Caprisonne auf ex, Hose runter!

Love A
1. Mai 2015 - 7:44 | Martin Schmidt

So feiert man im Monat des Muttertags: kluge Hysterie mit Love A, Hip-Hop-Battle im Boxring sowie zwei Esslöffel Death Metal und Weltmusik.

Ugsburg, Buzentrum, Mximilinstrße – ohne A ist irgendwie alles nix. Die gefeierten Love A bringen das fehlende, das gute A in die Stadt – mit deutschsprachigem Postpunk und Indierock zwischen Turbostaat und Mutter. Außerdem ist der Mai ein Monat der interessanten Bandnamen, wie zum Beispiel Atomgott oder Das Weiße Pferd.

Melancholie, Dunkelheit, Trauer, Wut und Wahnsinn: Guten Tag, Love A sind in der Stadt. Am Freitag, 29. Mai, setzen sie in der Kantine die Benchmark in Sachen emotionale Intelligenz im Gitarrenindie. Ihr aktuelles, drittes Album »Jagd und Hund« ist ein von schraddeligen Gitarren scharfkantig zu Wave und Postpunk zerhacktes Stück Befindlichkeitspop, das »Punk« meint, »Melancholie« schreit und »Verwirrtsein und Kotzenwollen« tanzbar macht. Dabei legt das Quartett klug-hysterische Lyrik zwischen Depression und Grübeltrauma über sperrige Eingängigkeit. Auf jeden Fall: Love A bei dieser Tour auf einem Konzert zu besuchen, wird heißen, eine Band mitten im Hype und mitten im Medien-Buzz an einem Umbruchspunkt erleben zu können. Im Rückspiegel sehen Love A noch ihre Punkwurzeln winken, auf der Rückbank sitzen schon die ersten Studenten. Jetzt werden bei Bier und Dezibel, in question und response, die Weichen gestellt, und es wird spannend werden, wie und wann und von wem. Oder wie Love A selber schreien und singen: »Was soll die Furcht vor dem Hier, wenn das Dort genauso stinkt?« Ach so – und das A, das A im Bandnamen, wofür steht das? Im Jahr 2010 gründete sich die Band unter dem ursprünglichen Namen »Love Academy«. Auf ihrem Debütalbum sangen sie einst noch: »Fahrradschloss abgesperrt, Schülerausweis vorgezeigt, Caprisonne auf ex. Hose runter – Freibad!«

Der Club, in dem Love A aufschlagen, die Kantine, wird im Monat Mai übrigens 13 Jahre alt. Diesen Geburtstag feiert man unter anderem mit einer Premiere: Am Freitag, 1. Mai, heißt es »Rap im Ring«. Mitten auf die Tanzfläche wird als 360-Grad-Bühne ein Boxring gestellt. Es warten Live-Auftritte von Mädness, Döll, Blumio und vielen anderen sowie Live-Graffiti, B-Boying und ein Beatbox-Contest. Beginn: 16 Uhr, Party ab 24 Uhr.

Auch in der Ballonfabrik ballen sich kleine Special-Interest-Festivals: Am Samstag, 2. Mai, ab 15.30 Uhr, halten acht Bands das Death Metal-Banner hoch, darunter Gruppen mit so schmucken Namen wie Atomgott, Hatecult of the Cunt oder Gutfuck. Am Samstag, 16., und Sonntag, 17. Mai, findet dann jeweils ab 18.30 Uhr das »The Day The Dead Walked«-Metal-Festival mit neun Bands statt, unter anderem Dead Man’s Chamber, Lower Than Zero und Arising Fear.

Wenig Menschen, die dem Death Metal verfallen sind, finden in der Regel den Weg in den Augsburger Annahof, drum hier ein Versuch: Am Mittwoch, 13. Mai (nächster Tag: Feiertag!), findet ebendort heuer wieder für alle Weltmusik-Fans das Karman Festival statt – featuring Express Brass Band (Jazz, Soul & Afrobeat aus München), La Minor (Lo-Fi-Straßenpolka aus St. Petersburg), Minor Movement (Balkan, Gipsy & Dubreggae aus München) und Aufs Trommelfell (westafrikanische Trommelrhythmen aus Augsburg). Beginn: 17.45 Uhr.

Zum Schluss noch der Hinweis auf drei schöne Preziosen: Sphärenschmiede am Donnerstag, 7. Mai (20 Uhr), im Planetarium, Das Weiße Pferd am Samstag, 2. Mai, im Grandhotel und Surf City am Freitag, 29. Mai, im City Club. Das Trio Sphärenschmiede präsentiert unter dem Titel »Sonnenwind« ein verträumtes Funkeln, geschmiedet aus der aparten Mischung von Handpan, Cajón, Akkordeon und Gitarre. Auch Das Weiße Pferd sollte man nicht verpassen, eine Band, zu deren Dunstkreis auch Ex-Goldene-Zitrone Hans Platzgumer zählt. Sänger Federico Sánchez ist der »Crazy Diamond« der Münchner Musikszene. Das Weiße Pferd ist eine kaputt-irre und dandyesque Pop-Peitsche, schräg, kritisch und manchmal auch nihilistisch (was in summa bedeutet: deutschsprachige Texte). King of Cool sind auch Surf City aus Auckland, Neuseeland. Auf ihrer ersten Tour in Europa und ihrem einzigen Konzert in Süddeutschland hauen sie einem angesurften Noisepop und psychedelischen Fuzzrock durch die Sonnenbrille hindurch direkt ins Hirn und erinnern dabei gern mal an The Jesus and Mary Chain, The Clean oder The Chills. Wird gut!
Und jetzt noch, bevor Kolumnist und Leser auseinandergehen, ein kleines Geheimnis: Am 22. Oktober kommt Heather Nova ins Parktheater in Göggingen.

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