Klassik

Betörender Wohlklang im freien Grün

Renate Baumille...
7. Juli 2020

Auch in puncto Atmosphäre ließ das Open Air-Konzert dank optimaler Wetterverhältnisse und des prachtvollen Baumbestands im martini-Park keine Wünsche offen. Einen himmlischen, von sanft-wogenden Melodien strotzenden Einstieg in einen beglückenden Serenaden-Abend bescherte die Ouvertüre aus Vicente Martin y Solers heute nahezu vergessener Oper »L‘arbore di Diana«. Die Wiener Uraufführung 1787 dagegen machte den in Spanien geborenen Komponisten samt dem Librettisten Lorenzo Da Ponte, den er sich mit Mozart »teilte«, mit dem mythologisch inspirierten Dramma giocoso überaus populär. Wie im Flug verging dieser leichthändig dirigierte Auftakt, nachdem Generalmusikdirektor Héja im legeren Serenaden-Outfit (weißes Hemd, graue Hose) das Pult schon wieder verließ, damit das untere Podium der zweistufigen Bühne für das nachfolgende Bläseroktett umgerüstet werden konnte.

Hoch konzentriert, mit sicht- und hörbarer Spielfreude, Präzision und virtuoser Solo-Brillanz (1. Oboe und 1. Klarinette!) setzten die Holzbläser*innen bereits im ersten Satz alles daran, der Qualität und dem spieltechnischen Anspruch von Mozarts Es-Dur-Serenade Ausdruck zu verleihen. Dank der permanenten Wechsel zwischen lyrischen cantabile-Passagen und effektvollen »Opera-buffa«-Momenten erwies sich dieses 1781 uraufgeführte Namenstag-Ständchen nahezu als Idealmusik für eine beglückende Julinacht. Im Adagio, das von den beiden einmal mit opulenter Raffinesse, dann mit Walzerseeligkeit angereicherten Menuetten mit Trios umklammert wird, spitzelten schon die mozärtlichen »Nozze di Figaro«-Anklänge hervor. Galant wie manches Seitenthema verklang das spitzfindig in Noten gesetzte Werk und wurde mit entsprechendem Beifall für die Interpreten belohnt.

Und insbesondere auch die ans Finale gestellte, fast hundert Jahre später entstandene Serenade Nr. 2 in A-Dur geizte nicht mit Balsam auf die Seele aller Brahms-Liebhaber. Ihr unaufdringlicher, tief getönter, bisweilen in melancholischen Phasen umherschweifender Duktus beruhigte und betörte zugleich und überraschte im Vivace-Satz mit kühner Noblesse. Im stets elegant wirkenden Dirigat betonte Héja die charmant hingetupften tänzerischen Elemente zumal im vierten, »Quasi Menuette« benannten Satz, dessen Hauptthema mit subtilen Brechungen arbeitet.

So schürte dieses kleine, aber sehr feine Serenaden-Konzert auch die Vorfreude auf die beiden großen Konzerttermine am Dienstag, 21. Juli, und am Samstag, 1. August, in denen die Augsburger Philharmoniker unter ihrem souveränen Chef »Auf goldenen Flügeln« das Ende dieser von Corona unfreiwillig stark beeinträchtigten Spielzeit besiegeln.

www.staatstheater-augsburg.de

Das Bild zeigt den »Kunstrasen« im martini-Park aus Vogelperspektive . | Foto: Jan-Pieter Fuhr



 

 

 

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