Barocke Pracht am Zarenhof

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18. Dezember 2019 - 9:19 | Bettina Kohlen

Kunstschätze aus dem Schloss Peterhof bei St. Petersburg geben im Schaezlerpalais einen Einblick in die höfische Kultur Russlands im 17. und 18. Jahrhundert.

Schloss Peterhof, seit 1991 UNESCO-Weltkulturerbe, wurde im Zweiten Weltkrieg von den deutschen Besatzern geplündert und stark zerstört, nur ein Bruchteil der dort beheimateten Kunstwerke konnte gerettet werden. Für eine Auswahl der heute dort verwahrten Schätze bietet in den nächsten Monaten das zwar nicht höfische, gleichwohl elegante Schaezlerpalais einen korrespondierenden Rahmen. Die Ausstellung, zustande gekommen durch eine Kooperation Russlands mit Bayern, erzählt anhand von gut 100 Objekten vom Leben am Zarenhof, dabei spannt sich der Bogen der chronologisch geordneten Schau von der Zeit Peters I. (1672–1725) bis zu Katharina II. (1729–1796).

Im Zusammenspiel von Gemälden, Porzellan, Goldschmiedearbeiten, Textilien und Möbeln aus der Sommerresidenz der Zaren wird deutlich, wie sehr Russland sich in dieser Zeit an westeuropäischem Geschmack und Lebensstil orientierte, dabei aber in wechselnder Intensität traditionell russische Sitten und Moden beibehielt. So sind unter den Exponaten Arbeiten international agierender Künstler*innen und Kunsthandwerker*innen ebenso vertreten wie solche aus russischer Produktion. Dieses Nebeneinander von Objekten wie einem in Tula gefertigten Bronzekästchchen und einem intarsierten Augsburger Holzkästchen vermittelt die Selbstwahrnehmung und Selbstdarstellung des Zarenhofs dieser Zeit. Barock und Rokoko waren – in unterschiedlicher Ausprägung – internationale Stile, bedingt auch durch die internationale Heiratspolitik europäischer Herrscherhäuser. So war Katharina II., »die Große« eine geborene Prinzessin Anhalt-Zerbst. Ihr Porträt, gemalt vom Dänen Vigilius Eriksen, bildet den Schlusspunkt dieser vielfältigen Schau.

Ein Audioguide, Führungen, Lesungen und ein reich bebilderter Katalog ergänzen die Ausstellung.
»Kunstschätze der Zaren – Meisterwerke aus Schloss Peterhof«, bis 15. März im Schaezlerpalais


www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de

Abbildung: Ein vergoldetes Kästchen aus Bronze und Stahl, gefertigt im russischen Tula zu Beginn des 18. Jahrhunderts

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