Bischof, Blei und Feuerwerk

Martin Schmidt
31. Dezember 2015

Der Name des Silvesterfestes geht auf Papst Silvester I. zurück. Der 31. Dezember ist das Datum  seines Todestags im Jahr 335. Er ist jener Papst, der in Rom die erste Petruskirche, also den Vorgängerbau des heutigen berühmten Petersdoms, hat errichten lassen. Die katholische Kirche gedenkt Silvesters I. am 31. Dezember, die griechisch-orthodoxe und die bulgarisch-orthodoxe Kirche tun dies am 2. Januar, die russisch-orthodoxe Kirche am 15. Januar. Eine nach ihm benannte Kapelle in der römischen Basilika Santi Quattro Coronati (zu Deutsch: »die vier gekrönten Heiligen«) erinnert an den einstigen Bischof von Rom.

Silvester ist also zunächst kein Neujahrs-, sondern ein christlicher Gedenktag: Das Kirchenjahr nämlich endet freilich nicht am 31. Dezember, sondern mit der Vesper am Vorabend des 1. Adventssonntags. Trotzdem stehen heute wohl alle an Silvester gefeierten Gottesdienste im Zeichen des Jahreswechsels – und der heilige Silvester gilt letztendlich nicht nur als Patron der Haustiere, sondern auch als der für ein gutes neues Jahr.  

Allein: Die zahlreichen Silvesterbräuche speisen sich aus unterschiedlichsten, nicht christlichen Traditionen. Das Bleigießen ist ursprünglich ein Orakelbrauch der römischen Antike. Feuerwerkähnliches kannten schon die Germanen, sie vertrieben damit böse Geister. Der Neujahrswunsch »Guter Rutsch!« lässt sich nach der Meinung einiger Forscher klanglich auf den jüdischen Neujahrstag Rosch ha-Schana zurückführen. Dieser findet übrigens (in unserem gregorianischen Kalender) immer im September oder der ersten Oktoberhälfte statt. Dies illustriert auch, wie eng das Jahresendfest Silvester mit dem Neujahrsfest verknüpft ist. Letzteres fällt in den verschiedenen Religionen und Kulturen auf verschiedene Termine. So findet das nächste chinesische Neujahrsfest am 8. Februar 2016 statt, der Neujahrstag der Muslime ist der 1. Muharram (heuer: 14. Oktober 2015, jedoch kein offizieller Feiertag), das Neujahr der Khmer und der Tamilen ist im April, die Kopten und die Rastafari begehen den Jahreswechsel zum 11. September. 

Foto: Der Mann, nach dem das Silvesterfest benannt wurde: Papst Silvester I. (links) zieht in Rom ein und wird dabei von Kaiser Konstantin empfangen. Das Fresko stammt aus dem Jahr 1246, zu sehen ist es in der ebenjenem Papst geweihten Kapelle der Kirche Santi Quattro Coronati in Rom. (Foto: Joachim Schäfer, Ökumenisches Heiligenlexikon)

 

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