Dunkel, magisch, sexy und fucked up

2. November 2015 - 10:15 | Martin Schmidt

Sparen auch Sie Heizkosten – gehen Sie im Winter dorthin, wo es warm ist und sich knusprige Körper aneinanderreiben: In den Clubs warten Noisy R’n’B und psychedelischer Garagensound.

Es ist Herbst und die Menschheit bekommt endlich, was sie verdient: Kälte, Regen, Wind, schmucken Untergang. Wären da nicht die Konzert-Booker der Augsburger Clubs, die sich halb tot gebucht haben, um einen großartigen, trostreichen Musikherbst aufzustellen. Ein Blick in den a3kultur-Konzertkalender beweist es. Die a3k-Mischpult-Kolumne fokussiert die dunkel-erotischen The Underground Youth (Garage Rock/Psychedelic) und Erotic Market (noisiger R’n’B).

Auf Facebook-Bildern sieht der Herbst immer golden, bunt und rot-gelb-romantisch aus. Schaut man aber aus dem Fenster, stellt man fest: Unser Herbst ist grau, nass und neblig. The Underground Youth aus der Schwarzweißgrau-Metropole Manchester auf der Regeninsel »England« haben das längst erkannt und die Welt als einen Film noir verinnerlicht. Sie verschmelzen gitarrigen Garagensound mit Psychedelic und erschaffen so eine Art gothic Shoegaze, ganz in der Tradition von Bands wie The Velvet Underground, The Jesus and Mary Chain, Brian Jonestown Massacre und Joy Division. Am Donnerstag, 26. November, 21 Uhr, zünden The Underground Youth ihren dunklen Psychedelic-Sex im City Club. Support: Crystal Soda Cream aus Wien mit Postpunk-Sound der frühen 80er-Jahre.

Der Kolumnist gibt freimütig zu, dass er mit R’n’B nicht so viel anfangen kann. Trotzdem ist es sein gottverdammter Job, auch darüber zu schreiben. Und er wird es tun. Denn überzeugt haben den so hüftsteifen Schreiberling Erotic Market mit ihrem, wie das Projekt aus Paris seine Musik beschreibt, »Noisy R’n’B«. Das trifft es ganz gut; andere nennen die Band die französische Antwort auf Acts wie M.I.A. oder Santigold. (Ist es nicht schön, den Bandnamen Erotic Market zu haben, Pariser zu sein und dann in Deutschland »französische Antwort auf« genannt zu werden?) Fakt ist: Das ist crispy R’n’B und Soul, rotzfrech grenz- und genreüberschreitend, dazu anzüglich angesmasht von zerriebenem Elektro, energetischem Garage Rock und Hip-Hop-Grooves. Ein basslastiger, urbaner Hedonismus, der am Freitag, 27. November, 20:30 Uhr, Einzug auf der Soho Stage halten wird.

Was passt noch zu den Themen »dunkel« und »kalt« in diesen Monat? Zu »dunkel«: Ein schöner Zufall, dass diesen Monat die »Darker Moods«-Crew wieder Techno in der Kantine präsentiert (Freitag, 6. November, ab 23 Uhr) und einen Tag später, am Samstag, 7. November, ebendort das Dark Kasperle Theater zu Gast ist. Und zum Thema »kalt«, kalt wie steif gefrorene Finger? Ha: die Stiff Little Fingers spielen – zeitgleich zu Erotic Market am Freitag, 27. November –, und zwar in der Kantine. Für die Spätgeborenen, die diese Kolumne nicht mit der Lupe entziffern müssen: Das sind irische Punk-Legenden mit Gründungsjahr 1977 – und damit Kultkollegen von Clash, den Sex Pistols, den Buzzcocks und den Stranglers. 1977, das muss man sich mal vorstellen. Und auch das: 1977 – während sich in England der Punk formierte, wurde in Augsburg die einstige Verkehrsgemeinschaft Augsburg gegründet und das Augsburger Engelesspiel erfunden. Zwei verschiedene Definitionen von Punk. Geht doch, oder?

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