Erste Ergebnisse im Herbst

30. Juli 2014 - 0:00 | Jürgen Kannler

Brechtstadt hat zu viele Baustellen. Ein Kommentar von Jürgen Kannler

Wer übernimmt die künstlerische Leitung des Brechtfestivals ab dem Jahr 2016, was geschieht mit dem Geburtshaus Brechts in der Altstadt, werden das Theater und/oder die Staats- und Stadtbibliothek in die Präsentation des Themas miteinbezogen? Das Thema Bert Brecht bietet in Augsburg zurzeit mehr Fragen als Antworten. Die drängendste ist wohl, wer ab 2016 das Brechtfestival leiten wird. Joachim Langs Vertrag als künstlerischer Leiter des Events läuft im kommenden Jahr aus. Der Film- und Theatermann hat sich um die Brecht-stadt in den vergangenen Jahren verdient gemacht und würde unter den passenden Voraussetzungen wohl verlängern.

Zuspruch erfährt er in diesem Ansinnen von vielen der Brechtprotagonisten der Stadt, und nicht zuletzt aus dem Brechtbüroteam. So hebt Girisha Fernando, er kuratiert unter anderem den musikalischen Teil des Festivals, das gute und offene Arbeitsklima unter Lang hervor. Auf dieser Basis gelangen in den letzten Jahren einige Coups, wie die Verpflichtung von Patti Smith oder die Auftritte von Thomas Thieme. Der Netzwerker Joachim Lang verstand es, an die viel beachtete Arbeit seines Vorgängers Albert Ostermaier anzuknüpfen. Diesem Erfolg ging allerdings eine bittere Zeit des Stillstands für alle Brechtfreunde der Stadt voraus. Der letzte Kulturreferent verstand es nicht, den Übergang von einem künstlerischen Leiter zum nächsten zu moderieren, und das Festival verlor nicht nur national an Bedeutung. Dieser Fehler soll sich in Augsburg nicht wiederholen.

Im Herbst will Thomas Weitzel, seit Mai neuer Kulturreferent der Stadt, erklären, wie die künstle-rische Leitung des Festivals über 2015 hinaus aussehen soll. Zeitgleich ist eine Neupositionierung des Brechtthemas in wesentlichen Punkten zu erwarten. Dass diese strategische Planung mit Joa-chim Lang geschieht, ist fast auszuschließen. Von Planungen Weitzels mit Lang ist nichts bekannt. Für den neuen Referenten ist das Brechtfestival aber auch nur eine von sehr vielen Kulturbaustellen, die zentnerschwer auf seinem Schreibtisch liegen. Theaterumbau, Kulturentwicklungsplan und die Zukunft des Brechthauses sind weitere Projekte nur in diesem einen Kontext. Nicht zuletzt die Frage, wie mit dem Brechthaus in der Augsburger Altstadt zu verfahren ist, könnte Ansatz und Schlüssel zur Zukunft der Brechtstadt Augsburg sein.

Am dritten Julisonntag trafen sich eben dort Fachleute und Interessierte zum ersten Brecht-Brunch, um sich zum Thema auszutauschen. Dieser von Kurt Idrizovic initiierte und moderierte und von Jochen Schneider künstlerisch betreute Termin war ein erster Schritt in die richtige Richtung und kann als Erfolg verbucht werden, auch wenn die geladenen Diskussionsgäste (Götz Beck für die Regio Augsburg Tourismus, Reinhard Laube für die Staats- und Stadtbibliothek und Thomas Weitzel für die Stadt Augsburg) über eine erste Präsentation ihrer Positionen kaum hinauskamen.

Der nächste Brecht-Brunch ist am 14. September ab 11 Uhr, schon am 14. August gibt es anlässlich des 58. Todestags des Künstlers ab 19:30 Uhr eine Lesung, Filme und Gespräche im Brechthaus.

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