Erstaunliche Figuren

20. Februar 2020 - 22:56 | Iacov Grinberg

Die neue Ausstellung »Sumos und Superhelden« in der Galerie am Graben zeigt Arbeiten des Kissinger Bildhauers Christian Richter.

In der heutigen Kulturszene ist Christian Richter eher eine Ausnahme. Er ist kein professioneller Bildhauer, der mir Bildhauerei seinen Lebensunterhalt bestreiten muss. Er beschäftigt sich mit der Bildhauerei nicht als Kompensation für einen langweiligen, nicht schöpferischen Brotberuf. Er ist ausgebildeter Architekt und arbeitete als solcher, studierte Kunstpädagogik und lehrte Kunst an verschiedenen Gymnasien. Mit der Bildhauerei hat Richter aus einem inneren Antrieb heraus als Autodidakt 2008 begonnen, seine Seele forderte einen solchen Ausdruck.

Er arbeitet sowohl mit Holz als auch mit Bronze, Neusilber, Marmorguss und Gummi. Obwohl man hat ihm mehrmals empfahl, in „schnelleren“ Techniken zu arbeiten, blieb Richter der zeit- und arbeitsintensiven Holzschnitzerei treu. Im Rahmen der Ausstellung in der Galerie am Graben sind zahlreiche Figürchen zu sehen.

Die Sumoringer mit ihrem enormen Gewicht und gleichzeitig erstaunlicher Beweglichkeit und Schnelligkeit im Kampf sind aus meiner Sicht eine Kontraposition zum antiken Ideal von der Schönheit eines Ringers. Ich bleibe diesem Ideal treu, viele andere Besucher*innen haben die Sumoringer gelobt, wahrscheinlich zurecht. Sowohl diese als auch die anderen hölzernen und bronzenen Figuren haben nur schematische Gesichter, Bewegung und Körperanstrengung sind jedoch sehr gut wiedergegeben. Bei einigen, wie bei „Couching“ oder „Miss Juli“, sind die Gesichter detailliert dargestellt, sehr emotional und schön. Letztere ist mit seitlicher Beleuchtung ausgestellt, was die Schönheit noch unterstreicht.

Während der Eröffnung wurde viel gesprochen, ob diese gegenständliche Kunst noch zur modernen Kunst zählt. Aus meiner Sicht gehört eine Arbeit, die von einem schöpferischen Mensch geschaffen wird und Betrachter berührt, zweifelsohne dazu.

www.christianrichter.eu

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