Farbrausch

25. Oktober 2017 - 8:14 | Renate Baumiller-Guggenberger

»No magic for me today« – Farbmalereien von Julia Winter in der Schwäbischen Galerie

Wer die noch bis zum 5. November laufende Einzelausstellung der in Dillingen lebenden Julia Winter (Jahrgang 1984) besucht, ist versucht, die beiden großformatigen und technisch respektablen Selbstporträts zu befragen. Frontal begegnet hier dem Betrachter eine sportlich und stark wirkende junge Frau mit offenem, doch emotionslosem Blick – einmal in Sitzpose, einmal auf einem Bein stehend vor einer weißen (Mond?)-Scheibe mit der Hand auf dem Herz. Wer bist du, Julia Winter, und was wollen deine Bilder (uns sagen)?

Die Antwort folgt postwendend. Julia Winter, die Spachtel, Spray und Acrylfarben bevorzugt, hinterlässt auf einigen ihrer Arbeiten knappe Statements wie den Satz »Ich bin immer jemand anders«. Dieses Faible für skripturale Elemente findet man häufiger in der rund 50 Bilder umfassenden Werkschau. Auf schwarz umrandeter weißer Fläche steht anderswo in Versalien der Satz, der die Ausstellung übertitelt: »NO MAGIC FOR ME TODAY«. Nicht jeder Tag gebiert Wundersames, das sich in Kunst und Ausdruck wandeln lässt. An den anderen Tagen aber hat Julia Winter offensichtlich die Magie vielfach schriller Farben und amorpher Flächen für sich entdeckt. Diese komponiert, kombiniert und kontrastiert sie frech und frei in den ungegenständlichen Werken und formt sie so zum »center of chaos« (so ein weiterer Bildtitel).

Ähnlich ergiebig, da immer wieder integriert, scheint für die Künstlerin, die ihr Diplomstudium an der Akademie der Bildenden Künste in München absolviert hat, die Wahrnehmung bzw. Verbildlichung rhythmischer Strukturen unserer Gegenwartswelt, die Bildern wie »wild rhythms« oder »hidden treasures« eine rätselhafte Dynamik verleihen. Wie so oft in der modernen Kunst scheiden sich bei diesen Werken die Geister, was auch ein Blick ins Gästebuch deutlich macht, in dem sich Begeisterung angesichts des Farbrausches und unmissverständliche Ablehnung in etwa die Waage halten.

Gelegenheit, die junge Malerin persönlich kennenzulernen, besteht beim Künstlergespräch am 5. November um 15 Uhr – Moderation: Dr. Mechthild Müller-Henning. In der Schwäbischen Galerie folgen ab dem 19. November die Ausstellungen »Vorsicht Baustelle!« sowie »Schnee und klirrende Kälte. Winterbilder aus der Sammlung«.

www.schwaebisches-volkskundemuseum.de

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