DJ Hundefriedhof im Vollkontakt

2. Februar 2015 - 12:32 | Martin Schmidt

Lobotomie-Trash für Bescheuerte, ein Kellerpaket voll Rock für die Harten und Youtube-Sessions für die Surfenden – das sind die Live-Highlights im Februar.

Intro schrieb über HGich.T: »So scheiße, dass es schon wieder scheiße ist.« Das Hamburger Gaga-Dada-Künsterkollektiv knöpft sich im Februar abermals die Kantine vor. Man kann vorwegschicken, dass sie pubertär sind, arty-farty und tatsächlich scheiße. Aussprechen tut man HGich.T als »Ha-Ge-Ich-Te«, aber ganz so genau weiß das auch niemand. Vielleicht sind HGicht.T auch keine Künstler, sondern lediglich Verzweifelte, die sich mit Schlingensief-Goa und Lobotomie-Rave eine Sinngebung ins limbische System knallen.

Schon die Namen der Mitglieder: DJ Hundefriedhof. Tutenchamun. Dr. Diamond. Aber Namen sind Krawall und Rauch. Sind Deichkind Kindergarten, so sind HGich.T schillernde Psychiatrie. Kunstkacke. Hackedicht und selber bewusstseinsverändernde Substanz. Kennt man das in Augsburg? Google und ein Anruf bei der Stadtverwaltung geben wenig Aufschluss. Darum: Am Freitag, 27. Februar, eskaliert die mindestens zehnköpfige Truppe in der Kantine und gibt, in simplen Wahnsinn gegossen, Krankheit und Provokation einen neuen Namen. Nebenbei präsentieren sie ihr im letzten Herbst erschienenes Album »Megabobo«. Und erwarten Sie bitte keinen Respekt.

»Kantine im Soho«

Respekt aber bitte für die neue Koop-Reihe »Kantine im Soho«. Was für eine krasse Idee, das Geilo-Booking der Kantine mit dem Taste des Soho zu verlinken. Wer hier einen Live-Gig erlebt, der hat ihn, bei Schweiß und Bier, im Vollkontakt erlebt. Intimer, näher, intensiver geht es dort, treppab im Ludwigsviertel, wohl kaum. Einen starken Start legt die Reihe am Freitag, 3. Februar, mit Trümmer und Mint Mind hin. Trümmer aus Hamburg, Kritikerlieblinge und 2014 im Fokus der Popmedien, stellen ihr Debütalbum vor. Gehandelt werden sie als eine Neuauflage der Hamburger Schule aka Tocotronic, Blumfeld, Die Sterne. Und was für ein geiler Support: Mint Mind sind das neue Projekt von Tocotronic-Member Rick McPhail und Deichkind-Mitglied Sven Janetzko. Was für eine Paarung, was für ein Ergebnis: krach-knackiger Fuzzrock mit lässiger Hippie-Geste. Das ist unerwartet, das ist gut. Und am Freitag, 13. Februar, geht »Kantine im Soho« weiter – mit einem Doom- und Postmetal-Paket. Man fasst es nicht. Dabei: die gefeierten Mantar (Bremen/Hamburg) sowie die Throwers (Leipzig) und Michael Zimmel (Linz).

Live-Session digital

Fiel in diesem Artikel nicht schon mehrmals der Name Tocotronic? Also dann zitieren wir: »Digital ist besser.« Am Valentinstag, Samstag,14. Februar, startet nämlich das Projekt Augsburger Kegelbahnkonzerte. Findet digital auf Youtube statt, eingespielt in der analogen Welt der Kegelbahn im einstigen Provino Club. Leider dürfen in der Kegelbahn wegen Brandschutzverordnung und fehlender Fluchtwege keine Konzerte stattfinden, aber die Truppe von Raumpflegekultur (stecken auch hinter der Metzgerei und Bedroomdisco) hatte die Idee der Ideen: Wir zeichnen Live-Sessions von Bands einfach auf und geben sie dann im Netz dem Publikum. Augsburger Vorzeigebands wie We Destroy Disco, Sedna and MakeMake und Bassas da India haben ihre Proberäume ohnehin vor Ort, warum nicht Proben mit Mehrwert? Und dazu, aus dem Freundeskreis, kommen dann noch die Songwriter The Wolle sings und Tanja Kitzberger. Ein Clip von We Destroy Disco macht am Valentinstag den Anfang. Jeden Monat zeigt eine weitere Band eine Live-Performance eines ausgesuchten Tracks. Professionell geschnitten, mit zwei Kameras gefilmt, in hochwertigem Audio. Inklusive etwas Statistenpublikum. Tun Sie also Folgendes: Gehen Sie am Valentinstag auf Youtube. Geben Sie »Augsburger Kegelbahnkonzerte« ein. Lehnen Sie sich zurück. Und danach: Abonnieren Sie den Kanal.


Foto: Dieser labile Herr isst Katzennahrung. Warum tut er das? Darum: DJ Hundefriedhof bereitet sich auf seinen Gig mit seiner Truppe HGich.T in der Kantine vor. Musikkantine, nicht Katzenkantine. Und am Freitag, 27. Februar.

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