Gastronomie in der Kresslesmühle startklar

Susanne Thoma
10. Dezember 2015

Die Gäste warteten gespannt vor der Tür, als er sich zusammen mit dem Integrationsreferenten Reiner Erben und der Leiterin der Mühle, Margret Spohn, mit einer Schere in Position brachte. Bis zum letzten Augenblick haben Handwerker und das Team der Kulturküche gewerkelt, Speisen zubereitet und die Gastroräume festlich dekoriert. Die zahlreichen Neugierigen konnten über das veränderte Ambiente und das Speisenangebot staunen und genossen bei einem Begrüßungssekt und einer kostenlosen Kabarettvorstellung den Abend.

Verdrängt waren die bitteren Momente, als die Kulturküche Anfang September zur Zielscheibe von rassistischen und fremdenfeindlichen Attacken geworden war. Wir erinnern uns: Vor dem Eingang war ein Transparent mit der Aufschrift »Nein zu Kulturküche und Asylanten in Kresslesmühle« aufgehängt und die Eingangstür mit einem Hakenkreuz beschmiert worden. Die Kulturküche gilt als Vorbild für Vielfalt und Innovation und hatte vom Stadtrat den einstimmigen Zuschlag für die Gastronomie in der Mühle erhalten. Die Stadtregierung verurteilte daher die Angriffe scharf: »Die Stadt steht ohne Wenn und Aber zum neuen Pächter in der Kresslesmühle.« Margret Spohn griff dieses Bekenntnis in Reimform auf: »Die Kulturküche machte das Rennen. Gastro und Mühle sind ab jetzt nicht mehr zu trennen. Unser Haus ist interkulturell, ist international und gerade in diesen Zeiten ist das alles andere als banal.«

Künftig wird die Gastronomie im Kulturhaus nun wieder täglich geöffnet sein und ein buntes Angebot an Frühstück und Mittagessen haben – vom russischen Eintopf über afghanische Gemüseplatte bis zu schwäbischen Kässpatzen. Für den Samstag planen Beigl und Geschäftsführerin Romana Stirparo einen Shopping-Brunch. Für Abendgäste wird es auch nach den späten Vorstellungen noch Essen geben. Veranstaltungen werden hin und wieder thematisch-kulinarisch begleitet, was ein Indiz dafür ist, dass die Gastronomie mit der Kultur eng verwoben ist. Eben diesen Ansatz haben viele Gäste in den letzten Jahren vermisst. Beigl ist sich bewusst, dass manche ein nostalgisches Bild von der Mühle als Bürgerhaus mit politischer Zielsetzung haben. Die 70er- und 80er-Jahre zählten zu ihrer Blütezeit. Beigl möchte den alten Geist zwar übernehmen, aber auch frischen Wind hineinbringen. Als Szenegastronomen sieht er sich jedoch nicht, als Impulsgeber für die Altstadtszene wohl schon: »Vielleich wird es irgendwann eine Bernd-Beigl-Straße geben?« Aber nein, er macht nur Spaß.

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