Dancing in September

9. September 2019 - 9:57 | Thomas Ferstl

Projektor – die a3kultur-Filmkolumne im September

Kein Song passt so gut zu meinem persönlichen Kinohiglight im September wie der unsterbliche Hit von Earth, Wind & Fire, der den Namen dieses Monats trägt. Warum das so ist und dass nicht nur das Tanzbein geschwungen, sondern auch romantisch in die Tasten gehauen wird im September und was das Ganze taugt, lesen Sie wie immer nachstehend. Außerdem lädt das Liliom am 29. September um 12 Uhr zum zweiten kostenlosen Workshop mit dem Thema Filmproduktion und Filmverleih ein.

Leo ist für Emmi »Gut gegen Nordwind« (12. September, alle Kinos). Emmi Rothner (Nora Tschirner) möchte per E-Mail ein Zeitschriftenabo kündigen, doch durch einen Tippfehler landen ihre Nachrichten bei Leo Leike (Alexander Fehling). Als Emmi wieder und wieder E-Mails an die falsche Adresse schickt, klärt Leo sie über den Fehler auf. Es beginnt ein außergewöhnlicher Briefwechsel, wie man ihn nur mit einem Unbekannten führen kann. Auf dem schmalen Grat zwischen totaler Fremdheit und unverbindlicher Intimität kommen sich die beiden immer näher – bis sie sich der unausweichlichen Frage stellen müssen: Werden die gesendeten, empfangenen und gespeicherten Liebesgefühle einer Begegnung standhalten? Und was, wenn ja? Die gleichnamige Briefromanvorlage von Daniel Glattauer birgt mit allzu romantischen Sätzen das große Risiko, einen Film so kitschig wie pinke Cupcakes mit Liebesperlen hervorzubringen. Doch Vanessa Jopp gelingt eine kluge Inszenierung der Geschichte und durch das souveräne Spiel ihrer Hauptdarsteller verwandeln sich die blumigen Worte der Vorlage in meist authentische Dialoge. Ein deutscher Liebesfilm, der sich sehen lassen kann. 

»Nurejew – The White Crow« (26. September, Kinodreieck) erzählt die unglaubliche Geschichte der sowjetischen Ballettlegende Rudolf Nurejew (Oleg Ivenko). Der Fokus des Films liegt dabei auf dem Sommer 1960. Das Leningrader Kirow-Ballett begeistert während eines Gastspiels die Pariser Zuschauer und Nurejew wird zur Sensation. Attraktiv, rebellisch und neugierig lässt er sich vom kulturellen Leben der Stadt mitreißen. Begleitet von der schönen Chilenin Clara Saint (Adèle Exarchopoulos) streift er durch die Museen und Jazzclubs der Stadt, sehr zum Missfallen der KGB-Spione, die ihm folgen. Doch Nurejew genießt den Geschmack der Freiheit und beschließt, in Frankreich politisches Asyl zu beantragen. Ein höchst riskantes Katz-und-Maus-Spiel mit dem sowjetischen Geheimdienst beginnt. Regisseur Ralph Fiennes, der hier auch als Ballettmeister Alexander Puschkin auftritt, lässt sich über die zweistündige Dauer des Films viel Zeit, das Paris der 1960er-Jahre aufleben zu lassen sowie den Menschen und Künstler Nurejew facettenreich in Szene zu setzen. Dabei brilliert der gelernte Balletttänzer Ivenko nicht nur in den Tanzszenen, sondern liefert auch schauspielerisch eine starke Performance ab. Mit seiner dritten Regiearbeit zeigt der Voldemort-Darsteller Fiennes, dass er ein feines Näschen für Inszenierung und den Umgang mit seinen Schauspielern besitzt. Sein Film ist weniger ein bloßes Künstlerporträt als vielmehr eine Ode an die Freiheit und somit nicht nur für Freunde des Tanztheaters eine unbedingte Empfehlung.

Foto: Gelingt es Oleg Ivenko als Tänzer »Nurejew – The White Crow« (26. September, Kinodreieck), in die Freiheit zu entkommen?

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