Bildgewalt

Sebastian Lübeck 01_Ausstellung Holbeinhaus Augsburg 2017_Foto Bettina Kohlen
18. Oktober 2017 - 14:29 | Bettina Kohlen

Sebastian Lübeck zeigt im Holbeinhaus auf Einladung der Stadt Augsburg ältere und brandneue Malerei.

Lübeck, der an der Kunstakademie Karlsruhe bei Max Kaminski und Thomas Zipp Malerei studierte, trat in den letzten Jahren nur gelegentlich mit eigenen Arbeiten in Erscheinung. Stattdessen inszenierte er in einer »contemporallye« an spannenden Orten neue Kunst anderer: das war wunderbar und wichtig für die Wahrnehmung von Gegenwartskunst in Augsburg. Doch jetzt präsentiert Lübeck, der sich heute provokant als »Hobbykünstler« definiert, umfassend, was in den letzten Jahren in seinem eigenen Atelier passiert ist.

Das schreiende Rosa zieht die Aufmerksamkeit des eintretenden Besuchers sofort auf sich. In einer barock anmutenden Komposition, gestützt durch einen Rundbogenrahmen, wirbeln einem Höllensturz gleich wasserleichenfarbene Babys (oder sind es Puppen?) durch den neonpinken Raum. Fallen sie oder werden sie von der dunklen Wolke hinter ihnen eingesogen? Geburt und Tod? Lübecks meist großformatige Bilder zeigen sich dunkel und düster, versehrte totengleiche Figuren oszillieren in befremdlichen Szenarios zwischen Wirklichkeit und abrupter Künstlichkeit. Der Abgrund wird zwar immer wieder durch Pink und ein wenig Türkis gebrochen, doch Hoffnung kommt dadurch nicht auf – nein, diese Farben beschwören eine giftige Gefahr, die wir auch von Max Beckmann kennen. Porträts von Beckmann, Francis Bacon und Francisco Goya verweisen auf die Auseinandersetzung mit den schonungslosen und oft gewalttätigen Werken dieser Künstler. Lübecks Arbeiten sind, gleichwohl barock theatral inszeniert, in ihrer brutalen Abgründigkeit schwer auszuhalten. Einen berührend beruhigenden Kontrapunkt zu Lübecks gewaltiger Malerei setzen im Holbeinhaus die kleinformatigen zartfarbigen Zeichnungen seines kleinen Sohnes Luis. Es gibt Hoffnung… Ansehen! Bis zum 12. November im Holbeinhaus.

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