Daumen hoch

27. März 2017 - 12:12 | Jürgen Kannler

Patrick Wengenroth inszenierte als Leiter des Brechtfestivals die Musikrevue »Die Welt ist schlecht! und ich bin: Brecht!«.

Eigentlich wurde Patrick Wengenroth vor etwa zwei Jahren vom Theater Augsburg eingekauft, um im Großen Haus eine musikalische Revue zu inszenieren, die im Rahmen des diesjährigen Brechtfestivals zur Aufführung kommen sollte. Zwischenzeitlich wurde der Wahlberliner von der Politik zum neuen  Festivalleiter für 2017 bestimmt und das Große Haus von der Stadt geschlossen.

Wengenroth machte sich an die Arbeit, entwickelte sein Programm, lernte die Stadt auf der Suche nach Spielstätten für sein Festival kennen und vernetzte sich ganz nebenbei mit den Macher*innen der lokalen Szenen. Weit mehr als 6.000 Besucher*innen fanden dann Interesse an den Veranstaltungen und die Reaktionen darauf waren auch in der Presse meist positiver Natur.

Wengenroth hatte mit seinem Konzept das Brechtfestival nicht, wie von mancher Stelle vorab kolportiert, neu erfunden – wozu auch. Aber er hat es trotz des nicht vom ihm zu verantwortenden Chaos im Vorfeld sehr ordentlich und mit deutlich erkennbarer Handschrift serviert. Die Theaterinszenierungen und Performances waren spannend, die thematischen Schwerpunkte klug gewählt, lokale Held*innen gut ins Festival integriert und Aspekte aus den letzten Jahren weiterverfolgt. 

Abstriche am Programm taten manchem Brechtfan alter Schule weh, sind aber fürs Erste zu verschmerzen. Viele von ihnen wünschten mehr Traditionelles auf großer Bühne, wie zuletzt immer wieder vom Berliner Ensemble mit großer Kunst gezeigt. Doch dafür fehlte es in diesem Jahr am passenden Ort, an der finanziellen Ausstattung und wohl auch am Sinn dafür vonseiten Wengenroths, samt den dazu nötigen Kontakten. Doch diese können bei Bedarf ja neu geknüpft werden.

Schließlich ist das Brechtfestival keine One-Man-Show, egal ob die Leitung bei Grab, Ostermeier, Lang, Wengenroth oder irgendwann einmal auch in weiblicher Hand liegt. Diese Serie als Stärke zu begreifen und daraus Synergien zu gewinnen, gelingt in Augsburg nicht. Ebenso wie dem Festival die nötige Planungssicherheit zu garantieren. Dass Patrick Wengenroth nun gezwungen ist, als Bittsteller um den nächsten Vertrag vor der Lokalpolitik aufzutreten, ist ein schlechter Witz, aber nicht neu. Ein respektloser Umgang mit den Festivalleitern hat in Augsburg Tradition.

Und Wengenroths Brechtrevue? Die war wirklich sehenswert! Er spielte den Brecht und die Weigel,  suchte den Geist des Meisters in der leichten Muse und fand ihn, war texttreu im »Badener Lehrstück vom Einverständnis«, nahm das gesamte Schauspielensemble mit, das an dem Abend große Spielfreude zeigte, und hatte mit Matzke Kloppe den richtigen Mann am Flügel sitzen. Nur die Klassiker, die gab es an dem Abend nicht. »Die Welt ist: schlecht! Und ich bin: Brecht!« in der Brechtbühne ist noch zu sehen am 1., 2. und 8. April.

Foto: Kai Wido Meyer

Weitere Positionen

23. Oktober 2020 - 15:37 | Patrick Bellgardt

Die ersten Wochen der neuen Saison sind gespielt, nun steigen die Corona-Fallzahlen wieder. Theatermacher*innen wie André Bücker und Sebastian Seidel müssen unter wechselnden Pandemiebedingungen arbeiten.

22. Oktober 2020 - 9:15 | Bettina Kohlen

Der vielseitig tätige Künstler Felix Weinold ist aktuell mit mehreren Ausstellungen in der Region präsent, darunter ist auch eine umfangreiche Einzelschau im Augsburger Holbeinhaus.

20. Oktober 2020 - 10:39 | Dieter Ferdinand

Im Kulturhaus abraxas las der Schauspieler Matthias Klösel den Bericht des Auschwitz-Überlebenden Ludwig Frank.

19. Oktober 2020 - 10:56 | Patrick Bellgardt

»Kunst und Kultur im Quartier – Wie geht das zusammen und was soll das?« Diese Frage stellte sich eine Diskussionsrunde, zu der die a3kultur-Redaktion Anfang Oktober auf das Gaswerkgelände geladen hatte.

16. Oktober 2020 - 11:02 | Max Kretschmann

Am 9. Oktober feierte das Sensemble Theater in Kooperation mit dem Neuen Theater Burgau die Premiere von Friedrich Dürrenmatts »Der Mitmacher«. Regie führte Phillip J. Neumann, assistiert von Lisa Bühler. In den Hauptrollen waren Heiko Dietz, Dörthe Trauzeddel und Birgit Linner zu sehen.

15. Oktober 2020 - 13:49 | Renate Baumiller-Guggenberger

In den zwei Freistil-Konzerten am Montag- und Dienstagabend im Kleinen Goldenen Saal katapultierten Sarah Christian und Maximilian Hornung ausgewählte Streich- und Klaviertrios von Beethoven und Mozart sowie Gabriel Faurés erstes Klavierquartett (c-Moll) in schwindelerregende Höhen

14. Oktober 2020 - 16:28 | Bettina Kohlen

Eine Ausstellung im Grafischen Kabinett mit Arbeiten des Bildhauers Fritz Koelle macht dessen politisch durchaus ambivalente Haltung deutlich.

13. Oktober 2020 - 11:05 | Renate Baumiller-Guggenberger

Das Staatstheater Augsburg durfte am Samstag endlich seine mit Spannung erwartetete Neuinszenierung (Regie: André Bücker) der 1762 uraufgeführten Oper »Orfeo ed Euridice« von Christoph Willibald Gluck zeigen. VR-Brillen schickten die Zuschauer*innen auf »höllisch« berauschende Trips.

12. Oktober 2020 - 11:47 | Renate Baumiller-Guggenberger

Das Mozartfest Augsburg wurde mit frühen Mozartsinfonien sowie einer mehr als gelungenen Überraschung als Dreingabe eröffnet.

12. Oktober 2020 - 9:56 | Renate Baumiller-Guggenberger

Die Pianistin Sophie Pacini gastiert am 17. Oktober im Rahmen des Mozartfests im Kongress am Park. Anfang September kam ihr sechstes Solo-Album »Rimembranza« heraus. a3kultur verlost drei signierte CDs!