In einer Nacht die Menschheitsgeschichte durchlebt

1. Februar 2017 - 10:44 | Dieter Ferdinand

»Der Traum eines lächerlichen Menschen« im Hoffmannkeller des Theaters Augsburg

»Ich bin ein lächerlicher Mensch«, sagt der Erzähler (Sebastian Baumgart), die Menschen halten ihn gar für verrückt. Ihm scheint alles einerlei, er will sich erschießen, hofft aber insgeheim auf eine andere Lösung. Es begleitet ihn sein anderes Ich, dargestellt von der Tänzerin Katrin Schafitel, die sich um ihn bewegt und auch Nebenrollen spielt. Das Stück nach der Erzählung von Fjodor Dostojewskij beginnt in düsterer Atmosphäre. Auf der Spielfläche steht ein Sarg mit Schaukelkufen, ein Metronom tickt, die ablaufende Zeit anzeigend. Unterwegs sieht der Mann einen hellen Stern und beschließt, in dieser Nacht abzudrücken. Da zupft ihn ein Mädchen am Ellenbogen, ruft mit den Worten »Mutti, Mutti« um Hilfe. Er stößt es laut von sich und bezeichnet dies hernach als »unmenschlichste Rohheit«.

In seinem Sessel schläft er ein und träumt, er habe sich ins Herz geschossen. »Das Herz ist meine Wunde«, tönt es aus dem zu kurzen Sarg. Später sieht er eine Gestalt auf sich zukommen, in ein rotes Tuch eingewickelt. Dieses verwandelt sich in Flügel, die Gestalt wird zum Engelwesen. Sie fliegen durch den Kosmos und landen auf dem bereits beobachteten Himmelskörper.

Der Stern ist eine paradiesische Erde, wo Mensch und Natur harmonisch zusammenleben. Die Liebe herrscht, der Erzähler hat die Wahrheit gesehen. Er weiß aber auch, dass er alle verdarb und sieht sich als Ursache des Sündenfalls. Die Folgen: Eifersucht, Neid, Tierquälerei, Blutvergießen. Er aber liebt die Menschen noch intensiver. Als der Schmerz über die Zustände zu stark wird, erwacht er. Er stößt den Revolver von sich und will die gesehene Wahrheit verkünden, dass alle Geschöpfe in Liebe und Frieden leben könnten. Zuvor aber sucht er noch das kleine Mädchen auf.

Katrin Schafitel und Sebastian Baumgart ziehen das Publikum in ihr Spiel. So kann sich jeder Mensch fragen, wie er das Stück und sich selbst im Stück sieht. Regisseur Richard Wagner gelingt es gut, die Stimmungswechsel des Erzählers sowie den Humor Dostojewskijs zu zeigen und dessen Visionen anzudeuten. Lang anhaltender Applaus für die aufwühlende Vorstellung.

Weitere Termine: 5., 16. und 24. Februar sowie 10., 18. und 24. März. Die Vorstellungen im Februar sind bereits ausverkauft.

www.theater-augsburg.de

Foto: Nik Schölzel

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