Damals floss sehr vieles

17. Juli 2018 - 14:11 | Iacov Grinberg

Die Ausstellung »Alles fließt! Flößerei in Augsburg auf dem Lech und der Donau« ist noch bis Oktober im Grafischen Kabinett zu sehen.

Für uns Augsburger*innen, die an keinem schiffbaren Fluss leben, ist eine Benutzung von Wasserwegen meist nur aus dem Fernsehen, der Kreuzfahrtreklame oder dem Urlaub bekannt. In Deutschland, mit seinem dichten Netz von Eisen- und Autobahnen, transportiert die Binnenschifffahrt ein Siebtel der Waren. Im Welthandel sind es fast 60 Prozent. Vor 200 Jahren waren die Flüsse als Transportwege noch wichtiger. So auch die nicht schiffbaren, wie beispielsweise der Lech.

Damals benötigte man sehr viel Holz. Freilich sollten die Häuser nach einigen verheerenden Großbränden nur noch aus Stein gebaut werden, aber auch dies erforderte Holz. Es gab in der Nähe keine Kohle, das Heizen war ebenfalls nur mit Holz möglich. Auch verschiedene Handwerke benötigten diesen Rohstoff. Die einzige bezahlbare Möglichkeit der Beförderung war die Flößerei über den Lech. Die sich frei bewegenden einzelnen Stämme konnten die Ufer beschädigen, deshalb bündelte man sie in Flöße, die man mit viel Kraft, Geschick und Kenntnis des Flussbetts steuern konnte. Von Frühjahr bis Herbst war dieses Schauspiel ein üblicher Teil des Landschaftsbildes am Lech (Foto: Hochablass), in einigen Augsburger Kanälen und am Stadtgraben.

Augsburg war nicht immer Endstation. Ein Teil der Flöße bewegte sich bis zur Donau und weiter nach Wien, Preßburg (heute Bratislava) und Budapest. Da sie nicht nur sich selbst tragen konnten, benutzte man sie auch als Transportmittel für verschiedene Waren. Noch 1858 inserierte im »Augsburger Anzeigeblatt« die Flößerei von Josef Schlaucher. Der Unternehmer offerierte den Warentransport bis Wien: ab 30. März alle 14 Tage ein Floß. So eine Reise dauerte durchschnittlich neun Tage, war vom Wasserpegel und Wetter abhängig und auch nicht ungefährlich. Kaufleute ließen ihre Ware nie aus den Augen und reisten mit ihr zusammen. In der Ausstellung »Alles fließt! Flößerei in Augsburg auf dem Lech und der Donau« im Grafischen Kabinett sind unter anderem eine Reihe von Zeichnungen zu sehen, Flusslandschaften, die Anton Christoph Gignoux während seiner Reisen gemacht hat. Heute kann man Wien mit dem Zug in sechs Stunden erreichen, eine einfache Fahrt, damals war es wirklich eine Reise.

Im Fundus des Grafischen Kabinetts gibt es viele Zeichnungen und Kupferstiche, auf denen die Flöße präsent sind, jedoch nicht als Hauptobjekt: Sie waren zu profan und ganz üblich, wie heutzutage Autos. Die Werke zeigen bekannte Plätze in einer Zeit, in der Flöße alltägliche Realität waren. Bewundern Sie diese Ansichten! Dies ist noch bis zum 7. Oktober möglich.

www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de

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