Blick ins Schaufenster des Zarenrusslands

5. Januar 2020 - 8:48 | Iacov Grinberg

Die im Schaezlerpalais präsentierte Sonderausstellung »Kunstschätze der Zaren – Meisterwerke aus Schloss Peterhof« hat eine wesentliche politische Bedeutung.

Nicht umsonst wurde sie nicht nur von Kunstminister Bernd Sibler besucht, was man bei einer Ausstellung erstklassiger Exponate aus ausländischen Museen erwarten kann, sondern auch von Alla Manilowa, der stellvertretenden Kultusministerin der russischen Föderation. In den aktuellen Zeiten der deutsch-russischen Beziehungen hat Kulturaustausch eine besonders große Bedeutung. Diese Ausstellung wurde möglich dank der Vereinbarung zu Kulturfragen zwischen dem Freistaat Bayern und der russischen Föderation, die im März 2017 unterzeichnet wurde. Für uns, den einfachen Besucher, ist es eine Möglichkeit, 176 wunderbare Kunstobjekte zu bewundern. Einige Exponate ähneln uns gut bekannten aus Westeuropa, andere sind verschieden. Um zu verstehen, was sie zusammen zeigen, sollte man die Geschichte ihres Stammortes Peterhof kennen.

Peterhof wurde vom Zaren Peter I. der Große geschaffen. Der junge Zar (ein in Russland üblicher Herrschertitel, das Wort stammt von lateinisches „Caesar“) hat sich zum Kaiser des Russischen Reiches ernannt. Er betrachtete sein Land entsprechend russisch-orthodoxer Tradition als Nachfolger des Byzantinischen Reichs. Und es war ihm wichtig, sein Land auf eine Stufe mit westeuropäischen Ländern und westlichen Herrschern zu stellen. Einerseits versuchte er Russland mit drastischen Maßnahmen zu modernisieren, andererseits Handelswege freizumachen.

Er gründete am Ufer des baltischen Meeres eine neue Hauptstadt, das heutige Sankt Petersburg, und ca. 30 km westlich, ebenfalls am Meeresufer, seine Sommerresidenz Peterhof. Dort wollte er ausländische Herrscher sowie ihre Repräsentanten empfangen – und ihnen den Glanz und Reichtum seines Imperiums zeigen. Seine Sommerresidenz sollte vom Meer aus sichtbar sein, was sich keiner der westeuropäischen Herrscher leisten konnte. Und um sie zu beeindrucken, sollte der Pracht für die Gäste verständlich sein.

Er reiste 1717 nach Paris, schaute sich Versailles an. Seine Residenz sollte das „Schaufenster“ seines Reiches sein. Im Inneren waren einerseits für Gäste verständliche westeuropäische Kunstobjekte, andererseits eigenartige russische Kunstobjekte zu sehen. Seine Nachfolger, auch Katharina die Große, folgten diesem Wunsch. Nach und nach schmückten sie diesen großen Komplex verschiedener Schlösser und Parkanlagen.

Die Ausstellung im Schaezlerpalais zeigt wunderbare Bilder europäischer und russischer Maler, Gold- und Silberobjekte aus russischer und Augsburger Produktion. Letztere waren damals auf vielen europäischen Höfen präsent. Westliche und russische Rokoko-Mobiliare sind gleichsam prächtig verziert. Objekte aus Porzellan und Fayence „konkurrieren“ mit Pokalen aus Halbedelstein.

Es ist unzweckmäßig über alle ausgestellten Objekte zu berichten, man sollte sie selbst bestaunen, was bis zum 15. März möglich ist. In den Ausstellungssälen sind umfangreiche Kataloge ausgelegt, es ist ein großes Begleitprogramm mit zahlreichen Führungen und Vorträgen vorbereitet. Auch ein Audioguide wartet, um den Besuchern behilflich zu sein.

Außerdem gibt es bei dieser Ausstellung ein Novum: Die Museumspädagogik hat elf Blätter für Kinder vorbereitet. Sie richten die Aufmerksamkeit der kleinen Besucher auf einzelne Details der Bilder und Objekte, geben ihnen Raum zur Kreativität. So können Sie diese Ausstellung auch mit Kindern unbeschwert genießen.

www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de

Abbildung: Vigilius Eriksen, Porträt Katharinas II. vor einem Spiegel, Russland, 1764, Öl auf Leinwand © The Peterhof State Museum Reserve

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