Das Ergebnis war ein Medienpreis, der das Thema Stadtmarketing zum Inhalt hatte. Als kleiner Verein mit 140 Mitgliedern haben wir das gestemmt. Darauf sind wir auch etwas stolz.

Warum braucht es eigentlich einen Augsburger Medienpreis? Das Denken in Strukturen wie Stadtgrenzen scheint mir etwas antiquiert, gerade für die Medienbranche.
Trausch: Der Medienpreis hatte niemals nur Augsburg im Fokus, eher die Stadt mit ihren Nachbar-Landkreisen. Und weil Augsburg das Zentrum dieser Region ist, heißt es eben Augsburger Medienpreis.

Ruff: Außerdem ist der Medienpreis eine Initiative des Medienforums Augsburg. Dem wollten wir natürlich mit dem Titel ebenfalls Rechnung tragen.

Wie bewerten Sie ganz allgemein unsere Region als Medienstandort?
Trausch: Das ist eine gute Frage. Schon rein aus Prinzip würde ich die Qualität dieses Standorts niemals schlechtreden. Ich finde, dass man hier als Medienmacher alles findet, was man zum Arbeiten braucht, und noch viel mehr. In München zum Beispiel bin ich eher gehetzt. Die Mieten und zahlreiche andere Dinge sind dort einfach extrem teuer. Und wenn ich drei Termine an drei verschiedenen Orten an einem Tag habe, stehe ich mindestens die halbe Zeit davon im Stau. In Augsburg ist alles entspannter und ich kann trotzdem auf alles zurückgreifen, was ich als Medienschaffender für meinen Job brauche.

Ruff: Es gibt hier auch viele gut ausgebildete junge Kreative. Die Gestalter unserer Hochschule beispielsweise haben auch international eine gute Reputation. Das sind für Medien- und Werbeprojekte natürlich gute Voraussetzungen. Den Augsburgern ist das vielleicht im Allgemeinen gar nicht so bewusst. Es lohnt sich aber, dieses Potenzial genauer unter die Lupe zu nehmen.

Tut die Politik genug, um die Kultur- und Kreativwirtschaft zu stärken?
Trausch: Es wurde zumindest erkannt, dass das eine wichtige Branche ist. Aber das ist meiner Meinung nach einfach zu wenig. Außerdem würden sich viele hier ansässige Unternehmen aus der Werbebranche freuen, wenn Projekte, die von der Stadt oder einem Unternehmen mit städtischer Beteiligung in Auftrag gegeben werden, vorab auch zur Ausschreibung kommen. Ich finde es sehr kritisch, wenn zu viele Aufträge bei den immer gleichen Agenturen landen. Die Stadtregierung sollte schon allein zum eigenen Schutz immer dann, wenn möglich, ausschreiben. Außerdem kitzelt man dadurch oft das Beste aus einem Thema heraus. Wenn man immer nur auf die üblichen Verdächtigen setzt, befürchte ich, dass man so nicht zwingend die besten Ergebnisse erhält. Damit verliert eine Region die besten Ressourcen, die man nur über Wettbewerbe bekommt.

Unter Ihren Medienpartnern findet man keine der für unsere Region relevanten Tageszeitungen. Auch andere Medien mit kritischem Potenzial sehen von einer Kooperation ab – was sind die Gründe?
Ruff: Wir haben mit den Tageszeitungen natürlich gesprochen. Die Süddeutsche fand den Medienpreis interessant, aber das Gebiet, das er abdeckt, etwas zu klein. Sie beobachtet das Projekt und ist möglicherweise in zwei Jahren mit dabei. Vielleicht zusammen mit a3kultur. Ihr Medium ist ja auch noch kein Partner unseres Medienpreises.

Trausch: Die Augsburger Allgemeine ist ein besonderes Thema. Es gab immer gute Gespräche, aber die Chefetage der Mediengruppe Pressedruck hat wohl die Auflage, Events wie den unseren exklusiv zu begleiten. Bei uns gibt es aber keine Exklusivitätsklauseln.

In Ihrem Team finden sich nicht nur Medienmenschen, sondern auch die Geschäftsführerin des CinemaxX Susanne Schubert, der Gastronom und Eventmanager Harry Winderl und jede Mende Werbefachleute, wie Sie beide. Was bewegt Ihr Team eigentlich dazu, sich für die Vergabe eines Medienpreises zu engagieren?
Trausch: Es ist wohl die Tatsache, dass es uns Spaß macht, den Preis auszurichten, und dass es natürlich auch Sinn macht, so einen Preis auszuloben. Da steckt natürlich auch ein gewisser Anspruch dahinter. Ein Medienpreis ist eben mehr als nur eine große Party im Kongress am Park. Dabei handelt es sich aber um ein Megaprojekt, das keiner von uns allein stemmen kann. Im Endeffekt ist es dieses Hinarbeiten auf ein gemeinsames Ziel, das uns zusammenschweißt.

Ihre Jury rekrutierte sich bisher weitgehend aus den Reihen Ihrer Medienpartner. Wie beugen Sie Mauscheleien vor? In den vergangenen Jahren gab es Vorwürfe in dieser Richtung.
Trausch: Wir achten nun darauf, dass wir mindestens ein externes Jurymitglied in jeder Runde dabei haben.

Ruff: Es gab wichtige und effektive Gespräche zu diesem Thema. Deshalb haben wir beschlossen, auch auf unabhängige Jurymitglieder zu setzen.

Einen OB als Schirmherren für einen Medienpreis sehen unabhängige Medien auch nicht als ganz unproblematisch an. Was versprechen Sie sich von dieser Personalie?
Trausch: Der Augsburger Medienpreis ist gestartet als Stadtmarketing-Mitmach-Projekt. Bürger waren aufgerufen, sich mit Ideen an der Stadtwerbung zu beteiligen. Da haben wir es als absolut passend angesehen, Kurt Gribl die Schirmherrschaft anzubieten. Sein neuer Referent hat uns als Bindeglied sehr geholfen.

Ruff: Wir tun im Grunde etwas für die Stadt, und diese versucht uns beispielsweise bei der Organisation zu helfen. Der OB ist schon zum vierten Mal Schirmherr des Medienpreises. In der Anfangszeit war das auch sehr wichtig für unsere Außenwahrnehmung. Heute ist es fast schon eine Tradition.

Am 8. Juli wird der vierte Augsburger Medienpreis im Kongress am Park vergeben. 
www.augsburgermedienpreis.de

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