Ausgepresst wie eine Zitrone

25. Mai 2018 - 7:53 | Jürgen Kannler

Bürgerbeteiligung zum kek-Projekt Museumslandschaft legt Fehlstart hin

Mit zwei sehr gut besuchten Veranstaltungen an zwei aufeinanderfolgenden Abenden Ende April startete das städtische Projekt »Kulturentwicklungsplan Museumslandschaft Augsburg« in seine öffentliche Phase.

Am ersten Abend titelten die Organisatoren »Museen zwischen Pflicht und Kür« und luden zum Diskurs mit Fachleuten in den Stadtwerkesaal. Den Einstiegsvortrag durfte der Leipziger Museumsmann Volker Rodekamp halten. Sein Beitrag war etwas langatmig und gipfelte in einer Empfehlung an seine Augsburger Kolleg*innen, »doch besser intern umzustrukturieren, statt nach Etaterhöhungen zu verlangen«. Da hätte sich Rodekamp mal besser mit den hiesigen Verhältnissen vertraut gemacht, statt zu poltern. Es oblag dem Kulturreferenten Thomas Weitzel, die Realitäten hinsichtlich Budgetierung und Personalausstattung seiner Häuser postwendend ins rechte Licht zu rücken. Weitzel bemühte dafür treffend das Bild der ausgepressten Zitrone. Dessen ungeachtet plapperten nach der Veranstaltung sogleich sogenannte Kulturpolitiker*innen aus dem Augsburger Rathaus die Albernheiten aus Leipzig nach.

Seine starken Seiten hatte der Abend, als der Diskurs zwischen den Fachleuten auf dem Podium (Karl B. Murr/tim, Astrid Pellengahr/Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern, Volker Rodekamp/Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, Christof Trepesch/Kunstsammlungen und Museen Augsburg, Thomas Weitzel/Kulturreferat Augsburg) und den Fachleuten im Publikum in Schwung kam. Ein Großteil der Besucher*innen im mehr als voll besetzten Saal hatte einen professionellen Bezug zum Thema Museum und die wichtigsten Einrichtungen der Region wurden von ihren Leiter*innen vertreten. Ein Beleg dafür, mit welchem Selbstverständnis und seriösem Interesse die Menschen hier das Thema behandeln.

Bürger*innen, die sich bei Beteiligungsprojekten engagieren, zweifeln am Sinn ihres Zutuns.

Ein Wesenszug, der den federführenden Moderatoren des Prozesses zumindest an diesem Abend abging. Mit flapsigen Sprüchen und flachen Fragen an die Expert*innen schafften sie es nicht, das  Publikum von ihrer Arbeitsmethode zu überzeugen. Doch im Vergleich zum Folgetag ging diese erste Runde für Matthias Henkel (Embassy of Culture, Berlin) und Jochen Ramming (FranKonzept, Würzburg) noch glimpflich ab.

Im Rathaus sollten am nächsten Abend interessierte Bürger*innen in Workshops ihre Gedanken zur Augsburger Museumslandschaft austauschen. »Wunsch und Wirklichkeit«, so der Titel der Einladung, geriet für die Moderatoren zum Fiasko. Wohl vom Wunsch getrieben, sich ihre Marschroute zum Konzept von den anwesenden Bürger*innen bestätigen zu lassen, wurden Henkel und Ramming mit der Wirklichkeit konfrontiert. Die sah an diesem Abend so aus, dass zahlreiche Anwesende ab einem gewissen Punkt die Zusammenarbeit mit ihnen verweigerte. Das Konzept des Abends brach in sich zusammen, viele Teilnehmer*innen hatten keine Lust mehr, sich vorführen zu lassen, wie aus dem Publikum zu hören war.

Nach den Bürgerbeteiligungsprozessen der letzten Jahre zu Themen wie Gaswerk und Theaterlandschaft sind die Augsburger*innen sensibilisiert, wenn sie zur Zusammenarbeit geladen werden. Zu wenig spiegeln sich die Ergebnisse der vergangenen Prozesse in der konkreten Umsetzung der Projekte. Und wie man vor Kurzem beim Theater erfahren musste, reicht schon ein Nebensatz des Ministerpräsidenten, um jahrelange Planungen zum Thema vom Tisch zu wischen. Bürger*innen, die sich bei diesen Beteiligungsprojekten engagierten, zweifeln am Sinn ihres Zutuns und lassen bei gegebenem Anlass ihrem Unmut, wie im Rathaus geschehen, freien Lauf.

Den Bürger*innen ist es egal, ob der oberste Dienstherr ihrer Kulturorte ein Ministerpräsident, ein Bürgermeister oder der Bischof ist.

Die Frage ist nun, wie die Verantwortlichen der Stadt mit der Situation umgehen werden. Das Thema Museumslandschaft im Kontext des Stadtentwicklungskonzepts ist zu bedeutend, um es auf Kasperletheaterniveau zu behandeln. Es ist an der Stadt, den Bürger*innen nun die Hand zu reichen. Bisher ist davon noch nichts zu spüren. Der Newsletter zur Zukunft der Augsburger Museumslandschaft, mit dem die Kulturpolitik gegenwärtig unter anderem für die Beteiligung an einer Online-Befragung bei den Augsburger*innen wirbt, verliert dazu zumindest kein Wort (Kontakt: Kulturreferat, Tel. 0821–324-2172, E-Mail: kek@augsburg.de).

Eine Zäsur in diesem Kontext wäre die passende Gelegenheit, auch an der Auftragsstellung für den Prozess zu arbeiten. Gegenwärtig wird zwar von der Augsburger Museumslandschaft gesprochen, inhaltlich behandelt werden im Wesentlichen allerdings nur die Einrichtungen, die unter dem Dach der Kunstsammlungen und Museen Augsburg vereint sind, also städtisch geführt werden. Das ist natürlich absurd und in etwa so, als würde man bei Verkehrsplanungen Bundes- und Staatsstraßen sowie die Bahnstrecken außer Acht lassen.

Den Bürger*innen ist es egal, ob der oberste Dienstherr ihrer Kulturorte ein Ministerpräsident, ein Bürgermeister oder der Bischof ist. Wer aussagekräftig zur Museumslandschaft in Augsburg arbeiten möchte, der muss den Blick auf unsere gesamte Kulturregion richten.

Die letzten Monate verbrachte das mit der Aufgabe betraute Moderatorenteam vorwiegend damit, eine Datenbasis über die Museen und Kunstsammlungen Augsburg anzulegen und Interviews mit Kulturarbeiter*innen aus den verschiedenen Häusern und weiteren Fachleuten zu führen. Das macht Sinn, reicht aber nicht aus, um die Zukunft der Augsburger Museumslandschaft zu verhandeln. Um die aber geht es hier.


Weitere Termine
Im Juni werden die Moderatoren der Lenkungsgruppe vom Status quo der gesamten Untersuchung berichten und für den Herbst ist eine Konferenz in Vorbereitung, auf der die Ergebnisse der Analysen der Öffentlichkeit vorgestellt werden sollen.

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