Dunkel, sinnlich, emotional

10. Mai 2016 - 12:54 | Renate Baumiller-Guggenberger

Premiere des Ballettabends »Soto Danza« in der Brechtbühne

Mit großer Könnerschaft umkreist der neue Ballettabend mit vier Kurz-Werken des spanischen Choreografen Cayetano Soto die Licht- und Schattenseiten des Daseins. Soto selber, der seit über zehn Jahren und nach seiner Tänzerkarriere u.a. am Ballett Theater München als international gefragter freier sowie als Haus-Choreograf beim Ballett British Columbia unterwegs ist, konnte leider krankheitsbedingt den intensiven Premierenbeifall nicht persönlich entgegennehmen. So galt dieser ganz ausdrücklich der wie stets extrem präsenten, optimal auf »Soto-Handschrift« und damit auf eine technisch anspruchsvolle und vielseitige, tiefgründige und sinnliche Bewegungssprache getrimmten Company.

Bereits im großen Haus und mit besseren Lichteffekten hatte Soto vor einigen Jahren sein »Plenilunio« zu den einnehmenden Streicherklängen von Alberto Iglesias gezeigt und im Mysterium und der Magie des Mondes die (Un)-Beständigkeit menschlicher Beziehungen gespiegelt. Noch prägnanter und poetischer setzt er sich im zweiten Werk »Fugaz« mit der Vergänglichkeit des Menschen auseinander. Inspiriert von den schmerzlichen Erfahrungen und der Trauer um seinen Vater, der an Krebs starb, lässt er die sechs Solisten eindringlich Momente von Bedrängnis und Angst erleben, sie attackieren sich, geben sich frei, fliehen in die Erlösung durch die dunklen Abgründe. Ständige Ortswechsel und damit die „totale Verausgabung“ dagegen wurden zur konzeptionellen Basis für das Werk »Uneven«. Die in raffinierte schwarz-weiße Outfits gekleideten Tänzer (bestechend Joel di Stefano, Mark Radjapov, Theophilus Vesely und Laura Armendariz) geraten hier kontrolliert aus der Balance, David Lang liefert den passenden Sound.

Nicht weniger aberwitzig, dennoch durch die Rhythmen und Evergreens wie »Guantanamera« der Queen of Latin Soul befeuert, wurde das Finalstück »Malasombra« zum tänzerischen Highlight und empfiehlt sich als mitreißender Beitrag zur nächsten Ballettgala. Fasziniert vom tragischen Schicksal der kubanischen Sängerin »La Lupe« (1936-1992), die für ihre Exaltiertheit und ihr Charisma bekannt war, kommt diese Ensemble-Choreografie ungemein temporeich und »very crazy« in Fahrt. Die Exzentrik von »La Lupe« wird in einem waghalsigen und humorvollen Bewegungs-Mix reflektiert, der Erotik und Schwung der Songs doppelt, der Glut und Wut perfekt kontrastiert. Ein Ballettabend, der sich lohnt!

Weitere Termine: u.a. 20./21./25.5 und 14./17./19./26.6.2016

www.theater-augsburg.de

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