Politik & Gesellschaft

Einladung zum »Selbst philosophieren«

Iacov Grinberg
28. Januar 2016

Zwischen zahlreichen Augsburger Bürgervereinigungen gibt es eine, nicht besonders berühmt und nicht besonders groß, einen losen Kreis (d.h. ohne jegliche Rechtsform und Mitgeldbeiträge), der aber regelmäßig funktioniert – das Philosophische Café. Das ist kein Stammtisch professioneller Philosophen, es ist ein Diskussionskreis. Hier versammeln sich jeden zweiten Freitag im Monat (außer im August) Menschen, die diese Welt und sich selbst verstehen möchten.

Es wurde von Ingo-Wolf Kittel seligen Andenkens, einem Arzt und Psychotherapeuten, im Februar 2006 gegründet, hat seinen Gründer bereits überdauert (er starb 2013) und wächst ständig: letztes Mal waren es bereits 70 Teilnehmer, einige sind sogar aus Nördlingen und Lindau gekommen. Wie eine Schlange ihre Haut wechselt (auch ein Symbol der Weisheit), so wechselt das „PC“ seine Versammlungsorte in stets größere Lokalitäten. Inzwischen tagt es (ich weiß nicht, ob das Wort „tagt“ zu Versammlungen, die um 19 Uhr beginnen, passt) im Restaurant „Rossini“, Butzstraße 15, 86199 Augsburg. Während dieser Versammlungen besprechen Teilnehmer einen Begriff oder ein Thema, der bei der vorigen Versammlung ausgewählt wurde. Am 12. Februar zum Beispiel steht das Thema „Selbst philosophieren“ auf der Tagesordnung. Wozu brauchen Sie das?

Jeder Mensch hat, wie ich auch, in vielen Dingen eine eigene Meinung, die natürlich die einzige richtige ist. Doch die Richtigkeit dieser Meinungen zu überprüfen (oder für sich zu bestätigen) ist nur in Gesprächen mit anderen Menschen, bei einem Zusammentreffen mit deren Meinungen möglich. Und ich kenne keinen besseren Platz dafür in Augsburg als dieses Philosophische Café. Hier gibt es sowohl überzeugte Atheisten aus dem Bund für Geistesfreiheit, als auch überzeugte Vertreter von westlichen oder fernöstlichen Religionen, professionelle Philosophen und absolute Laien, Menschen mit verschiedenstem Bildungsniveau. Man kann daher ganz unterschiedliche Meinungen und Begründungen dieser Meinungen hören. Manchmal ärgerst du dich – was für Dummheit wurde da ausgesagt – dann aber überdenkst du deine Position und deine Argumente, und, vielleicht entpuppt sich die vermeintliche Dummheit als etwas sehr Vernünftiges.

Manche Menschen kommen zum ersten Mal und bleiben dann dabei, es gibt circa 30 Leute, die fast an jeder Versammlung teilnehmen. Andere kommen und stellen fest, dass diese Form des Meinungsaustauschs ihnen nicht passt. Versuchen Sie es auch mal, lieber Leser, besuchen Sie dieses Café. Vielleicht wird Ihre Meinung eine Bereicherung für andere Teilnehmer, vielleicht deren Meinung eine Bereicherung für Sie.
(Iacov Grinberg)

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