Bilder vom Unwiederbringlichen

17. Oktober 2015 - 17:17 | Bettina Kohlen

Nichts bleibt wie es ist, wir sind ständig mit dem Verschwinden konfrontiert. Verluste, Zerstörungen, Veränderungen begleiten unser Leben. Diese Aspekte des Unwiederbringlichen verhandelt die neue Ausstellung des H2.

Kurator Thomas Elsen setzt in der aktuellen Schau ausschließlich auf Fotografie und Video: Zehn Künstler vermitteln uns die „Gesichter des Verschwindens“ – der Bogen spannt sich von sehr persönlichen Verlusten über Veränderungen in der Landschaft bis zur Zerstörung durch Krieg.

Was war das letzte, das du gesehen hast? fragte Sophie Calle plötzlich Erblindete. Sie inszeniert diese letzten Bilder und komplementiert sie mit den Portraits der Menschen. Olaf Unverzart bewahrt in seinen Fotografien stetig schmelzende schrundige alpine Gletscher vor dem Vergessen: keine Alpenromantik, sondern Status quo (Abbildung). Der präzise Blick von Gustavo Sagorsky richtet sich auf die oft übersehenen Details am Rande, das eher Beiläufige. Das Zerstörte und den Verweis auf ehemals bürgerliches Leben in den Kriegsruinen des Nahen Ostens fasst Brian McKee mit eindringlich verstörender Ästhetik. Larry Sultans seltsam eingefrorene „Homeland“ Bilder erzählen vom Dasein illegaler mexikanischer Einwanderer in den USA. Auf der Grenze zwischen Videokunst und Dokumentarfilm bewegt sich Saodat Ismailovas Geschichte über Fischer am Aralsee, die kilometerweit über ehemals von Wasser bedecktem Seegrund müssen, bis sie zum verbliebenen Restsee gelangen.

Die Arbeiten der Ausstellung zeigen vielschichtig das Verschwinden, weisen auf die Vergeblichkeit des Festhaltens hin, es wird aber auch deutlich, dass ein Bild oder Film kein objektives Protokoll sein kann, sondern immer eine – auch ästhetisch – subjektive Position vertritt. Eine klare ruhige Reflexion des Verschwindens als grundlegendem Bestandteil des menschlichen Lebens! Hingehen und genügend Zeit für die Videoarbeiten einplanen …

Die Ausstellung „faces of disappearance“ verschwindet am 10. Januar 2016.

www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de

Thema:

Weitere Positionen

26. Februar 2020 - 16:16 | Martin Schmidt

Der Theologe Prof. Dr. Georg Langenhorst (Uni Augsburg) beleuchtet in seinem neuen, im Herder Verlag erschienenen Buch religiöse Motive in der modernen Literatur.

26. Februar 2020 - 11:14 | Gast

Eine ganz persönliche Brechtfestival-Bilanz. Von Knut Schaflinger

25. Februar 2020 - 11:15 | Renate Baumiller-Guggenberger

Das Abschluss-»Spektakel« verlangte den Zuschauer*innen in den bestens gefüllten martini-Park-Räumen einiges an (Schlange-)Steh- und Denkvermögen ab und überraschte mit mal mehr, mal weniger geglückten Programmen in Stegreif-Manier.

24. Februar 2020 - 16:22 | Jürgen Kannler

Die Brechtfestival-Organisation suchte Ärger mit Besucher*innen – und fand ihn.

24. Februar 2020 - 13:25 | Jürgen Kannler

Der Schauspielabend »Švejk / Schwejk« ist eine gelungene Kooperation zwischen den Städtischen Bühnen Prag und dem Staatstheater Augsburg.

21. Februar 2020 - 14:11 | a3redaktion

Der Podcast zur Kommunalwahl 2020 in Augsburg – ein Projekt von DAZ und a3kultur

20. Februar 2020 - 22:56 | Iacov Grinberg

Die neue Ausstellung »Sumos und Superhelden« in der Galerie am Graben zeigt Arbeiten des Kissinger Bildhauers Christian Richter.

19. Februar 2020 - 16:10 | Jürgen Kannler

Dienstagabend startete das »Heiner-Müller-Festival« seine kleine, spannende Hörspielreihe aus dem Kosmos des legitimen Erben Bertolt Brechts im Planetarium der Stadtsparkasse.

19. Februar 2020 - 12:05 | Renate Baumiller-Guggenberger

Das Best of Poetry Slam mit vier virtuosen Wortkünstlern wurde im nahezu ausverkauften Parktheater als beliebtes Brechtfestivalspecial begeistert aufgenommen.

18. Februar 2020 - 12:10 | a3redaktion

Gertrud Scheuberth sucht in ihrem Buch »Das blaue Gehwegschild – ein Vaterbild zerbricht« nach der Kriegsvergangenheit ihres Vaters Johann.