Boxer trifft ins Herz

1. Dezember 2015 - 9:03 | Jürgen Kannler

Das Junge Theater Augsburg setzt »Die wahre Geschichte des Hertzko Haft« in einer mitreißenden Live-Performance um. Basis ist die gleichnamige Graphic Novel von Reinhard Kleist.

Sie erzählt eine dieser tragischen Liebesgeschichten, wie sie so nur in der Mitte des 20. Jahrhunderts geschrieben werden konnten. Das Leben hat für den polnischen Nachwuchsgauner Hertzko nicht viele sonnige Stunden zu bieten. Das ändert sich, als er im Nachbardorf seine große Liebe findet. Doch die Zeit des Glücks ist kurz in diesen Jahren. Schnell trennen ihn Krieg und KZ von seiner Leah.

Nur sein Talent, brutal zu kämpfen, und sein Wille, Leah wiederzusehen, bewahren ihn vor dem Tod. Er boxt zum Vergnügen der SS, macht nach der Befreiung den Zuhälter für die Amis und versucht sich in den 50er-Jahren als Profi¬boxer in den USA. Dort gründet er eine Familie, die er als Gemüsehändler in Brooklyn ernährt. Seiner Frau und den Kindern bleibt der brutale Vater fremd. Bis zu dem Tag, an dem er eine Reise nach Miami ankündigt. An dieser Stelle beginnt sein Sohn uns die Story des Vaters zu erzählen.

Ort der Performance ist der Hoffmannkeller des Theaters Augsburg, das als Kooperationspartner für das Projekt antrat. Das unverputzte Tonnengewölbe des Raums gibt eine ideale Projektionsfläche für die Zeichnungen von Reinhard Kleist ab. Diese wurden, und das muss man betonen, ebenso behutsam wie fantastisch von Gerhard Fauser belebt. Der Künstler arbeitet seit Jahren mit dem Jungen Theater Augsburg zusammen und lieferte mit den Visuals für »Der Boxer« sein Meisterstück.

Zwei weitere Local Heros verleihen dieser Inszenierung an ihren Schlagwerken Klasse, Rasanz, Identität und Rhythmus. Walter Bittner und Kilian Bühler arbeiten sich hinter ihren Instrumenten einander gegenübersitzend stellvertretend für die Kämpfer der Geschichte spektakulär ab. Folgerichtig wurden sie von Susanne Reng (Regie) und Simone Zillhard (Assistenz) zum Teil des Bühnengeschehens gemacht.

Die Spoken Words beim »Boxer« kommen von Sebastian Baumgart. Auch das Ensemblemitglied des Theaters Augsburg macht seine Sache am Premierenabend richtig gut. Zwischen den Dutzenden Charakteren der Performance wechselt er wirklich spielend und seine fast etwas naiv anmutende Frische hält jeden Anflug von Gefühlsduselei vom Stück fern.

Die unglaublich vielseitige Theaterfrau Susanne Reng hat mit dieser unkonventionellen Arbeit erneut bewiesen, dass sie die Richtige ist, wenn es darum geht, harte oder schwierige Themen spannend, unterhaltsam und mit dem nötigen Respekt zu inszenieren. Ihre Idee, eine Graphic Novel im Dreiklang »Music – Visuals – Spoken Word« umzusetzen, ging komplett auf. Kein Wunder, dass es für die weiteren Aufführungen nur noch Restkarten im Vorverkauf gibt.

Weitere Termine: 2., 8., 9. und 15. Dezember sowie 10., 20. und 21. Januar

www.jt-augsburg.de

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