Klassik

Ein Büro für Mozart

Gast
10. Februar 2016

Das Bauhandwerk scheint den Mozarts in den Genen gelegen zu haben: David Mozart, Ururgroßvater des berühmten Wolfgang Amadeus und Stammvater der Künstlerfamilie, kam als Baumeister nach Augsburg, sein Sohn Franz Mozart (an den eine Tafel an seinem Wohnhaus in der Fuggerei erinnert) war ebenfalls Maurermeister. Wolfgang baute schließlich lieber mit Tönen als mit Steinen, dennoch scheinen die Mozarts seit jeher eine enge Beziehung zu Baustellen gehabt zu haben.

Das Bauwerk »Mozartstadt Augsburg« steht auf einem sicheren Fundament. Dafür verantwortlich ist die ausgezeichnete Arbeit, die in den letzten Jahren von Thomas Weitzel und dem Kulturamt geleistet wurde, um die berechtigte Marke der einzigen deutschen Mozartstadt angemessen herauszustreichen. Seit letztem September arbeitet nun das neu eingerichtete »Mozartbüro« als Bauhütte daran, aus den zahlreichen vorhandenen Baustoffen dieses Fundament zu erweitern und aus Nah und Fern hochwertige Ausstattungsmaterialien nach Augsburg zu importieren, um den kleinen, aber feinen Bau zu veredeln. Für den weiteren Bauprozess herrschen in Augsburg hervorragende Voraussetzungen: Das Musikleben dieser Stadt bietet einen wunderbaren Nährboden, um das Thema Mozart in Augsburg noch tiefer zu verankern und fortzuentwickeln. Dies betrifft einerseits die repräsentativen historischen räumlichen Gegebenheiten, andererseits aber auch die verlässlichen musikalischen Partner in der Stadt und der Region. Eine intensive Einbindung dieser lokalen Partner in alle Mozartaktivitäten wird auch zukünftig die Basis aller Fortentwicklung sein. Hierzu gehören neben dem Wirken nach außen in Konzerten insbesondere die kontinuierliche interne Kommunikation, die Etablierung eines Mozartnetzwerks sowie die Möglichkeit, sich als Teil der Mozartstadt Augsburg auf einer zeitgemäßen Online-Plattform mit umfassendem Veranstaltungskalender präsentieren zu können.

Ein Bauwerk wie die Mozartstadt Augsburg muss, neben der Bedeutung für die Stadt selbst, eine Strahl- und Anziehungskraft nach außen aufweisen. Diese Außenwirkung gilt es zu stärken, und hierfür sind im Wesentlichen zwei tragende Säulen verantwortlich: Schon bald (vom 3. bis 14. Mai 2016) steht der Internationale Violinwettbewerb Leopold Mozart an. Dieser ist dem Erbe des großen Musikpädagogen verpflichtet und bringt zukünftige Violinstars aus aller Welt nach Augsburg, um hier zwei Wochen lang den Himmel voller Geigen zu hängen. Neben dem musikalischen Wettstreit steht insbesondere die Begegnung von Jugendlichen aus 19 verschiedenen Nationen im Mittelpunkt. Augsburg wird hierfür wieder ein hervorragender Gastgeber sein und die jungen Talente werden das Lebenswerte dieser Stadt mit in ihre Heimat nehmen. Das nächste Deutsche Mozartfest vom 19. bis 28. Mai 2017 wird sich den Spuren widmen, die zu Mozart und von Mozart weg weisen und einen Bogen von Monteverdi bis in die Moderne schlagen. Hierbei werden sowohl renommierte Künstler von Weltrang als auch die lokale Szene für eine ganz besondere Strahlkraft sorgen. Neben bewährten Bausteinen wird das Mozartfest auch neue Elemente beinhalten, die eine eigene Handschrift erkennen lassen. Der Fokus wird auf der neuen Generation von MusikerInnen und Ensembles und deren junger, frischer Art liegen, an die Musik Mozarts und anderer Epochen heranzugehen. Es gibt viel zu entdecken.

Das Mozartbüro als solches ist gleichwohl selbst noch eine Baustelle und kein Büro im eigentlichen Wortsinn. Die räumliche Trennung der in den Entwicklungsprozess involvierten Kräfte ist einerseits ein Zustand, der sicherlich optimiert werden kann, Pläne zum Umbau der Grottenau liegen auf dem Tisch. Gleichzeitig kann man diese Diaspora aber auch als Chance begreifen, denn hierdurch entsteht eine Nähe zu anderen Institutionen: Der Violinwettbewerb ist am Leopold-Mozart-Zentrum angesiedelt, arbeitet eng mit den dortigen Dozenten und Studierenden zusammen und nutzt die Möglichkeiten, die sich in einer solchen Musikausbildungsstätte bieten. Die Musikvermittlung der Mozartstadt ist mit »Mehr Musik!« im Kulturpark West beheimatet und die Deutsche Mozart-Gesellschaft schließlich im Mozarthaus selbst. Doch die Wege in Augsburg sind nicht weit und die technischen Möglichkeiten groß, sodass eine enge Zusammenarbeit der einzelnen Bereiche des Mozartbüros untereinander bereits jetzt hervorragend funktioniert. Die Zeit, bis das Bauwerk Mozartbüro schließlich vollends erstrahlt, kann man also fruchtbringend gestalten.

Wolfgang Amadeus Mozart war im Übrigen auch in einem weiteren Zusammenhang ein Baumeister: Er pflegte bekanntlich sehr enge Beziehungen zu den Freimaurern. Diese gelten zwar weithin als mysteriöser, sagenumwitterter Geheimbund mit humanistischen Werten. Historisch hervorgegangen sind die Freimaurer tatsächlich aber aus dem klassischen Handwerk: einer mittelalterlichen Steinmetzbruderschaft.

Seit September 2015 ist Simon Pickel Leiter des neuen Mozartbüros der Stadt Augsburg und damit u.a. für die künstlerische Leitung des Deutschen Mozartfests zuständig.

In unserer Printausgabe #02/2016 präsentieren wir die wichtigsten Kulturbaustellen der Region. Insgesamt 16 Kulturmacher haben hierzu Gastbeiträge beigesteuert.

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