Brecht »subkutan«

27. Februar 2018 - 13:35 | Renate Baumiller-Guggenberger

Brechtfestival: Theaterautor Alexander Eisenach zu Gast bei der 24. Auflage der Augsburger Literaturgespräche im Sensemble Theater.

Seine »Auftragsbücher« sind gut gefüllt: Der 1984 in Berlin geborene Alexander Eisenach arbeitet als Regisseur an namhaften Häusern und erhielt für die Inszenierung seines eigenen Stückes »Der kalte Hauch des Geldes« am Schauspiel Frankfurt im Jahr 2016 den Kurt-Hübner-Regiepreis. Genau dieses Werk, das im Western-Format die uns alle beherrschende Logik der (Finanz)-Märkte mit möglichen Utopien konfrontiert, feierte am Freitag im Rahmen des Brechtfestivals im Sensemble seine Augsburger Premiere. Inszeniert hat es Sebastian Seidel, der den sympathischen Gegenwartsdramatiker folgerichtig als diesjährigen Gesprächspartner auf das mit Prof. Dr. Stephanie Waldow von der Uni Augsburg und der Journalistin Stefanie Wirsching besetzte Podium der 24. Augsburger Literaturgespräche einlud.

Immerhin kamen trotz eisiger Außentemperatur über 30 Besucher, die auch ohne Stückkenntnis, bzw. ohne vorherigen Theaterbesuch den »kalten Hauch« des Kapitalismus samt gieriger Derivat-Strategien spüren und großenteils nachvollziehen konnten. Keine Frage, die  gemeinsam von Seidel und Eisenach vorgelesenen Passagen aus dem Goldgräber-Stück erforderten die höchste Konzentration der Mithörer und Mitdenker. Das Stück mutet Ideologisches wie Philosophisches zu, dies aber mit voller Absicht des Erfinders! Ganz entschieden plädierte ein höchst eloquenter Eisenach, der Brecht, wie er es witzig formulierte, am ehesten »subkutan« verabreicht bekam, für ein Hinterfragen ausgehöhlter und doppeldeutiger Begrifflichkeiten und für die Suche nach dem »Utopischen im Menschlichen«. Theatralisch zu entdecken gibt es das wieder am 1. März im Rahmen des Festivals sowie am 9. und 10. März und weiteren Terminen im Sensemble (siehe auch: http://a3kultur.de/positionen/mensch-vs-kapital).

www.sensemble.de
www.brechtfestival.de

Foto: Christian Menkel

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