Delikate Farbigkeit

24. Oktober 2018 - 9:44 | Bettina Kohlen

Augsburg, Kaufbeuren und München sind dieses Mal die Stationen unserer Kunstrunde – keinesfalls vollständige, aber unbedingt sehenswerte Vorschläge.

Das Programm der Galerie der Künstlervereinigung »Ecke« wird seit rund einem Jahr von Günther Bauman und Ulo Florack gestaltet. Jetzt präsentieren die beiden Galeristen den renommierten Beuys-Schüler Hans Peter Adamski, Mitbegründer der Kölner Künstlergruppe Mülheimer Freiheit und lange Jahre Professor der Akademie in Dresden. Zu sehen sind vorwiegend Arbeiten der letzten Jahre, darunter der titelgebende Bildzyklus »Des Zettels Traum« von großem Reiz. Auf einer nicht grundierten Leinwand kontrastiert die zart lavierte, diffus schwarze Basis mit den darüber gelegten schwebenden scherenschnitthaften Formen, irgendwie ort- und zeitlos. Den Kontrapunkt setzen am oberen und unteren Rand starkfarbige, sparsam gesetzte geometrische Muster. Schichten und scherenschnittartige Chiffren finden sich auch bei anderen Arbeiten der Ausstellung – zurückhaltend und karg in den kleinen Papierarbeiten, entschieden und stark auf den großen Leinwänden. Schön und spannend, dass auch ältere Werke gezeigt werden wie die Buchobjekte, bei denen der Künstler nahezu gewalttätig in das Innere eingreift. Sehr gelungener Einblick in das Schaffen Adamskis.

Nur ein paar Schritte entfernt liegt die Maxgalerie von Anette Urban und Wolfgang Reichert, eigentlich ein großes Schaufenster in der Augsburger Maxpassage, das Lust auf mehr macht. Das Mehr gibt es dann im 2. Stock. Aktuell sind die betörenden Bilder von Julia Winter (Foto: »Love«) zu sehen, die den Betrachter so unmittelbar erreichen, wie die Künstlerin arbeitet. Auf einer präzisen Basis entfalten sich Text, unerklärliche Zeichen oder abstrakt blumige Gebilde in delikater Farbigkeit. Winter, die in München bei Jerry Zeniuk studiert hat, schichtet Farbe und Elemente, exakt konturierte Formen treffen auf mit kräftigem Pinselstrich entstandene Passagen. Galeristin Urban hat aber noch was auf Lager: Hier gibt es immer eine gute Auswahl an außergewöhnlichem Schmuck, aktuell sehr schöne Objekte der Bremerin Danni Schwaag. Zum Schwachwerden…

Weiter geht es in die Neue Galerie im Höhmannhaus. Sechs serbische Künstler haben die Räume bis Januar mit mal mehr mal weniger bewegten Bildern im Griff. Die eigentlich voneinander unabhängigen Videoarbeiten und Foto-Folgen führen in ihrem Zusammenspiel zu Blickachsen und bewussten Überlagerungen – Kuratorin Una Popovic zeigt so eben nicht nur die Arbeiten einzelner Künstler, sondern gibt auch ein Statement zur Lage der zeitgenössischen Kunst in Belgrad. Besonders deutlich wird dies in Sasa Tkacenkos Loop, in dem ein Skateboarder durch weite leere Räume düst: Er ist in Belgrads Museum für zeitgenössische Kunst unterwegs, das für eine umfangreiche Renovierung geschlossen wurde. Da es in der Ausstellung keine Erläuterungen zu den Arbeiten gibt, heißt es: Zeit mitbringen, genau hinsehen und eigene Fragen finden.

Ab ins Allgäu nach Kaufbeuren. Das Kunsthaus zeigt gerade die Gruppenschau »Blickfang« mit den Arbeiten von 32 jungen Künstlerinnen und Künstlern: ein guter Querschnitt aktueller künstlerischer Positionen. Unter anderem ist Karen Irmer vertreten, die wunderbare Fotografie-Künstlerin, die in Augsburg derzeit eindrucksvoll und poetisch die Moritzkirche mit ihren Installationen bespielt. Im Auge behalten sollte man unbedingt Julia Schewalie, die an der Münchner Akademie studiert hat, und die erst kürzlich mit dem Aichacher Kunstpreis ausgezeichnet worden ist.

Wann immer man nach München fährt: Es findet sich ein Reigen sehenswerter Ausstellungen. Erster Stopp Kunsthalle. Sich der Lust der Täuschung hingeben, schadet ja manchmal nicht, vor allem wenn man sich dessen bewusst ist. Wie das geht, lässt sich in einer Schau erleben, die schlüssig gattungs- und epochenübergreifend Kunstwerke und Objekte versammelt, denen eine optische Täuschung innewohnt. Der Fokus auf den reinen Effekt wird den einzelnen Arbeiten zwar nicht gerecht, sehenswert ist das Ganze aber allemal.

Nächste Anlaufstelle: Das Haus der Kunst. Wie es dort weiter geht (Leiter Okwui Enwezor hat sich krankheitsbedingt zurückgezogen und Geld ist Mangelware) ist mehr als unklar, aber immerhin läuft die Jörg-Immendorf-Retrospektive. Aber es wird auch die bis dato umfassendste europäische Überblicksschau des 1943 in Indien geborenen Vivan Sundaram geboten. Neben früher Malerei (die irgendwie befremdlich ist) sind Fotografien und überzeugende Videos zu sehen. Wichtig und wesentlich sind jedoch Sundarams großräumige Installationen. Der Künstler collagiert und montiert, setzt industrielles genauso ein wie Handwerk. Sundaram ist ein ausgesprochen politischer Künstler, der mit seinen spröden Arbeiten Zeitgeschichte kommentiert. Herausragend: die Terrakotta-Installation »One and a Many« und vor allem der verstörende Schlafsaal »12 Bed Ward«.

www.eckegalerie.de
H.P. Adamski: Des Zettels Traum, bis 10. November

www..kunstsammlungen-museen.augsburg.de
Behind The Image, bis 13. Januar

www.maxgalerie.de
Julia Winter: Ouch, bis 16. November

www.kunsthaus-kaufbeuren.de
Blickfang, bis 25. November

www.kunsthalle-muc.de
Lust der Täuschung, bis 13. Januar

www.hausderkunst.de
Jörg Immendorff: Für alle Lieben in der Welt, bis 27. Januar // Vivan Sundaram: Umbrüche, bis 1. Januar

 

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