Klassik

Die CD zur Stunde

Renate Baumille...
15. April 2020

In ihrem aktuellen Performance-Projekt »Healing Modes« integrieren Brooklyn Rider ihre makellose Interpretation des späten Streichquartetts Nr. 15 a-Moll op. 132 von Ludwig van Beethoven in fünf zeitgenössische Auftragswerke aus der Feder der amerikanischen Komponistinnen Caroline Shaw (Grammy Award 2020), Gabriela Lena Frank, Matana Roberts, Reena Esmail und Du Yun. Wenn »alles gut geht«, gastiert das Streichquartett im Rahmen des Deutschen Mozartfests am 17. Mai um 18:30 Uhr im Augsburger H2 – Zentrum für Gegenwartskunst. Wir haben uns in jedem Fall vorab schon einmal in die CD hineingefühlt …

Das musikalische Projekt des in New York beheimateten Quartetts mutet durchaus hellsichtig an, fokussierte es sich immerhin weit vor der Corona-Krise auf recht bemerkenswerte Art auf das Thema »Heilung« im individuellen Umgang mit (klassischen) Klängen bzw. durch die Wirkmechanismen beim Schreiben und Rezipieren von Musik. »The power of music to heal body, mind and spirit was a belief held from the ancient Greeks up through the ages«, stellt als Grundidee des Projekts ein leider extrem leserunfreundlich gestaltetes Booklet (einziges Manko!) eingangs fest. Als musikalischer Motor diente allen Beteiligten Beethovens langsamer, nahezu 17 Minuten währender »Adagio molte-Andante«-Satz, der natürlich nicht von ungefähr den Titel »Heiliger Dankgesang eines Genesenen an die Götter« trägt.

Zu Beginn führt er den Hörer schon recht eindeutig in jenseitige Choral-Sphären, um ihn dann abrupt an der nahezu tänzerisch aufgeladenen Lust am »Fühlen neuer Kraft« teilhaben zu lassen. Uraufgeführt wurde dieses Streichquartett, das in einer Zeit belastender Krankheit entstand, im Jahr 1825. Auch knapp 200 Jahre später animierte die musikalisch-emotionale Auseinandersetzung mit der eigenen Verletzlichkeit, mit Leid-Erfahrungen, die über diverse krankheitsbedingten Symptome hinaus auch unmenschliche gesellschaftspolitische Zustände inkludieren, die fünf beauftragten Komponistinnen zu kontrastreichen Schöpfungen, die zudem die alles andere als monotone Farb- und Tonpalette gerade eines so experimentierfreudigen Streicherquartetts ausreizen. Man sollte sich, was derzeit definitiv möglich ist, störungsfrei und mit innerer Ruhe auf diese »Healing Modes« einlassen, um deren subtiles – altes wie neues – »Gesundungspotential« für Körper, Geist und Seele in ganzer Fülle wahr- und mitzunehmen!

Brooklyn Rider – »Healing Modes«, reinhören unter:
brooklynrider.bandcamp.com

Foto: © Shervin Lainez

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