Den Bach runter

die laecherliche finsternis_theater augsburg
28. September 2015 - 13:31 | Bettina Kohlen

Das Theater Augsburg beginnt die neue Spielzeit mit »Die lächerliche Finsternis« von Wolfram Lotz – und geht damit baden.

Zum Einstieg schiebt die Pianistin (Myunghwa Wiede) ihren Flügel in die Mitte, Beethoven und Puccini werden erklingen. Um diese Nabe abendländischer Kultur bewegt sich das wüste Geschehen. Angelehnt an Joseph Conrads Roman »Herz der Finsternis« und Francis Ford Coppolas Film »Apocalypse Now« lässt Wolfram Lotz seine Akteure einen durchgedrehten Offizier suchen, um ihn auszuschalten – irgendwo im afghanischen Regenwald (ja!).

Vier nylonbestrumpfte Kerle (Tjark Bernau, Alexander Darkow, David Dumas, Klaus Müller), obenrum weiße Pullover, jeder mit einer Rewe-Plastiktüte ausgerüstet, staksen auf sehr hohen Hacken in einem schwarzen Plastikfolien-Guckkasten-Dschungel herum (Bühne und Kostüme: Christoph Ernst). Lächerlich und finster. So geht es den Hindukusch flussaufwärts. Fluss? Doch, die beiden Soldaten Pellner und Dosch waren da. Tatsächlich? Oder einfach im Arsch – in jeder Hinsicht. Auf ihrer Reise begegnen ihnen ein paar personifizierte Klischees: ein serbischer Händler, ein italienischer Blauhelm, ein Missionar. Dazwischen funkt immer wieder ein somalischer Diplom-Pirat, der aber nicht ins Stück passt und deshalb der Einfachheit halber erschossen wird.

Hier können alle alles sein, die vier sprechen, schreien, singen, surren die aberwitzigen, auch mal ziemlich anal-drastischen Texte abwechselnd, parallel, hin und her. Identitäten? Alles (aus-)tauschbar.

Autor Lotz konzipierte sein Stück bewusst als Hörspiel und überlässt dem Inszenierenden den Text als Materialbasis, auf der dieser sein Stück errichtet. Regisseur Michael von zur Mühlen schickt in der Brechtbühne seine vier Musketiere in Strumpfhosen auf eine irre Reise, doch sein Konzept geht nicht auf. Statements zu Krieg, Hunger, Rohstoffkolonialismus, Verzweiflung werden durch den Wolf gedreht, doch was diese Männer antreibt, was das Ganze soll, bleibt im Dunkeln.

Bis Februar 2016 im Spielplan, nächste Termine: Sa 3.10. und So 4.10.

www.theater-augsburg.de

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