Bruckners Neunte

17. November 2018 - 12:12 | Renate Baumiller-Guggenberger

Ein gewaltiges musikalisches Vermächtnis: Auftakt der Konzertsaison der Augsburger Philharmoniker

Was für ein gewaltiges musikalisches Vermächtnis hinterließ Anton Bruckner (1824-1896) nicht zuletzt mit seiner unvollendet gebliebenen 9. Sinfonie, an der er immerhin fast zehn Jahre lang feilte. Folgerichtig gab es sie jetzt zum Auftakt der neuen Konzertsaison der Philharmoniker unter dem Motto »TESTAMENT«, nahtlos gekoppelt mit seinem für Chor, vier Solisten und Orchester groß besetzten Te Deum im erstaunlicherweise nicht ausverkauften Kongress am Park zu erleben. Und das Wort »erleben« ist bei diesem Komponisten und zumal in dessen finaler Sinfonie, die er keinem Geringeren als dem »lieben Gott« widmete, in der Tat angebracht. Bruckner muss live gehört und gesehen werden. Auch dies stellte GMD Domonkos Héja mit seinem um zahlreiche Gäste verstärkten und fulminant präsenten Orchesterapparat, der an diesem Abend in allen Instrumentengruppen glänzte und mit hoher Präzision beeindruckte, virtuos klar. Mit seinem eindrucksvoll intensiven Dirigat machte sich Héja zum virtuos agierenden Testaments-»Vollstrecker«. Er vermittelte das Erbe Bruckners mit Gespür für die Einheit gebenden sinfonischen Bögen, setzte dabei spannungsgebend die immense dynamische Bandbreite in Szene, die von den hauchzarten Pianissimo-Passagen speziell im Adagio bis zum nahezu ohrenbetäubenden Fortissimo im Blech den motivischen Reichtum dieser in Teilen durchaus avantgardistischen Partitur offenbarte: Schmerz und Hoffnung, Sehnsucht und Leid. Im Scherzo trieb das martialische, unerbittliche Dröhnen einer mit prophetischem Weitblick vertonten, entmenschlichten Welt den Puls in die Höhe.

Bruckners Lebensstil war geprägt von mönchischer Einfachheit und konstantem Streben nach Kontemplation. Noch auf dem Totenbett soll er verfügt haben, sein Te Deum anstelle des unvollendeten Satzes der 9. Sinfonie zu spielen. So setzte der triumphal tönende Lobgesang, zu dem sich der Philharmonische Chor gemeinsam mit dem Opernchor und den vier Solisten Sally Du Randt, Natalya Boeva, Roman Poboinyi und Stanislav Sergeev laut und stark in der vokalen Verherrlichung zusammenschlossen einen nachhallenden Schlussakkord. Den stärksten Eindruck hatten bei dieser Testaments-Eröffnung definitiv die Musiker des Philharmonischen Orchesters hinterlassen, die bedingt durch die Applausordnung Beifall-technisch etwas zu kurz kamen. Bravi also für alle Mitwirkenden an diesem Bruckner-Festabend!

www.staatstheater-augsburg.de

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