Bunte Palette der klassischen Moderne

14. Juli 2016 - 8:39 | Iacov Grinberg

Das Schaezlerpalais präsentiert ein »Rendezvous der Künstler« mit Meisterwerken aus der Sammlung Helmut Klevan.

Die Ausstellung, die sich im zweiten Stockwerk des Schaezlerpalais entfaltet, verspricht dem Betrachter »Werke der klassischen Moderne« zu zeigen. Das klingt nach einem Oxymoron, da die Moderne stets dem Klassischen gegenübergestellt wird. Doch hat sie eine lange Geschichte: Man zählt zu dieser Gattung Richtungen und Ausdrucksmanieren, die einst ganz neu und revolutionär waren, heute jedoch schon lange etabliert sind.

Helmut Klevan war als Galerist in Wien und München tätig und fungierte dort als wichtiger Dreh- und Angelpunkt der Kunstszene. Dies ermöglichte ihm, eine umfangreiche und repräsentative Sammlung von Gemälden, Grafiken und Skulpturen zu schaffen. Bekanntlich gelingen einem Künstler, auch einem renommierten, nicht alle Werke gleich gut. Galeristen sind Geschäftsleute und handeln nicht nur mit dem Besten vom Besten. Für seine private Sammlung hatte Klevan nur die wirklich gelungenen Werke ausgewählt. Diese Sammlung ist, im Unterschied zu vielen anderen, nicht als Geldinvestition zu verstehen: Viele Werke schmückten auch die Wände seines eigenen Hauses.

Die Sammlung repräsentiert Klevans persönlichen Geschmack. Trotzdem empfehle ich Ihnen, liebe Leser, die Sammlung zu bewundern. Ihr Geschmack muss dabei weder seinem noch dem einer allgemeinen Werteskala entsprechen. Für mich, zum Beispiel, sind die Werke von Jörg Immendorff wunderschön, ich fühle eine Affinität zu ihnen, die Werke des noch berühmteren Georg Baselitz lassen mich hingegen gleichgültig zurück.

Die Ausstellung zeigt mehr als 150 Kunstobjekte und vereint dabei viele Stilrichtungen und Künstler. Einige Namen wie Giacometti, Picasso, Maria Lassnig oder Arnulf Rainer sind allgemein bekannt, andere kennen meist nur Spezialisten. Das kann Ihnen helfen, die Werke ohne den »Druck der großen Namen« zu betrachten. Ich habe die Ausstellung zusammen mit verschiedenen Menschen gesehen – jeder hat etwas für sich entdeckt. Ich hoffe, dass auch Sie etwas Großartiges finden, was noch bis zum 13. November möglich ist.
(Iacov Grinberg)

Foto: Giorgio de Chirico – Piazza d'Italia con cavallo, 1970

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