Berghain-Chic am Stadttheater

22. Februar 2016 - 10:45 | Jürgen Kannler

Klasse Sommernachtstraum im Großen Haus

Wer meint, klassische Dramen gehörten nicht mehr auf die Spielpläne unserer Stadttheater, ist ein Dummkopf. Die entscheidende Frage lautet: Wie gehen Künstler mit den Stoffen um und welchen Einsatz sind sie bei der Umsetzung zu geben bereit? Das gilt interdisziplinär, nicht nur für die Bühnen.

Wenn sich dann ein gut eingestelltes Schauspiel­ensemble, wie wir es am Theater Augsburg finden, gemeinsam mit einem Regisseur wie Christoph Mehler aufmacht, um für William Shakespeares »Sommernachtstraum« eine neue Form zu erproben, könnten sich auch die Premierenabonnenten des alten Hauses die avisierten 90 Minuten Zeit für das Stück nehmen und nicht schon nach einer halben Stunde das Parkett räumen wie eine Schar pikierter Gänse.

Nackte Ärsche gibt es in jeder Kirche zu sehen. Verhüllt werden sie nur, wenn die Mullahs kommen. Wer Theater in seiner Vielfalt nicht verträgt, steht als Theaterfreund im Abseits, und hat nicht all diejenigen beim Kunstgenuss zu stören, die sich auf einen spannenden Theaterabend gefreut und den sie mit dem »Sommernachtstraum« letztendlich auch bekommen haben.

Die temporeiche Inszenierung setzte auf der Bühne, historisch durchaus korrekt, auf eine reine Boygroup gemischten Alters. Der Wechsel zwischen den zwei bis vier Charakteren für jeden Schauspieler gelingt wunderbar. Mehr noch bei Sebastian Baumgart: Er war am Premierenabend einfach grandios. Jennifer Hörr spielte bei ihrer Idee für Bühne und Kostüme mit einem Berghain-Chic aus der Ecke des Clubs, in der gerne einmal die Lichter ausgedreht werden, und machte die Sache rund. David Rimsky-Korsakow machte seinem klangvollen Namen alle Ehre und fand dazu den richtigen Ton. Unser Tipp: hingehen und Spaß haben. Schneller verflogen in unserer kleinen Fuggerstadt selten 90 Minuten.

Nächste Termine: 26. Februar, 11. und 13. März

www.theater-augsburg.de

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