Einladung zum Anschauen

24. November 2014 - 10:58 | Iacov Grinberg

Ausstellung von Nezaket Ekici »Zwei Welten« in Holbeinhaus

Performance erschien als neue Art der Gegenwartskunst noch ist in 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Ungeachtet zahlreicher Bemühungen der Kunstwissenschaftler gibt es keine eindeutige Definition, was nämlich sich zu Performance zählt. Salopp gesagt, das sind entweder unnatürliche Körperbewegungen vor den Zuschauer in anscheinend natürlicher Situation, oder fast natürlichen Körperbewegungen in unnatürlicher Situation, oder beide – die Körperbewegungen und die Situation sind unnatürlich.

Wie auch alle Arten der Gegenwartskunst wird er nicht von allen wahrgenommen. Natürlich begegnen Ihnen in der Presse nur begeisterte Berichte. Einen Autor, der schreibt „Mit Verlaub, habe ich nicht verstanden, weswegen hat man das auf der Bühne herausgezogen?!“, kann ich mich vorstellen, eine Zeitung bzw. Zeitschrift, die eine solche Rezension publiziert, kaum: Sie wird bestenfalls nur als Kunstbanause beschimpft. Obwohl in den Couloirs nach einer Performance sind solche „Rezensionen“ sehr häufig. Keine Ausnahme war die Ausstellung in Holbeinhaus, die das Schaffen der deutschen Performance-Künstlerin Nezaket Ekici vorführt. Sie präsentiert Videoaufzeichnungen einiger ihren 150 Performances und zeigt die echten Objekte, mit denen die Künstlerin arbeitet.

Einerseits konnten Besucher in den Couloirs nicht fassen, was eine Frau bedeutet, die sich im Käfig dreht, was Allgemeinen Madonna, die von uns als das Symbol der Mutterschaft wahrgenommen wird, mit der Dame, die einige auf der Decke gefestigten Kerzen anzündet, welche auf sie mit geschmolzenen Wachs tropfen, Gemeinsames hat. Es wurden scherzhaften und ätzenden Interpretationen des Gesehen gegeben. Ein Kleiner, der dort mit seinem Vater war, sagte, dass die Tante eine Prinzessin darstellt, die in eine Igeldame verzaubert wurde. Aber andererseits waren dort auch sehr viele Begeisterte, die keine Zweifel hatten, dass sie wirklich hochwertige Kunst gesehen haben. Die Vorstellungen von Nezaket Ekici haben auch in 40 Ländern der Welt volle Sälen gesammelt. Zehntausende Menschen haben genug teuere Karten gekauft und damit „für“ abgestimmt.

Performance des internationalen Niveaus findet in Augsburg nicht häufig statt. Ihnen, sehr geehrte Leser, wird die seltene Möglichkeit gegeben, eine eigene Meinung über diese Kunstart zu bilden. Schauen Sie die Ausstellung und am 7. Dezember um 11:30 auch eine Vorstellung „live“ an. Sowohl eine als auch andere, wie auch alle Ausstellungen in Holbeinhaus, sind kostenlos.
(Iacov Grinberg)

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