Ausstellungen & Kunstprojekte

Es gibt ein Dahinter

Jürgen Kannler
10. April 2016

a3kultur: Frau Berndt, Sie haben vor drei Jahren eine Galerie eröffnet. Warum in Augsburg?
Beate Berndt: Früher war ich beruflich viel auf Reisen. Vielleicht arbeite ich deshalb heute so gern an dem Ort, wo ich lebe. Die Geschichte mit der Galerie hat aber auch viel mit dem Ort hier zu tun, so direkt im Frauentor, das hat schon einen ganz speziellen Reiz. In diesen offenen Räumen kann ich einen wunderbaren Bogen zu den Menschen schlagen, die hier vorbeigehen, nicht nur zu denen, die mich besuchen. Das ist mir wichtig.

Welche Reaktionen bemerken Sie bei den Passanten?
Die Menschen mögen die Arbeiten meiner Künstler und sie bleiben deshalb gerne vor den Schaufenstern stehen. Nicht nur Fußgänger, auch die Autofahrer. Manchmal bilden sich dann kleine Staus, weil die Fahrer nicht gleich starten, wenn die Ampel auf Grün umschaltet, sondern in Gedanken noch bei unseren Bildern sind. Es ergeben sich auch immer wieder Gespräche und ich bin dann oft erstaunt, mit wie viel Begeisterung und Verständnis die Menschen hier der Kunst begegnen.   

Sie haben eigentlich schon ein Arbeitsleben mit einer Karriere in der Modebranche hinter sich. Was war für Sie ausschlaggebend, ein Start-up im Kunsthandel zu wagen?
Alles, was ich bisher im gestalterischen Bereich mit den Stoffen, Farben und Formen ausleben konnte, wollte ich hier noch einmal in einer erweiterten Form erleben. Quasi als eine Essenz davon.

Sie hätten sich auch ein weniger beschwerliches Aufgabengebiet suchen können.
Ich mache immer schon gern Dinge, die mit einem gewissen Bauchgefühl zu tun haben. Da gehören die verschiedenen Herausforderungen, die einem das Leben so bietet, unbedingt dazu. Ich bin hier ganz real bei mir selbst, weil ich dieses Gespür für Menschen und ihre Kunst habe und gern auch in diesem Kontext Verantwortung übernehme.

Welche Parallelen erkennen Sie zwischen Kunst und Mode?
Beide Bereiche unterliegen in ihrer Wahrnehmung und Bewertung mit Sicherheit einem gewissen Zeitgeist und seinen Strömungen.

Gegenwärtig läuft mit Simone Distlers Schau »Zwischen den Welten« Ihre zwölfte Ausstellung. Dabei handelt es sich um eine verhältnismäßig junge Künstlerin, die gerade erst ihren Abschluss an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle in Sachsen-Anhalt gemacht hat. Ihr bisheriges Programm listet renommierte Namen wie Bernd Rummert, Heinrich Glas oder Celia Mendoza. Liegt Ihrer Ausstellungsplanung ein bestimmtes Konzept zugrunde?
Bei der Programmplanung spielt Intuition eine wichtige Rolle. Mich faszinieren in der Kunst eher stille Räume und leise Töne, wie ich sie zum Beispiel mit Celia Mendoza umsetzen konnte. Mit ihr fing eigentlich alles an und wurde mehr und mehr zum tragenden Inhalt und Thema der
Galerie. Ich präsentiere gern nach innen Gekehrtes mit einer sensiblen Tiefe, Entschleunigtes, wenn Sie so wollen. Diese Herangehensweise verlangt nach Arbeiten, die den zweiten Blick fordern, Bilder, in die man sich hineinspüren muss. Es gibt immer ein Dahinter. Nicht nur Oberfläche, da ist mehr.

Sie stellen vorwiegend Künstler aus, die abstrakt arbeiten. Manche Werke könnte man auch im Bereich der konkreten Kunst verorten. Wann ist bei Ihnen der Punkt erreicht, an dem Sie wissen, dass Sie mit einem Künstler oder einer Künstlerin zusammenarbeiten wollen?
Immer dann, wenn ich spüre, da ist mehr, als was ich sehe. Ich muss angezogen sein – nicht nur von der Oberfläche. Oft entscheiden dann das Gespräch mit den Künstlern, ihre Haltung und ihre Positionen, ob es zu einer Zusammenarbeit kommt. 

Können Sie sich vorstellen, Arbeiten von Künstlern zu präsentieren, hinter denen Sie nicht zu hundert Prozent stehen können?
Natürlich kann ich mir das vorstellen. Persönlichkeit braucht Platz. Wichtig ist, dass der Ansatz passt. Künstler müssen sich in der Zusammenarbeit mit ihrer Galerie frei entfalten können.

Welchen Ansatz verfolgen Sie mit der Schau »meta white – a tranquil force« von Udo Rutschmann, die demnächst hier zu sehen sein wird? 
Das ist im Grunde genommen eine Weiterführung der bisher eingeschlagenen Linie, die ich mit der Galerie verfolge. Udo Rutschmanns Arbeiten mit Materialen wie Wachs, Gips und Ton, aber auch seine hervorragenden Zeichnungen stehen exemplarisch für dieses Konzept.

Foto: Galeristin Beate Berndt vor Bildern der aktuellen Ausstellung »Zwischen den Welten« von Simone Distler. (Foto: Martin Kohnle). Unter dem Titel »meta white – a tranquil force« zeigt Udo Rutschmann dann ab dem 12. April seine »Incubatoren«. Vernissage: 12. April, 19:30 Uhr
www.galerie-augsburg.com

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