Brillanz mit Brahms und Beethoven

15. Oktober 2018 - 14:50 | Renate Baumiller-Guggenberger

Die bayerische kammerphilharmonie startet mit einem grandiosen Konzert in der Stadthalle Gersthofen ins Jubiläumsjahr der Reihe »un-er-hört«.

Geschickt setzte man zum Auftakt der neuen Jubiläums-Saison 15 Jahre »un-er-hört« auf ein klassisches Programmkonzept, das in der Tat alle Register zog und gleichzeitig kein Risiko einging, um zu demonstrieren, was die bayerische kammerphilharmonie alles vermag.

Der Abend klang »sportlich«, war entsprechend packend und steckte voller Energie. Mit vier Werken von Beethoven und Brahms spielte man ein »Gemischtes Doppel« und machte die ausverkaufte Gersthofer Stadthalle zum Centercourt für ein hochkarätiges musikalisches Match, in dem es definitiv nur Gewinner gab.

Ein Heimspiel zudem für die beiden in Augsburg geborenen Solisten Sarah Christian (Violine) und den Cellisten Maximilian Hornung, die als extrem souveräne Virtuosen die internationalen Konzertpodien erobern. Gastdirigent Elias Grandy, derzeit GMD in Heidelberg, war zudem Garant für Präzision und Frische am Pult. Im Zentrum stand für die diejenigen, die insbesondere neugierig auf den gemeinsamen Auftritt von Sarah Christian mit Maximilian Hornung waren, natürlich das »Doppelkonzert«, das Johannes Brahms 1887 schrieb. Vorbehaltlos und intensiv, spieltechnisch unfassbar souverän fügten sich beide Solisten der kompositorischen Idee einer raffinierten, ebenso emotionalen wie komplexen konzertanten Erzählung: Zwei Instrumente, gespielt von zwei Meisterinterpreten, die sich bestens kennen und sich vor allem wohltuend, fern jeglicher Affektiertheit auf den emotionalen und kontrastreichen Dialog mit dem Orchester einlassen. Ein famoses, eher versöhnliches, denn streitsüchtiges Mit-und Gegeneinander! Oft schien das Cello tonangebend, dann wieder meldete sich die Violine zu Wort, schmeichelte sich geschickt ein; bald waren sie sich einig, um dann wieder flirrend erregt und in sagenhafter klanglicher Transparenz die Argumente auszutauschen, nie ohne aufmerksam das Orchester als Gesprächspartner zu integrieren. Pures und kenntnisreiches Eindringen in eine hinreichend bekannte Partitur demonstrierte Sarah Christian mit ihrer so beseelt-zarten Tongebung auch nach der Pause mit der Romanze F-Dur op. 50 von Beethoven. Die wiederum stimmte die Hörer ähnlich wie die Ouvertüre zur Schauspielmusik »Egmont« bestens ein auf das sinfonische Finale mit Beethovens achter Sinfonie. Das 1814 in Wien uraufgeführte Werk, das gerade einmal eine knappe halbe Stunde dauert, wird von der Musikgesichte vielfach als »Werk eines Humors, dem nicht zu trauen ist« beschrieben. Warum dem so ist, stellten die Musiker der Kammerphilharmonie, unter denen insbesondere das Blech sowie Schlagzeug und Holzbläsergruppe mit sicheren Einsätzen auffielen, klar. Motiviert durch das impulsive Dirigat von Elias Grandy fiel es ihnen nicht schwer, sich auf all die markanten Zwischentöne und thematischen Umwege einzulassen, die Beethoven in seiner »kleinen« Sinfonie beherzt einfordert.

Begeisterter Beifall für alle Mitwirkenden an diesem Brahms- und Beethoven-Abend!

www.kammerphilharmonie.de

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