Da ist Musik drin …

Rox und ihr Wunderteam_Theater Augsburg 2017_Foto Jan-Pieter Fuhr
12. Dezember 2017 - 11:51 | Bettina Kohlen

»Roxy und ihr Wunderteam« bringen im Martini-Park das Runde ins Eckige: Paul Abrahams Operette dreht sich um Fussball, Liebe, Korruption …

Wie bringt man Fußball auf die Bühne? Man lässt die Akteure nicht kicken, sondern steppen und singen. Das tun sie ausführlich in der neuesten Produktion des Theaters Augsburg. Paul Abrahams »Roxy und ihr Wunderteam« wurde 1936 in Budapest uraufgeführt, erlebte zahlreiche Vorstellungen in Wien und wurde schließlich noch verfilmt. Dann war es vorbei: Der jüdische Komponist emigrierte, das Stück verschwand. Erst 2014 wurde im Theater Dortmund eine rekonstruierte Fassung der satirischen Operette gezeigt. Für die Augsburger Inszenierung ließ Martin G. Berger jedoch nur das Grundgerüst übrig, er schrieb neue Texte für die in die Gegenwart verlegte Handlung um die deutsche Fußballnationalmannschaft, er veränderte und ergänzte die Gesangsnummern. Dass ursprünglich eine Wasserballmannschaft im Zentrum des Geschehens stand, wird nur in einer in Busby-Berkeley-Manier gefilmten Videosequenz zitiert. Ausgehend von einer Rahmenhandlung, einer DFB-Gala mit Preisverleihung, wird in Rückblenden erzählt, wie es zum WM-Sieg der deutschen Fußballer kam.

Rosi aka Roxy flüchtet vor ihrem Freund, der sie heiraten möchte, sie ihn aber nicht, ins Quartier der Fußballnationalmannschaft. Dort trifft sie auf Philipp Gjurka, einen jungen Spieler des FCA. Natürlich ergibt sich da eine Liebesgeschichte mit Verwicklungen wir sind in einer Operette doch auch Korruption, Erpressung, Homosexualität und schließlich eine heimlich eingewechselte Roxy im Endspiel werden zum Thema. Komödienadäquat wird alles durcheinander gewirbelt, am Ende wird manches gut, doch eines der drei neuen Paare kann seine Liebe nicht öffentlich leben ein schwuler Fussballer geht immer noch nicht …

Regisseur Berger packt ins Bühnengeschehen alles rein, was im Fußball ungute Realität ist, aber permanent unter den Teppich gekehrt wird. Doch in der Summe überfrachtet das die Sache und kommt ein wenig beliebig und platt daher. Da wäre weniger mehr gewesen. Bis der Zweiakter Fahrt aufnimmt, braucht es eine Weile, erst nach der Pause geht es richtig zur Sache. Das komödiantische Durcheinander kulminiert schließlich in einem allgemeinen Dusch-Happening, das Highlight der Inszenierung, ein perfektes Miteinander von Gesang, Tanz, Komik und Setting.

Das mit musicalerprobten Gästen verstärkte Ensemble meistert die Sache: es tanzt, singt und baut auch die Bühne um. Marie-Cristin Zeissets Choreografie macht den Kickern Beine und trägt wesentlich zum Gelingen des Unternehmens bei. Uli Scherbel agiert präsent und viril als Christiano Hatschek, Katja Berg gibt die schlaue Roxy. Gerhard Werlitz zieht als Trainer Pepe Tactico sämtliche komödiantischen und modischen Register. Der im Vorfeld gehypte Jimmy Hartwig zeigt sich als DFB-Präsident aber lediglich in einer dekorativen Nebenrolle. Bemerkenswert wandelt Bariton Wiard Witholt sich vom Jammerlappen bis zum Outing als Schockverliebter. Doch allen voran läuft Thaisen Rusch, seit dieser Spielzeit in Augsburg, als charakterfester Philipp Gjurka in jeder Beziehung zu überzeugender Form auf. Richtig rund machen die fabelhaft aufgelegen Augsburger Philharmoniker (Leitung Lancelot Fuhry) die Sache, die diesmal (meistens unsichtbar) auf der Hinterbühne agieren. »Roxy und ihr Wunderteam« garantieren einen kritisch-amüsanten Abend in der Fußballwelt mit der zündenden Musik von Paul Abraham.

Nächste Vorstellungen: 12./13./21./31. Dezember

www.theater-augsburg.de

Foto: Die Duschszene aus »Roxy und ihr Wunderteam«. Foto: Jan-Pieter Fuhr

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