Den Hut gezogen

15. Dezember 2020 - 15:27 | Jürgen Kannler

Am 10. Dezember ist Sybille Schiller im Alter von 73 Jahren gestorben.

Sie war eine beherzte Vortragskünstlerin, gewitzte Programmmacherin und versierte Autorin. Über Jahrzehnte verstand sie es, diese Talente in Einklang zu halten. Als Kultur- und Gesellschaftsreporterin war sie vorwiegend für die Augsburger Allgemeine und das Augsburg Journal im Einsatz. Dort war sie in ihrer Art kaum zu ersetzen.

Aus dieser Arbeit ergaben sich im Laufe der Zeit zahllose Kontakte zu einigen ganz Großen und auch zu vielen, die gerne groß wären. Aus einigen dieser Verbindungen erwuchsen Freundschaften, ganz ohne Likes und Grinse-Emojis.

Diese Menschen vertrauten ihr und Sybille Schiller wurde diesem Vertrauen gerecht. Für ihre journalistische Arbeit war das persönlichen Beziehungen geschuldete Insiderwissen tabu. Vor dieser fachlichen wie menschlichen Größe darf man gerne den Hut ziehen. Vor ihrer menschlichen Wärme sowieso. Da ließe sich auch für manchen Chefredakteur oder Herausgeber noch einiges lernen.

Die letzten Jahre verliefen für die geschätzte Kollegin nicht ganz ohne bittere Erfahrungen. Mehrfach gab man ihr zu verstehen, sie passe nicht mehr in eine sich verändernde, vorgeblich modernere Medienlandschaft.  

Was für ein Irrtum: Sybille Schillers Kompetenzen speisten sich aus Authentizität, Fachwissen und einer tiefen Leidenschaft für die Künste. Eigenschaften, die man in den Redaktionen lange suchen muss und trotz aller Bemühungen nicht immer findet. Es sind wohl die Medienmacher*innen, die sich mit ihrer Arbeit auf dem Holzweg befinden und eine Stimme wie die von Sybille Schiller nicht gekonnt zum Einsatz bringen können.

Im Namen der a3kultur-Redaktion verabschiede ich mich von dieser besonderen Kulturmacherin und großen Dame des Feuilletons.

Jürgen Kannler
Chefredakteur a3kultur-Medien
 

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